„Fehler können böse Folgen haben“

Medikamente liegen in den Regalen eines Kommissionierautomaten, aufgenommen am 29.04.2015 in einer Apotheke in Hamburg.

Medikamente liegen in den Regalen eines Kommissionierautomaten, aufgenommen am 29.04.2015 in einer Apotheke in Hamburg.

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Zu „Riskanter Pillen-Mix in der häuslichen Pflege“ vom 29. Juli:

Das ist ein wichtiges Thema. Tatsächlich ist es für Laien und manchmal auch für Pflegepersonal nicht einfach, Fehler bei der Medikamentengabe zu vermeiden, besonders, wenn täglich fünf und mehr verschiedene Arzneimittel eingenommen werden sollen. Fehler können unter Umständen dramatische Folgen haben. Enttäuschend ist aber, dass die Medikationsanalyse in Apotheken bei weitem nicht so verbreitet angeboten wird, wie man nach dem Info-Kasten annehmen könnte. Auf der Website der Apothekerkammer Westfalen-Lippe sind für ganz Niedersachsen nur zwei Apotheken in Hildesheim aufgeführt, die AMTS-zertifiziert sind.

Gunda Reichenbach, Wolfenbüttel

Psychotherapie ist im Alter zu teuer

Zu „Was bei Depressionen im Alter hilft“ vom 27. Juli:

Prof. Dr. Kessler hat sicherlich Recht, wenn er sagt, dass es für alte Menschen zu viele Antidepressiva und zu wenig Psychotherapie gibt. Aber ich als Altenpfleger a. D. behaupte, dass es einen wichtigen Grund dafür gibt, warum dies der Fall ist, nämlich Geld. Gerade im Alter spielt Geld eine sehr wichtige Rolle. Ich nehme mich selbst als Beispiel. Als ich meinen Rentenbescheid bekommen habe, hat die Behörde, ohne Anforderung, gleich einen Antrag auf Leistungen der Grundsicherung im Alter mitgeschickt. Um diese Leistung zu bekommen, müsste ich meine ganzes Hab und Gut, das ich über 40 Jahre lang zusammengekratzt habe, der Behörde offenlegen. Ich habe dies bisher nicht getan. Ich bestreite ganz und gar nicht, dass Prof. Dr. Kessler sehr viel Wissen angehäuft hat. Aber zu verlangen, dass alte Menschen eine teure Psychotherapie aufsuchen, wenn das Pflegepersonal kaum Windeln für sie auftreiben kann, ist, gelinde gesagt, realitätsfremd.

Glen Mapp, Weddel

Wasser verschwindet nicht einfach

Zum Leserbrief „Der Klimaschutz greift zu kurz“ vom 2. August:

Ein Kilo Rindfleisch verbraucht 15.000 Liter Wasser, behaupten Sie. Ein Bulle liefert etwa 500 Kilo Fleisch, multipliziert ergibt das siebeneinhalb Millionen Liter Wasser pro Tier. Bei den zig Paar Schuhen, die sich pro Rind fertigen lassen, dem Horn und anderen nützlichen Dingen, die es liefert, sowie der Milch, ergibt das zusammen mit dem Fleisch einen Gesamtwasserverbrauch von rund 10 Millionen Litern Wasser. Die Wasserrechnung ist Unfug. Denn das Wasser ist nicht weg. Es wird nicht verbraucht wie beim Erdöl. Der Regen fällt auch dann, wenn da nichts wächst. Das Wasser ist nicht einfach weg, sondern weiter im Naturkreislauf. Was für den Acker gilt, gilt auch für dem Haushalt. Das Wasser, dass wir beim Duschen verbrauchen, fließt in das Abwasser, wird wieder aufgearbeitet. Wasser kann recycelt werden. Es verschwindet nicht, wie viele Ökoexperten glauben.

Hubertus Werner, Salzgitter

Es geht nicht um Kreuzungen

Zu „Über Artgrenzen“ vom
1. August:

Im Leitartikel von Jürgen Polzin zum Chimären-Experiment in Japan geht einiges durcheinander. Da ist von Kreuzung die Rede und von menschlichen Embryonen. Mit beidem hat das Experiment aber nichts zu tun. Es entstehen keine Nachkommen mit gemischtem Erbgut (Kreuzung), und es werden keine menschlichen Keimzellen verwendet – was in Deutschland das Embryonenschutzgesetz auch verbieten würde –, sondern sogenannte Induzierte pluripotente Stammzellen, die zum Beispiel aus der Bauchspeicheldrüse gewonnen werden können. Zudem spricht der Autor davon, dass „biologische Artgrenzen infrage“ gestellt würden. Damit wird impliziert, dass es für die hier aufgeworfene ethische Frage eine naturgegebene Grundlage gäbe. Nur schert sich die Natur nicht besonders um menschliche Setzungen wie sogenannte Artgrenzen. Bakterien völlig unterschiedlicher Arten und Gattungen tauschen unentwegt Gene untereinander aus. Natur und Biologie sind keine geeigneten Wegweiser für Fragen der Ethik – schon gar nicht, um Argumente für das eigene, in diesem Fall rational kaum zu begründende Unbehagen zu finden.

Johannes Kaufmann, Braunschweig

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