Roland Kaiser verlegt sein Braunschweiger Konzert auf den 30. Mai

Braunschweig.  Im Interview spricht der 67-Jährige über die „Alles oder Dich“-Tour und die frühere Zusammenarbeit mit Rammstein-Sänger Till Lindemann.

„Santa Maria“ und „Warum hast du nicht nein gesagt“ – zwei Lieder, die Roland Kaiser wegen des Coronavirus erst am 30. Mai in der Volkswagen-Halle singt.

„Santa Maria“ und „Warum hast du nicht nein gesagt“ – zwei Lieder, die Roland Kaiser wegen des Coronavirus erst am 30. Mai in der Volkswagen-Halle singt.

Foto: Robert Michael / dpa

In unserer Region steht ab Ende Mai die Kaiser-Zeit bevor. Schlagerstar Roland Kaiser gastiert auf seiner „Alles oder Dich“-Tour am Samstag, 30. Mai, in der Braunschweiger Volkswagen-Halle. Am 27. Juni tritt der dann 68-Jährige in Goslar vor der Kaiserpfalz auf. Einen Tag zuvor erhält er in Hahnenklee den Paul-Lincke-Ring. Das Konzert in Braunschweig war ursprünglich für Donnerstag, 19. März, geplant. Doch das Coronavirus sorgt nun für eine Verschiebung des Tourneeplans. Sämtliche Konzerte für seine Frühjahrstournee, die am Freitag hätte beginnen sollen und bis Anfang April gedauert hätte, werden verschoben. Mehr als 50 Mal steht er bei seiner diesjährigen Hallen- und Open-Air-Tour auf der Bühne.

Wir haben mit dem gebürtigen Berliner über die anstehende „Alles oder Dich“-Tour, die gegenwärtige politische Situation in Deutschland und die frühere Zusammenarbeit mit Rammstein-Sänger Till Lindemann gesprochen.

Herr Kaiser, die Karnevals-Session ist vor Kurzem zu Ende gegangen. Auch viele Ihrer Stücke gehören zum Liedgut der fünften Jahreszeit. Wie karnevalistisch sind Sie persönlich?

Meine Frau und ich sind für ein paar Tage abgetaucht und nach Sylt gefahren um zu entspannen. Ich habe dort an meinen Texten für die anstehende Tour geschrieben. Karneval gab es dort nicht. Und auch bei anderen Anlässen bin ich eher konservativ zurückhaltend.

Ende Februar haben die Proben für die „Alles oder Dich“-Tour begonnen. Worauf können sich die Fans Ihrer Konzerte freuen?

Wir arrangieren für jede Tournee unsere Titel anders und ändern auch das Bühnen- und Lichtdesign. Außerdem möchten wir den Menschen neue Hörerlebnisse bieten.

Wie schwer ist die Auswahl der Songs?

Sie wird immer schwerer, ist aber gleichzeitig eine schöne Aufgabe, zumal wir in diesem Jahr drei Tourneen spielen, im Frühling, Sommer und im späten Herbst. Insgesamt können wir aus ungefähr 750 Titeln auswählen. Dazu zählen viele Lieder aus dem aktuellen Album, aber auch aus den goldenen 80ern, aus denen viele meiner großen Hits stammen. Wir werden bei den drei Tourneen unterschiedliche Programme bieten. Die Dramaturgie wird sich entsprechend ändern, ob man mit oder ohne Pause spielt. Das Gerüst, also das Opening und das Finale, werden wir jeweils übernehmen, aber sonst kann es durchaus sein, dass die Liedfolge variiert. Das haben die Fans, wie ich finde, auch verdient. Viele besuchen uns im Frühling. Und wenn es ihnen gut gefällt, kann es sein, dass sie sich auch die Sommershow anschauen wollen. Und wenn sie da ein neues Programm erleben, ist es für sie umso überraschender und besser, weil sie merken, dass sich der Künstler Gedanken über den Ablauf und die Zusammenstellung des Programms gemacht hat.

Das heißt, für die Kaiser-Fans ist es in diesem Jahr fast schon Pflicht, mindestens dreimal ein Konzert zu besuchen.

Das ist jetzt übertrieben gesprochen. Ich möchte damit nur sagen, dass ich so wenige Dubletten wie möglich haben möchte.

