Groß Brunsroder Schäferei setzt auf Nachhaltigkeit

Groß Brunsrode.  Die Schäferei Glinnemann aus Groß Brunsrode hält 700 Tiere. Auf Dünger wird verzichtet – Produkte wie Fleisch vermarkten die Inhaber regional.

Schäferin Franzi Müller mit ihrer Herde.

Schäferin Franzi Müller mit ihrer Herde.

Foto: Dirk Fochler / Regios24

Nachhaltige Landschaftspflege und artgerechte Tierhaltung – das bietet die Schäferei Glinnemann aus Groß Brunsrode. Neuerdings verkauft die Schäferei auch Lammfleischprodukte. Mit gut einem Dutzend Tiere hat Gerald Glinnemann vor mehr als 20 Jahren angefangen. Heute hält die Schäferei mehr als 700 Tiere – rund 400 Mutterschafe und etwa 300 Lämmer.

„Mir wurden in der Anfangszeit immer wieder Weideflächen angeboten. So wuchs die Herde langsam an. Irgendwann kam dann der Punkt, an dem ich mich entschlossen habe, das Ganze hauptberuflich zu betreiben“, erklärt der einstige Volkswagen-Mitarbeiter. Die Entscheidung zum Berufswechsel fußte seinerzeit und auch heute noch auf Leidenschaft und Berufung, aus dem Drang heraus, artgerechte Tierhaltung betreiben zu wollen und die Artenvielfalt zu fördern.

Verzicht auf Kunstdünger

„Ich nehme dafür im Vergleich zu meiner früheren Tätigkeit finanzielle Einbußen in Kauf, komme aber über die Runden, bin zufrieden und mit Überzeugung dabei“, betont Gerald Glinnemann. Auf eigenen oder gepachteten Weideflächen verzichtet Glinnemann seit 20 Jahren auf das Ausbringen von Kunstdünger. „Das funktioniert sehr gut, die Grasstruktur passt sich an, die Tiere finden ausreichend Futter“, berichtet Glinnemann. Müssen die Tiere wetterbedingt im Stall gehalten werden, gibt es gentechnikfreies Futter.

Zudem ist Gerald Glinnemann mit seinen Tieren zur Pflege von kommunalen Ausgleichsflächen und in Naturschutzgebieten, in denen in Teilbereichen extensive Landwirtschaft zulässig ist, unterwegs. So pflegen die Glinnemann-Schafe unter anderem Flächen im Schunter-Renaturierungsprojekt Stemmwiesen zwischen Lehre und Flechtorf und Randbereiche des Naturschutzgebietes in Braunschweig-Riddagshausen sowie ein ehemaliges Steinbruch-Areal in Salzgitter-Haverlah.

Oberstes Ziel ist stets, so wenig wie möglich in den natürlichen Kreislauf einzugreifen. So verzichtet Glinnemann auch beispielsweise auf das sonst übliche kupieren der Schwänze von Neugeborenen. Das Kürzen des Schwanzes soll verhindern, dass sich ein stark mit Kot verschmutzter Analbereich entwickelt, der als anfällig für den Befall durch Fliegenmaden gilt.

Arbeit nach Tierwohl-Label

„Es geht auch ohne Kupieren, ist aber aufwendiger und erfordert mehr Kontrolle“, erläutert Glinnemann. Seine Schäferei arbeitet nach den Richtlinien des Tierwohl-Labels Neuland, bundesweit das einzige Programm, welches sich mit Genehmigung der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung als besonders besonders artgerecht bezeichnen und bewerben darf.

„Wir sind aber kein Mitglied mehr in der entsprechenden Fleisch-Vermarktungsorganisation, die sich nach unserer Meinung zu stark in Richtung Massenproduktion entwickelt hat“, erläutert Franzi Müller, die Partnerin von Gerald Glinnemann. Nun wollen die Beiden stärker in die Selbstvermarktung ihres Lammfleisches eintreten. „Wir bieten Lammfleisch von Tieren, die im natürlichen Rhythmus aufwachsen. Für uns ist Lammfleisch ein regionales, saisonales und naturbelassenes Qualitätsprodukt“, bekräftigt Müller.

Lammfleisch- und Wurstprodukte verkauft die Schäferei immer freitags ab 17 Uhr auf dem Hof in Groß Brunsrode. Anfragen und Bestellungen sind auch per Mail unter derhofgg@freenet.de möglich.

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