Reih’ und Glied

„Auch ich werde versuchen, an einem ereignislosen Wochenende Ordnung in mein Schubladensystem zu bringen.“

Birte Reboll

Mein Bruder ist ein Trendsetter. Zumindest in unserer Familie. Das wird deutlich, wenn ich in seine Küche schreite und die mittlere Schublade des Küchenschrankes öffne. Dort befindet sich die Tupperware. Originale und Replikate. Große und kleine Behälter, runde und rechteckige. Mein Bruder schmeißt die Plastikbehälter nach erfolgreicher Reinigung im Geschirrspüler nicht etwa wahllos kreuz und quer in die Schublade – so wie ich es tue. Nein, soldatenmäßig werden die Behälter angeordnet, in Reih’ und Glied. Das Runde in das Runde, das Eckige in ebensolches. Das Deckelchen aufs Deckelchen. Ich schmunzele ob der Ordnung, verspüre gleichzeitig aber auch ein wenig Neid. Die Schwiegermutter meines Bruders scheint ähnlich zu empfinden. Sie macht es meinem Bruder nach und sortiert ihre Plastikbehälter seit neuestem nach dem Konzept meines Bruders. Akkurat. Praktisch. Gut. Auch ich werde versuchen, an einem ereignislosen Wochenende Ordnung in mein Schubladensystem zu bringen. Ob es klappen wird? Ich zitiere meinen Mann: „Viel Glück, am Anfang gelingt es vielleicht – beim zweiten Mal schmeißen wir eh wieder alles einfach rein in die Schublade.“

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