Steht auf dem Programm auch das Lied „Ich weiß alles“, das Rammstein-Sänger Till Lindemann für Sie schrieb?

Nein. Die Geschichte mit Till Lindemann ist uralt, mittlerweile neun Jahre her. Dass das jetzt plötzlich wieder auftaucht in der Presse, ist nahezu lächerlich. Wir haben das gemacht mit viel Freude. Aber das ist nicht aktuell.

Sind Sie denn Rammstein-Fan?

Ich mag viele Titel, die die Band spielt. Sie präsentiert großartige Shows. Persönlich habe ich ein Konzert aber noch nicht gesehen. Das hat sich zeitlich noch nicht ergeben. Till Lindemann hingegen war bislang ein- oder zweimal bei meinen Konzerten in Schwerin zu Gast.

Lindemanns Text haben Sie ja für gut befunden. Wieviel Lindemann steckt denn in Kaiser?

Gar nichts. Es ist ein Text, den er geschrieben und der mir gefallen hat. Ich habe ja nicht alles erlebt, was ich singe. Ich bin Interpret und mache nicht jedes Mal einen Seelen-Striptease. Ich interpretiere wie ein Schauspieler Texte, die ich für gut befinde. Bis vor fünf, sechs Jahren habe ich mich selbst als Autor beteiligt, mittlerweile bin ich der Meinung, dass da junge Autoren mitarbeiten sollen, die ein Stück entfernt sind und andere Worte und Geschichten finden, die zu mir passen können.

Um vielleicht auch eine jüngere Zielgruppe zu gewinnen?

Das ist nicht mein Ansinnen dabei. Generell gibt es kein Rezept, sich erfolgreich an eine bestimmte Gruppe zu wenden. Wichtig ist, dass man nah bei sich bleiben muss. Die Person und das Lied müssen stimmig sein, im richtigen Moment gespielt werden. Wenn es den Menschen gefällt, ist es gut, wenn nicht, muss der nächste Song ran. Man kann Erfolg nicht vorherbestimmen. Zum Glück.

Das Duett mit Maite Kelly hat gut geklappt. „Warum hast du nicht nein gesagt“ ist eines Ihrer erfolgreichsten Lieder. Nun hat sie in einer Talkshow eine weitere Zusammenarbeit angekündigt.

Sie hat gesagt, sie ginge schwanger mit einem Lied für mich. Und das stimmt auch.

Abgesehen von Ihrer musikalischen Arbeit stehen Sie ja hin und wieder in Fernsehfilmen vor der Kamera. 2013 im Münsteraner „Tatort“, im Herbst wurde „Eisland“ abgedreht.

Ich habe vor einigen Jahren die Autoren des Münsteraner „Tatorts“ kennengelernt. Wir hatten uns damals auf eine kleine Nebenrolle verständigt, zum Beispiel einmal mit dem Fahrrad durchs Bild fahren. Nach einem Jahr schrieben sie mich an, sie hätten ein Drehbuch fertig, in dem ich die Episoden-Hauptrolle spielen sollte. Ich sagte: Das ist doch ein bisschen viel auf einmal. Und dann schlief ich einmal drüber und dachte, das macht bestimmt Spaß. Und es hat wirklich viel Freude gemacht. Aber ich würde das nicht als Schauspielerei bezeichnen. Ich habe jemanden gespielt, der Kollege von mir sein könnte, einen bisschen verrückten und selbstverliebten Typen. Bei „Eisland“ war es schon ein bisschen anders. Da gab es mehr Schauspielerei. Die Zusammenarbeit mit Axel Prahl hat mir wirklich viel Spaß gemacht. Aber um den Beruf wirklich perfekt ausüben zu können, müssen Sie den auch lernen. Ich würde mich daher nicht als Schauspieler bezeichnen.

Wenn Sie auf der Bühne stehen und Konzerte geben, sind Sie dann kein Schauspieler?

Dann bin ich Künstler und Sänger. Ich spiele mich nicht. Ich bin ja ich selbst.

Sie singen in einem Lied „Die Affäre wurde zur Liebe“ und meinen damit Dresden. Sie haben eine besondere Beziehung zur sächsischen Landeshauptstadt. Wie kommt das?

