Gifhorn. Laut Wählergemeinschaft BIG sind das die Baukosten bis 2027. Laut Betriebsgesellschaft wurde seit den 1970er Jahren nichts investiert.

  • Im Naherholungsgebiet Tankumsee hat sich millionenschwerer Sanierungsbedarf aufgestaut.
  • Die Betriebsgesellschaft hat hohe Investitionskostenzuschüsse von den Kommunen eingeworben.
  • Erstes Sanierungsprojekt ist ein Sanitärhaus auf der Zeltwiese.
  • Nicht alle Politiker sind einverstanden mit den hohen Kosten.

Wie viele Millionen Euro kostet der Gifhorner Tankumsee die Steuerzahler? Mittlerweile hat sich die Sassenburger Wählergemeinschaft BIG dem Kreis der Kritiker angeschlossen. Deren Kreistagsabgeordneter Andreas Kautzsch rechnet vor: „In den nächsten vier Jahren sollen knapp acht Millionen Euro ausgegeben werden.“

Geld, das die kommunale Gesellschaft mit den Trägern Landkreis, Samtgemeinde und Gemeinde Isenbüttel nicht verdient. Zudem war noch Ende Juni von 5,2 Millionen Euro die Rede, die in dem Naherholungsgebiet verbaut werden sollen.

Schadenersatzprozess wegen Kletterturms als finanzielles Damoklesschwert

Der letzte öffentlich verfügbare Jahresabschluss der Tankumsee-Betriebsgesellschaft datiert von 2021 und weist einen Verlust von über 140.000 Euro aus – bei einem Umsatz von 560.000 Euro. Allein für Personal gehen demnach 340.000 Euro drauf. Dazu kommt ein aufgelaufener Verlustvortrag aus den Vorjahren von rund einer Million Euro. Nicht ersichtlich sind die Kosten des Kletterturms, der in einer eigens gegründeten Tochtergesellschaft geführt wird. Der Jahresabschluss 2022 soll erst 2024 von der Gesellschafterversammlung beschlossen werden.

Wie ein Damoklesschwert hängen zudem mögliche Millionenforderungen aus einem Schadenersatzprozess über dem Unternehmen. Im Mai 2022 hatte das Oberlandesgericht Braunschweig dem Privatunternehmen No Limit Schadenersatz für entgangenen Gewinne aus dem Betrieb des Kletterturms zugesprochen. No Limit hatte 2019 den Vertrag gekündigt, nachdem sich der Bau des Turms mangels gültigen Bebauungsplans mehrfach verzögert hatte.

Die Richter empfahlen seinerzeit einen Vergleich über die Höhe der Forderung von bis zu 3,3 Millionen Euro. Nach Auskunft der OLG-Pressestelle hat diese Anregung „nicht gefruchtet“. Inzwischen sei das Gericht in die Beweisaufnahme eingetreten und habe zur Schadenhöhe einen Sachverständigen beauftragt. Wann der nächste Verhandlungstermin anberaumt wird, sei offen. Die Tankumsee-Betriebsgesellschaft teilte auf Anfrage mit: „Das Verfahren ist in der Schwebe.“

Diese Projekte sollen im Naherholungsgebiet umgesetzt werden

Laut Tankumsee-Chefin Annette Böhme ist die Sanierungsliste so lang, weil seit den 1970er Jahren „fast nichts investiert wurde“. Dadurch habe sich ein Sanierungsstau aufgetürmt.

So soll der nun abgearbeitet werden: „Das marode Sanitärgebäude auf der Zeltwiese wird derzeit komplett entkernt und für 540.000 Euro grundsaniert. Noch vor Saisonstart 2024 soll das Sanitärgebäude fertig sein. Ausgestattet mit modernen Duschkabinen, Münzautomaten für warmes Wasser und einer barrierefreien Dusche mit WC.“

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Für die Sanierung beider Spielplätze stehen Böhme zufolge 160.000 Euro zur Verfügung, wobei zunächst der Spielplatz am Dannenbütteler Weg komplett erneuert wird. Dafür beantragte und genehmigte EU-Fördermittel von rund 136.000 Euro flössen mit ein.

Die drei kommunalen Gesellschafter stellen laut Böhme Investitionszuschüsse aus ihren Haushalten in Jahresraten zur Verfügung. Waren es dieses Jahr 1,05 Millionen Euro, soll nächstes Jahr 1,3 Millionen Euro fließen, 2025 dann 2,3 Millionen Euro sowie 2026 weitere 2,2 Millionen Euro. Für die von der BIG erwähnten fast acht Millionen Euro wären dann noch ein Betrag von rund einer Million Euro offen.

Das passiert nach Ende der nächsten Saison 2024

Böhme: „Nach der Saison 2024, wird die Verwaltung nebst Werkstatt, Imbiss und Sanitärhaus abgerissen. Aus dem Imbiss wird eine Gastronomie mit Innen- und Außenbewirtschaftung. Der Sanitärbereich wird neben barrierefreiem WC auch eine Familientoilette mit Wickelmöglichkeit erhalten. Abhängig vom Bau der anderen Objekte und der Haushaltslage, ist nach der Saison 2026 angedacht, mit der DLRG-Station und den anhängigen Gebäudeteilen Imbiss und dem dortigen Sanitärgebäude zu starten. Dieses Investment gehört zu den vorausschauenden Planungen. Zahlen für 2026 sind als vorläufig zu betrachten.“

Dieser Artikel wurde am 20. Dezember aktualisiert

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