Konzert in Braunschweig: The Esprits lassen das Rocken nicht

Braunschweiger  Die Braunschweiger Band feiert mit 500 Fans den Release ihres ambitioniertes Albums "Men's Business".

O weia, das kann dir schon den Zahn ziehen. Du bist Frontmann einer echt ambitionierten Band, bringst dein sorgsam produziertes zweites Album heraus, mit dem du es wirklich wissen willst, und dann fällt der Strom auf der Bühne aus.
Blöd, wenn du erklärtermaßen elektrisch verstärkte Musik machst.

Rock'n'Roll!", druckvoll und direkt in Herz und Körper, als gäbe es kein Morgen mehr, wie The Esprits immer wieder beschwören. Doch diesen "Obergau", wie er es nennt, meistert Sänger Roman Ritter mit vorbildlicher Contenance. Er tritt ohne Mikro an den Bühnenrand und schafft es, den ausverkauften kleinen Saal der Stadthalle auch unverstärkt auf sich zu fokussieren. Dann stimmt er den Chor eines Band-Hits an, "Unique", und das Publikum stimmt ein, während Techniker das Problem schließlich lösen.

Und wie es so geht, ist diese Panne am Ende ein Glücksfall, weil sie einen bemerkenswerten Moment zu einer Zeit schafft, als die Show in ihrer fast durchgehenden Uptempo-Ballung ein wenig gleichförmig wird. Nun heben sich ein paar ruhigere Songs ab, es gibt einen gerappten Gastauftritt, und zum Schluss geht's nochmal mächtig nach vorne.

Frontmann Roman Ritter hat die Sache im Griff, darüberhinaus eine kräftige, fokussierte junge Stimme. Top frisiert und gekleidet ist er auch. Wie das gesamte Quartett: dunkle, eng geschnittene Anzughosen und maßgeschneiderte Hemden.

Der ehrgeizigen jungen Band ist klar, wie wichtig im Pop-Geschäft ein optisch markantes Erscheinungsbild ist. Stil hat auch die dem Streamingzeitalter trotzende, unverdrossen liebevolle Gestaltung der neuen CD "Men's Business" mit cool, elegant und witzig geschossenen Musikerporträts.
Die Aufnahme-Arbeit unter Regie des namhaften Produzenten Arne Neurand (Revolverheld) überzeugt ebenso. Die Instrumente zeichnen sich differenziert voneinander ab, und das verleiht den knackigen, aber ähnlich gestrickten Indie-Rock'n'Roll-Nummern Abwechslungsreichtum.

Live mangelt es an dieser Soundqualität. Bass und namentlich Schlagzeug klingen satt, die Gitarren aber ziemlich schrapelig. Vor allem die von Leadgitarrist Till Pera ist kaum zu hören. Background-Gesänge auch nicht. Bei allem Tempo und Drive wird das zwischenzeitlich etwas eintönig. Zumal die englischen Texte live schwer zu verstehen sind.

Der großen Fangemeinde ist das egal, die lässt sich ganz vom Charisma und der Energie Roman Ritters mitreißen, akzeptiert sogar sein Handygefilme-Verdikt. Gegen Ende steigt der Stimmungspegel des von unserer Zeitung präsentierten Konzertes noch einmal mächtig an. The Esprits haben geliefert, mit der Show und ihrem kernigen Album. Spannend, was daraus wird.

Last not least: Eine hörenswerte Vorband hatte der rauschende Release-Abend mit den melodischen, Britrock-geprägten Still Trees aus Dresden auch zu bieten. Mit Indierock von den Plattentellern des Supernova Soundsystems aus Braunschweig klang er aus.

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