Gute Frage. Ich bin viele Jahre privat nach Dresden gefahren mit meiner Familie, weil uns die Stadt gut gefallen hat. 2003 fand die erste „Kaisermania“ statt. Damals hatten wir 3500 Menschen im Publikum. Im vergangenen Jahr waren nach
15 Minuten 50.000 Tickets verkauft. Dieses Event hat sich zu einer Institution entwickelt. Ich bin mittlerweile ein großer Freund dieser Stadt, habe zum zweiten Mal den Semperopernball präsentiert. Man hat mir dort die Ehrenmedaille der Stadt verliehen. Die Stadt mag mich also auch.

War diese Liebe primär der Grund, weshalb Sie beim Semperopernball gesagt haben, ich moderiere trotz der massiven Kritik rund um die Ehrung des ägyptischen Diktators Abdel Fattah al Sisi?

Ich habe mich von der Ordensverleihung distanziert, und der Orden selbst wurde schlussendlich sogar aberkannt. Frau Rakers hatte keine andere Wahl. Sie ist Nachrichtensprecherin und zur politischen Neutralität verpflichtet. Frau Höppner und ihr Kind wurden an Leib und Leben bedroht. Und so habe ich dann diese Moderation alleine durchgeführt. Anders ging es nicht. Es war für mich wichtig, Schaden von der Stadt abzuhalten. Der Semperopernball ist eine künstlerische Institution, ein wirtschaftlicher Faktor für die Stadt. Wenn es den Ball nicht mehr geben würde, wäre das fatal.

Welche Auswirkungen haben die Ereignisse denn für Sie bei der nächsten Veranstaltung?

Ich habe keinen dauerhaften Vertrag. Der Semperopernball-Verein ist derjenige, der entscheidet, wer den Ball präsentiert. Und wenn er auf mich zukommt, kann ich mir immer noch Gedanken machen.

Sie erhalten Ende Juni in Goslar den Paul-Lincke-Ring. Haben Sie eine Beziehung zu dem Namensgeber des Preises?

Ich kenne viele seiner Melodien und weiß, dass er ein großer Komponist war. Diesen Ring zu bekommen, ist eine große Ehre, weil viele namhafte Künstler ihn ebenfalls tragen. Insofern freut es mich sehr, dass ich diese Auszeichnung Ende Juni erhalten werde. Die Zuschauer des bereits ausverkauften Konzerts vor der Kaiserpfalz werden mit Sicherheit ein anderes Konzert erleben als die in der VW-Halle. Und wenn es gut läuft, kann ich ja im nächsten Jahr wiederkommen (lacht).

Die Jury des Lincke-Rings findet Ihre Botschaften für die Liebe und gegen den Hass auszeichnungswürdig. Was sagen Sie zur gegenwärtigen politischen Situation in Deutschland?

Ich bin wirklich entsetzt über das Ausmaß an Hass und Gewalt, das momentan in unserem Land herrscht. Ich stehe dem fassungslos gegenüber. Was mir gut gefallen hat, ist, dass der Bundesinnenminister kürzlich gesagt hat, dass wir feststellen müssen, dass die rechte Gewalt derzeit die größte Bedrohung in unserem Land ist. Hier gilt also Prävention. Wir müssen einfach unsere freiheitliche Grundordnung stärker verteidigen.

Sie sind ja SPD-Mitglied. Im Moment stellt sich die CDU auf in Sachen Neuwahl des Vorsitzes mit Blick auf die Kanzlerkandidatur. Was muss die SPD machen, um bei der Bundestagswahl mit Selbstvertrauen an den Start gehen zu können?

Die beiden neuen Vorsitzenden werden versuchen, die SPD so darzustellen und zu ordnen, dass sie wieder eine Partei wird, die wieder mehr Zuspruch findet. Ob das funktioniert, ist ungewiss. In Hamburg hat es funktioniert. Dort gibt es mit den Grünen auch einen starken Koalitionspartner. Rot-Grün ist eine wunderbare Verbindung, die man bundesweit anstreben sollte.

Sofern der Käufer der Konzertkarten nachweisen kann, dass ihm wegen seiner individuellen Umstände (etwa wegen eines geplanter Urlaubs) die Terminverschiebung nicht zumutbar ist, erstattet der Veranstalter Semmel-Concerts ihm laut eigenen Angaben das Eintrittsgeld.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder