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Die dunkle Seite des Regenbogens

Statt Bonbons gab es für Judy Garland Pillen: Zum Schlafen und zum Wachwerden, aber auch gegen die Pubertät.

Dorothy Gale träumt sich in dem Film „Der Zauberer von Oz“ an einen Ort, irgendwo „Over the Rainbow“ – hinter dem Regenbogen. In dem Lied singt sie von einem Land, in dem Kummer schmilzt wie ein Zitronenbonbon.

Tatsächlich wird sie von einem Sturm nach Oz getragen, ein Land, das so bunt und so zuckersüß ist wie ein Weihnachtsbonbon. Doch nicht nur für Dorothy entpuppt sich die Reise nach Oz als kein Zuckerschlecken. Auch für Judy Garland, die Dorothy verkörpert, sind die Dreharbeiten eine Tortur. Wer den Film nicht mit anderen Augen als bisher sehen will, sollte nun aufhören zu lesen.

Aufputschmittel zum Durcharbeiten

Statt Bonbons bekam Garland Pillen. Die Schauspielerin befand sich während der Dreharbeiten in der Pubertät. Da Dorothy aber nach wie vor kindlich wirken sollte, wurden nicht nur Garlands Brüste abgebunden. Der Arzt des Filmstudios verabreichte ihr Diätpillen und Benzedrine, um das Wachstum ihres Busens zu verlangsamen.

Doch damit nicht genug. Damit sie lange drehen konnte – teilweise ist von 72 Stunden am Stück die Rede – bekam sie Aufputschmittel. Und um dann wieder runterzukommen, gab es Beruhigungsmittel.

Ihre Sucht wurde Garland zum Verhängnis

Nicht nur Garland wurde gesundheitlichen Risiken ausgesetzt. In einer Szene des Films schneit es. Und der Schnee bestand aus: Asbest. Es muss jedoch erwähnt werden, dass Asbest und Tabletten damals noch als unbedenklich galten.

Judy Garland wurde ihre Tablettensucht trotzdem zum Verhängnis. Sie starb einige Tage nach ihrem 47. Geburtstag an einer Überdosis. Als Dorothy Gale in „Der Zauberer von Oz“ wird sie uns jedoch erhalten bleiben. Und vielleicht ist sie nun an einem Ort, irgendwo hinter dem Regenbogen. Irgendwo, wo ihre Sorgen sich wirklich wie Bonbons auflösen. Es wäre ihr zu wünschen.

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