Flaute im Planschbecken

Braunschweig  Shakespeares letztes großes Schauspiel „Der Sturm“ plätschert im Braunschweiger Staatstheater so dahin.

Prospero (Sven Hönig, oben) beäugt Freunde und Feinde, die der Sturm und das Schicksal auf sein Inselreich verschlagen haben.

Prospero (Sven Hönig, oben) beäugt Freunde und Feinde, die der Sturm und das Schicksal auf sein Inselreich verschlagen haben.

Foto: Bernd Karwasz

Prospero, der Strippenzieher in Shakespeares letztem Schauspiel „Der Sturm“, ist eine doppelgesichtige Figur. Als gelehrter Herzog von Mailand vom machtgeilen Bruder Antonio gestürzt, überlebt er mit seiner Tochter auf einer Insel, deren Geisterwesen er unterworfen hat. Mit ihrer Hilfe entfacht er einen Sturm, der das Schiff Antonios und seiner Verbündeten an seiner Küste stranden lässt. Nun genießt er die Zwietracht, die sich unter den Versprengten ausbreitet.

Man kann in Prospero ein Selbstporträt Shakespeares sehen, oder ein Sinnbild des Intellektuellen, der erst von der Macht verstoßen und dann doch selbst zum Strippenzieher wird.

Hausregisseurin Daniela Löffner lässt diesen Magier im Braunschweiger Staatstheater als blassen Buchhaltertyp auftreten. Er sinniert am Rand des Pools dahin, den Bühnenbildnerin Claudia Kalinski im Kleinen Haus installiert hat, bis plötzlich – toller Effekt – die Schauspieler auftauchen. Wörtlich.

Das könnte der Auftakt sein für einen packenden Theaterabend um Bruderzwist, Rache, Zauber, Macht- und Intrigenspiele. Aber all diese Motive reißt Löffner allenfalls karikierend an.

Ihr Planschbecken-Prospero hat so gar keine Aura. Sven Hönig, eigentlich ein starker Darsteller, spielt ihn merkwürdig blass. Auch seine Gegner gewinnen kein Format. Prosperos Feind-Bruder Antonio (Tobias Beyer) und dessen Spießgesell Sebastian (Mattias Schamberger) sind Parodien dümmlicher Mafiosi, Alonso, König von Neapel (David Kosel), und Berater Gonzalo (Philipp Grimm) Karikaturen von Greisen.

So ersäuft die Spannung im Wasserbecken, in dem und um das herum das Ensemble anderthalb Stunden halb spielt, halb planscht. Löffners Inszenierung misstraut der magischen Welt Shakespeares, aber sie setzt nichts dagegen. Sie ironisiert die Figuren, tauscht ihren Zauber gegen einen zeitgenössischen Habitus – und lässt es dabei bewenden.

So plätschert das Stück vor sich dahin. Hanno Koffler sticht positiv heraus als sich aggressiv-unterwürfig windender Dämon Kaliban, Prosperos Sklave. Jannek Petri als jungscher Ballonseiden- Prinz und Ursula Hobmair als Prosperos Tochter Miranda haben ein paar anrührende Liebesszenen. Das sind so die Lichtblicke.

Shakespeares närrischen Zwischenspielen gibt Löffner verhältnismäßig viel Raum. Kosel und Grimm, nun Matrosen, kaspern auf Sächsisch und Bayerisch. Oliver Simon legt als Geistwesen Ariel noch einen skurrilen Strip hin, die Meute leckt sich die Lippen, und dann entsagt Prospero auch schon müde seiner Zaubermacht, und alle gehen missmutig ab. Hmm.

Daniela Löffner, bundesweit beachtetes Regietalent, hat in Braunschweig schon einige starke Inszenierungen hingelegt und gezeigt, dass ihr auch zu dünnen Texten etwas einfällt („Landscape with the Fall“). Diesmal ist ihr zu einem starken Stück wenig eingefallen. Für die Schauspieler freundlicher, insgesamt eher endenwollender Beifall.

Wieder am 22. und 30. März sowie am 5., 13. und 25. April. Restkarten unter (0531) 1234567.

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