„Politische Verantwortung übernimmt niemand“

Teilnehmer der Kundgebung der rechtspopulistischen Bürgerbewegung Pro Chemnitz versammeln sich am 1. September vor dem Karl-Marx-Denkmal. Im Hintergrund ist ein Plakat der Gegenbewegung zu sehen „Chemnitz ist weder grau noch braun“.

Teilnehmer der Kundgebung der rechtspopulistischen Bürgerbewegung Pro Chemnitz versammeln sich am 1. September vor dem Karl-Marx-Denkmal. Im Hintergrund ist ein Plakat der Gegenbewegung zu sehen „Chemnitz ist weder grau noch braun“.

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Zu „Dokumentation des Versagens“ vom 5. September:

Danke für diesen offen berichteten Artikel. Nur stellt sich für mich hier eine Frage, die immer wieder gestellt wird. Wer bitte muss sich sowohl politisch als auch juristisch der Verantwortung stellen und für diesen Missstand belangt werden? In der Vergangenheit bisher so gut wie niemand. Mit jedem neuen Delikt werden die bürgerlichen Parteien an Stimmen verlieren. Geradezu grotesk, wenn sich der Ministerpräsident von Sachsen im Fernsehen hinstellt und zum Besten gibt, er habe sich bei seinen Spaziergängen in Sachsens Großstädten noch nie unsicher gefühlt. Wieviel Sicherheitsbeamte haben ihn denn immer begleitet? Die Menschen in diesem Lande wollen endlich mal eine Reaktion, die glaubhaft ist, und nicht Dinge, die immer wieder schön geredet werden!

Karl Kurz, Salzgitter

Sahra Wagenknechts Bewegung wünsche ich viel Erfolg

Ebenfalls zu Chemnitz:

Nicht Demonstrationen, Gottesdienste oder Konzerte werden das Problem lösen. Eine Politik , die den Menschen Antworten gibt, in der sie sich wiederfinden, in der sich Parteien den Staat nicht zur Beute machen.

Die Demokratie ist dann in Gefahr, wenn Parteien andere demokratisch gewählte Parteien für undemokratisch erklären.

Nicht Chemnitz, AfD oder andere Bündnisse sind das Problem, sondern eine Politik, die jahrelang als Generator das Drehbuch für den Aufstieg dieser Gruppierungen geschrieben hat.

Ich hoffe, dass Sahra Wagenknecht mit ihrer Sammlungsbewegung „Aufstehen“ viel Erfolg haben wird.

Manfred Bräuer, Braunschweig

Multikultureller Umbau muss im Bundestag abgestimmt werden

Auch dazu:

Chemnitz zeigt einmal mehr, wie uns schleichend die Sprache genommen wurde, unsere Sorgen und Meinungen auszudrücken. Political Correctness verbietet es uns, einfach zu sagen: Nein, wir wollen nicht multikulturell werden, wir wollen nicht mit kulturfremden Menschen zusammen leben, uns nicht an ihre religiösen und kulturellen Riten

gewöhnen, nicht Unsummen für eine zweifelhafte Integration ausgeben. Damit ist man gleich rassistisch, menschenverachtend, naziverdächtig usw. Diesen Menschen bleibt doch nichts anderes übrig, als mit Leuten mitzulaufen, die aus welchen Gründen auch immer wenigstens den Mut haben, ihre Sorgen auszusprechen.

Und im übrigen, ein solch gewaltiger kultureller Umbau eines Staates gehört nicht in Talkshows oder auf der Straße diskutiert, sondern demokratiekonform im Bundestag behandelt und abgestimmt. Oder man nehme ein Verfahren wie bei der Zeitumstellung.

Wolfgang Reding, Braunschweig

Flüchtlingsproblematik lenkt von eigentlichen Hintergründen ab

Zu „Die Lektionen von Chemnitz“ vom 1. September:

Die Vorgänge in Chemnitz können nicht einfach auf die Flüchtlingsproblematik reduziert werden, vielleicht sogar eher weniger – jedenfalls, was den Großteil der Bürger von Chemnitz betrifft. Deren Kritik und Proteste haben einen viel komplexeren Hintergrund, der in der Kürze eines Leserbriefs nicht dargelegt werden kann. In diesem Medium kann man nur Stichpunkte nennen, die zum Nachdenken anregen könnten. Einen – und meiner Meinung nach wichtigsten – nenne ich: Treuhand! Deren Initiatoren, Ausführende und Profiteure haben den Boden bereitet, auf dem das Übel gedeihen konnte, gegen das sich nun der Zorn richtet. Nicht nur heute, nicht nur in Chemnitz. Ich sehe die politische und mediale Fokussierung auf die Flüchtlingsproblematik als willkommene Ablenkung von den genannten Hintergründen an.

Dr. Gunther Bosse, Braunschweig

Alice Weidel betreibt schlimmste Volksverhetzung

Zu „Wie die AfD von Chemnitz profitieren will“ vom 30. August und zum Leitartikel „AfD beobachten“ vom 31. August:

Was Frau Weidel (AfD, Mitglied des Bundestags) auf ihrer Facebookseite schreibt und abbildet (in dieser Zeitung zu sehen), ist doch wohl mit die schlimmste Volksverhetzung, die je ein Abgeordneter in Deutschland nach Kriegsende in Wort und Bild von sich gegeben hat! Sie schreibt: „Das Abschlachten geht immer weiter!“ Dazu das Bild: eine dunkle Hand mit großem Messer hinter einer blutbefleckten Scheibe. Das erinnert mich stark an antijüdische Plakate der Nazis, die Angst machen sollten (sollen!) vor Fremden. Wir Deutschen stehen scheinbar kurz vor der Ausrottung!? – Wer so etwas verbreitet, sollte wirklich vom Verfassungsschutz beobachtet werden, wie der Leitartikel völlig richtig fordert. Und Frau Weidel? Verlassen Sie den deutschen Bundestag!

Bernd Barnstorf-Brandes, Evessen

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