„Das ist ja wie im Mittelalter“

Rühme  Die Grundschule feiert ein Schulfest zum 60-jährigen Bestehen. Der Museums-Klassenraum ist der Hit.

Zum Schulfest der Grundschule Rühme hat der Kultur- und Förderverein im 1952 gebauten und 1953 offiziell eröffneten Schulgebäude am Eichenstieg 6 ein altes Klassenzimmer hergerichtet.

„Darin stehen zwar Tische und Bänke, die vermutlich noch älter sind als die Erstausstattung der damaligen Volksschule“, sagt Bernd Bähre, Vorsitzender des Vereins, „aber wir wollten vor allem zeigen, dass Schule früher ganz anders war als heute“.

Das historische Klassenzimmer ist während des Schulfestes am Samstag zwischen 13 und 16 Uhr zu besichtigen. Historische Schulutensilien wie Hefte aus den 1950er- und 60er-Jahren oder die Vorgänger des Computers beziehungsweise Taschenrechners. Auf den Holztischen liegen zum Probieren Schiefertafeln und Griffel.

Helmut Hoppmann, Helga Seefeld und Bernd Berkau brachten gestern noch Poesiealben von damals und Fotos von der Eingangsklasse in die Ausstellung. Sie zogen aus der alten Schule, dem heutigen Dorfgemeinschaftshaus, mit in den Neubau um – allerdings nicht als Erst-, sondern schon als „Große“, als Fünftklässler.

Parallel zum Schulfest, das um 11 Uhr mit einer Feier zum 60-jährigen Bestehen beginnt, haben sie ein Klassentreffen organisiert.

„Die Schiefertafeln sind ja so groß wie heute ein I-Pad“, zog eine Schülerin beim Besuch des historischen Klassenzimmers eine für sie schlüssige Parallele. Eine andere meinte beim Anblick hölzerner Sitzbänke: „Das ist ja wie im Mittelalter.“

Aus Sicht von Erst- bis Viertklässlern scheint die Mitte des 20. Jahrhunderts fast so weit entfernt wie das Mittelalter. Da würde Rühmes Heimatpfleger Volker Abrolath widersprechen. Er hat recherchiert, dass es bereits vor 242 Jahren eine Schule in Rühme gab – da war das Mittelalter allerdings auch schon vorbei.

Der erste Schulleiter der neuen Rühmer Schule wurde 1953 der Künstler und Lehrer Ernst Koch, wie in einer alten Schulchronik zu lesen ist. Dort steht auch: „Den Architekten Schneemann und Schniepp war zur Auflage gemacht worden, die Schule so in ein Eichenwäldchen zu integrieren, dass möglichst wenige Bäume gefällt werden mussten.“

FAKTEN

Bürgermeisterin Annegret Ihbe und Schulrektor Michael Kraj begrüßen um 11 Uhr Schüler und Gäste zu einer Feierstunde in der Sporthalle.

Die 130 Schüler haben dazu ein Programm erarbeitet, das an sechs Jahrzehnte erinnert.

Das Schulfest wird um 13 Uhr mit Angeboten der Klassen, des Kinder- und Jugendzentrums und der Ortswehr Rühme fortgesetzt.men

Wie das umgesetzt wurde, kann heute noch auf dem überdachten Gang zu Außentoiletten der heutigen Ganztagsschule betrachtet werden: Das Dach hat dort Einkerbungen oder Löcher, wo damals schon Eichen in den Himmel wuchsen. Dabei wurde vorausschauend geplant: Die Stämme sind gewachsen, die Einkerbungen sind heute noch ausreichend.

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