„Tierversuche gehören generell auf Prüfstand“

Demonstranten protestieren in Berlin während der Koalitionsverhandlungen von Union und SPD in der bayerischen Landesvertretung gegen die Luftverschmutzung durch Dieselmotoren und gegen Tierversuche.

Demonstranten protestieren in Berlin während der Koalitionsverhandlungen von Union und SPD in der bayerischen Landesvertretung gegen die Luftverschmutzung durch Dieselmotoren und gegen Tierversuche.

Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Berlin  Zu „Forscher im Interessenkonflikt“ vom 31. Januar:

Dass Affen – unsere nächsten Verwandten – für eine PR-Kampagne der skrupellosen Autoindustrie leiden mussten, ist schockierend.

Meines Erachtens sollte das ein Weckruf sein, Tierversuche generell auf den Prüfstand zu stellen! Wir leben im 21. Jahrhundert. Ist es da noch zeitgemäß, Tiere wie im Mittelalter als ,Vorkoster’ zu gebrauchen? Egal, ob für Abgase, Pestizide oder Krebsmedikamente – Tierversuche sind ethisch verwerflich und wissenschaftlich fragwürdig. Es gibt heute viel bessere Methoden, zum Beispiel Multiorganchips mit kleinen Miniorganen, die aus menschlichen Zellen gezüchtet wurden. Die Niederlande haben die Zeichen der Zeit erkannt und einen Ausstiegsplan aus dem Tierversuch formuliert. Bis 2025 wollen sie führend auf dem Gebiet der tierversuchsfreien Methoden werden und zumindest einen großen Teil der Tierversuche abgeschafft haben. So muss es gehen, statt die altertümliche Methode Tierversuch bis zum Sankt-Nimmerleinstag zu verteidigen.

Und dann müssen wir einem Krebspatienten auch nicht sagen: Da wir leider die neuen wissenschaftlichen Methoden noch nicht zur Verfügung haben, müssen wir die Ergebnisse der letzten Tierversuche jetzt noch in einer klinischen Studie an Menschen testen.

Wollen sie Teil dieser Studie sein?

Kurt Dockhorn, Braunschweig

Ohne Vertrauen kann VW nicht existieren

Auch zu den Abgastests mit Affen:

Vertrauen ist einer der wichtigsten Begriffe im Geschäftsleben, um Unternehmen erfolgreich führen zu können. Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Authentizität sind die wichtigsten Grundlagen, um Vertrauen aufbauen zu können. Wenn dies nicht erfolgt, ist Misstrauen sehr schnell die Folge.

Das Verhalten von VW hat bislang gezeigt, dass – trotz vieler Versprechen der Verantwortlichen – dem nicht so ist. Der unerfreuliche Abgasskandal der so hochgelobten Dieselmotoren hat, aufgedeckt in den USA, dazu geführt, dass der Absatz dieser Fahrzeuge sehr rückläufig ist. Auch die weitere Absatzentwicklung ist – mit Verlaub – nicht positiv einzuschätzen. Die angebotenen Nachbesserungen der Software lassen Zweifel aufkommen bezüglich des Nutzens und des Versprechens, dass keine Nachteile durch Mehrverbrauch an Kraftstoff und eventuelle Motorschäden zu erwarten sind. Deshalb wurden auch keine langfristigen Garantiezusagen gegeben. Aber gerade diese wären für alle Kunden im größten Dieselabsatzgebiet ein Vertrauensvorschuss, der als Kaufanreiz nicht zu unterschätzen ist. Mit Sicherheit würden dann so zweifelhafte Maßnahmen (Affentest etc.) in einem anderen Licht erscheinen und mit mehr Nachsicht beurteilt werden.

Manfred Hartmann, Rhode

In Kosmetikindustrie verliert keiner die Stelle

Ebenfalls dazu:

Zu dem Thema stellt sich mir die Frage, wer für die vielen Tierversuche für die Herstellung von Kosmetikartikeln und dergleichen mehr zur Verantwortung gezogen wird und gegebenenfalls seines Postens enthoben? Diese Versuchstiere müssen doch weit mehr unter den Versuchen leiden – und wofür? Ist ein gut funktionierendes Auto für den Menschen nicht wichtiger als all die Cremes und Pasten, für deren Herstellung die Tiere so viele Qualen erleiden müssen? Ich glaube, darüber sollte man sich auch einmal Gedanken machen und nicht jetzt nur auf VW herumhacken. Ich habe von VW keinerlei Vorteile, aber fair denken, sollte man auch hier.

Gerlinde Modeß, Adenbüttel

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