Liebe statt Grube

Braunschweig  Alter Mann, was nun? – Die Theatergruppe der TU Braunschweig spielte das Drama „Vor Sonnenuntergang“ von Gerhart Hauptmann

Egmont Clausen bezirzt die Damenwelt.

Egmont Clausen bezirzt die Damenwelt.

Foto: Peter Sierigk

Das Alter ist eines der zentralen Themen unserer Zeit.Es ist fast ein Synonym für Hilfsbedürftigkeit und Unmündigkeit geworden.

Unter diesem Gesichtspunkt bekommt auch das Schauspiel „Vor Sonnenuntergang“ aus dem Jahre 1932 einen aktuellen Bezug. Literaturnobelpreisträger Gerhart Hauptmann beschreibt hier den Lebensabend des 70-jährigen Geheimrats Matthias Clausen, der trotz seines fortgeschrittenen Alters ein neues Leben beginnen möchte. Bedrückt durch den Tod seiner Frau, gewinnt er neuen Lebensmut, als er sich in die junge Inken Peters verliebt. Er will sie heiraten, sein Unternehmen verkaufen und ein neues Anwesen erwerben.

Die Kinder spinnen Intrigen, um die Liebesbeziehung zu beenden und das scheinbar verschleuderte Vermögen zu retten. „Verminderte Zurechnungsfähigkeit!“, attestiert Schwiegersohn Erich Klamroth, der heimlich nach dem Chefposten geschielt hat. Auch die Kinder scheinen mehr um ihr Erbe und gesellschaftliches Ansehen besorgt zu sein, als um das Wohlergehen des Vaters. Sohn Wolfgang bringt es noch drastischer auf den Punkt: „Die Jugend kann, das Alter muss sterben.“

Die Bühne ist in drei Abschnitte eingeteilt und zeigt jeweils das Wohnzimmer des Vaters mit anschließendem Garten sowie das Zuhause der Familie Peters. Während des Stücks sind auch auf den Bühnen, auf denen eigentlich keine Handlung stattfindet, Personen zu sehen, die scheinbar ihrem Alltag nachgehen. Das bringt zwar Bewegung in das gesprächslastige Stück, lenkt jedoch zum Teil von der Haupthandlung ab.

Fokussierung gelingt vor allem der Figur des Erich Klamroth (toll gespielt von Niels Jeske), der stets lautstark und wild gestikulierend seine Meinung verkündet und damit der gutbürgerlichen Starre der übrigen Personen die nötige Extrovertiertheit entgegenbringt.

Gut ist auch die Leistung von Nico Selle, der den leidenden Vater authentisch verkörpert. Inken ist zwar auch im Original deutlich jünger als Herr Clausen, doch Wiebke Meesenburg muss sich als Geliebte doch erst ihre Glaubwürdigkeit gegen den Altersunterschied erspielen. Alles in allem zeigten aber sämtliche Schauspieler – alles Studenten und Dozenten der Naturwissenschaften – eine souveräne Leistung. Sie haben engagiert ein klassisches Stück der deutschen Literaturgeschichte wiederbelebt. Dafür gebührt ihnen Respekt.

Weitere Aufführungen am 7. und 8. Juli jeweils um 20 Uhr im Audimax der TU Braunschweig.

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