Das Holländer-Schiff fängt Feuer

Hildesheim  In Hildesheim verstärken ein Jugendchor und der Männerchor Eintracht Wagners Matrosen.

Der Holländer am Bug seines Zombieschiffs.

Der Holländer am Bug seines Zombieschiffs.

Foto: Andreas Hartmann

Sturm, Verzweiflung Wellengang. Wer bei Wagners „Fliegender Holländer“-Ouvertüre nicht seekrank wird, der ist meerestauglich. Im Theater für Niedersachsen lässt Werner Seitzer die Orchesterwogen gewaltig schwappen. Durch das bayreuthmäßig abgedeckte Orchester entsteht in der an sich eher knalligen Akustik des Hildesheimer Theaters aber ein runder Gesamtklang.

Und wenn sich einige Intonationsunsauberkeiten des Anfangs gelegt haben, darf auch das Sehnsuchtsmotiv aufleuchten, mit dem sich die Schifferstochter Senta und der untote Sünder vom Holländerschiff aus ihrem Außenseiterdasein hinwegträumen in eine bessere Zukunft.

Denn in den Geschäftskrämereien von Vater Daland sieht Senta ebensowenig einen Lebenssinn wie der verstoßene Holländer in der biederen Scheinheiligkeit der Bürger. Das hat er mit Wagner gemein. Und so erinnert die Zeichnung, die Senta unablässig reproduziert, irgendwie an den Steckbrief des Dresdner Revolutionärs Wagner selber. Regisseur Karsten Barthold kommt aber irgendwie nicht richtig auf den politischen Punkt mit seinen beiden stilisierten Schiffsbugen, die lärmend auf einer Kreisbahn gegeneinanderrollen. Dabei hat Ausstatter Steffen Lebjedzinski mit dem blutroten Segel des Holländerschiffs und seiner zombieartigen Besatzung für Effekt gesorgt. Und die von Harry Kupfer in Bayreuth schon geübte Idee, den Holländer wie eine Galionsfigur ans Kreuz zu winden, zeigt ihn als Opfer, als von der Gesellschaft geächteten Lebemann, der Gnade sucht.

Johannes von Duisburg bringt dafür stimmlich wie darstellerisch auch erotische Ausstrahlung mit, ein dämonisch funkelnder Bassbariton mit viriler Kraft und verführerischem Timbre. Kein Wunder, dass Senta ihm verfällt, die Lauren Welliehausen mit divenhafter Dramatik singt. Nur nimmt auch Erik Senta für sich in Anspruch, den Christian S. Malchow mit schöner Tenorkraft, aber unangebrachten Schluchzern gibt.

Levente György singt mit sehr direktem Bass den Daland, Christina Baader mit konzisem Alt die Mary und Daniel Jenz mit geschmeidig-klarem Tenor den Steuermann. Ein Ereignis sind die Chöre mit dem Männerchor „Eintracht“, Extra- und Jugendchor, die ein sehr jugendfrisches Klangbild formen. Eine tolle Idee, junge Leute für die Oper zu begeistern.

Am Ende verzichtet der Holländer auf Sentas Opfer, die ihm trotzdem in die Fluten folgt. Das Geisterschiff verbrennt, das könnte ein Zeichen für die Erlösung des Holländers sein, der endlich in Gnaden sterben darf. Obwohl Seitzer die Frühfassung ohne letzte Erlösungsharmonien spielt.

Wieder am 22., 31. Mai, 17.Juni.

Karten: (05121) 16931693.

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