Magdeburger Zwickmühle: Pauschale Klagen, mal bissig, mal zahnlos

Braunschweig  Zum Abschluss des Braunschweiger Satirefestes verkauft die traditionsreiche Kabarettgruppe den Brunsviga-Saal aus.

Marion Bach (Mitte) und Heike Ronninger als Martina und Henriette, zwei Bedienungen aus der Bundestagskantine. Am Klavier Oliver Vogt.

Marion Bach (Mitte) und Heike Ronninger als Martina und Henriette, zwei Bedienungen aus der Bundestagskantine. Am Klavier Oliver Vogt.

Foto: Peter Sierigk

Keine Überraschung: Die Magdeburger Zwickmühle hat in Braunschweig viele Freunde. Fast logisch also, dass zum Abschluss des 15. Satirefestes am Samstag die Brunsviga ausverkauft war. Ohnehin zog Brunsviga-Geschäftsführer Uwe Flake nach 11 Veranstaltungen an 23 Tagen ein positives Gesamtfazit: „Nach anfangs schleppendem Verkauf begann irgendwann plötzlich der Run auf die Karten.“

Das politisch-satirische Kabarett ist also nicht tot, und auch die Zwickmühle lebt – diesmal erstmals vertreten durch zwei Frauen und ganz ohne Zwickmühlen-Tausendsassa und -gründer Hans-Günther Pölitz. Der führte beim Programm „Die Gedanken haben frei“ nicht einmal Regie.

Marion Bach und Heike Ronninger traten als Martina und Henriette, zwei Bedienungen aus der Bundestagskantine auf: ganz nah dran an Politikgrößen, daher bestens im Bilde und am Ende fast schon selbst auf dem Weg zum Volksvertreter. Das weibliche Kabarett-Duo ist nicht neu, spielt in Magdeburg schon seit 2010 immer wieder zusammen, unterstützt diesmal von Oliver Vogt am Klavier als Takt- und Stichwortgeber.

Das Programm, das erst kurz vor der Bundestagswahl Premiere hatte, weist Stärken und Schwächen auf. Das Spiel der Kabarettistinnen mit Dialekt und Mimik kam beim Publikum aber hervorragend an und führte zu lauten Lachern an gewollten Stellen. Großartig der Teil mit zwei hochbetagten Seniorinnen, die über gesunde Ernährung philosophieren. Die Verwandlung der beiden Darstellerinnen als alte zahnlose Muttchen war nicht zu toppen.

Stark und bissig auch ein Lied über die Zukunft Europas, dessen Wiederholung sich als Zugabe angeboten hätte. Ebenfalls ein Höhepunkt: Marion Bach als Angela Merkel mit passgenauen Gesten und Stimme. Der Beweis, dass Mutti Anschela die deutsche Autoindustrie nicht genügend unterstützt? „Sie formt mit den Händen stets die Renault-Raute!“ Emmanuel Macron würd’s freuen…

Manche Pointen zündeten aber auch weniger. Das lag zum einen daran, dass sowohl einige Themen als auch Pointen aus der staubbedeckten Klamottenkiste stammten. Dass Martin Winterkorn, der Ex-VW-Vorstandsvorsitzende, von seinem ehemaligen Arbeitgeber weiterhin eine fürstliche Betriebsrente erhält, ist aus Sicht der kleinen Frau und des kleinen Mannes nicht schön und vielleicht sogar skandalös, aber wirklich auch alles andere als neu…

Etwas weniger pauschales Klagen über alles und jeden Poltiker, dafür vielleicht etwas mehr aufgedeckte Fakten und somit Überraschungen täten dem Programm gut. Und bitte: Das Gezeter darüber, dass die aufrecht kämpfenden Ostdeutschen nach 1989 systematisch betrogen und beschissen worden seien, mag zumindest in den westlichen Bundesländern schon lange niemand mehr hören. Bitte einfach endlich weglassen!

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