Buchler will bauen – Bürger protestieren

Thune  Die Bürgerinitiative fordert, mit Neubauten zu warten. Die Buchler GmbH: Wir haben das Recht zu bauen.

Was wird aus dem Industriegebiet Thune? Die Verwaltung arbeitet an einem neuen Bebauungsplan. Doch Bürger und Bezirksrat legen den Betrieben dort Steine in den Weg.

„Es geht um die Frage, wer nutzt dort was?“
Hartmut Kroll, Bezirksbürgermeister Wenden, Thune, Harxbüttel

Diesmal der Buchler GmbH. Eine Chininfabrik, in der anders als bei den Nachbarn GE Healthcare und Eckert & Ziegler nicht mit radioaktiven Stoffen umgegangen wird. Buchler, so die Verwaltung, plane die Erweiterung der Produktionshalle um einen Produktionsraum und um einen Lagerraum mit Kunststofftanks. Es geht um 150 Quadratmeter.

Die Verwaltung meint, da keine Abfallbehandlung oder vergleichbare Tätigkeiten beabsichtigt seien, solle die Politik eine Ausnahmegenehmigung beschließen. Die ist nötig, seit der Rat eine Veränderungssperre verhängt hat, um die Erweiterung von Eckert & Ziegler zu verhindern.

Doch flott geht zurzeit nichts im Industriegebiet. Aus formalen Gründen lehnte der Bezirksrat es ab, sich mit dem Thema überhaupt zu befassen. Und auch im Planungs- und Umweltausschuss wurde das Thema von der Tagesordnung genommen.

Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer kündigte einen zweiten Anlauf Ende des Monats an. Der Bezirksrat soll sich zu einer Sondersitzung treffen.

Doch die Mehrheit von SPD, Grünen und BIBS dort sei sperrig, erläutert Bezirksbürgermeister Hartmut Kroll (SPD): „Es geht nicht um die Buchler GmbH. Es geht auch nicht um die Frage, wer will dort bauen? Es geht um die Frage, wer nutzt dort was?“ Er vermutet: „Die Veränderungssperre soll unterlaufen werden.“

Im November, berichtet Kroll, habe der Bezirksrat darum auf CDU-Antrag die Aufstellung einer sogenannten Gebäudenutzungs-Bestandsaufnahme von der Verwaltung gefordert. „Wir wollen wissen, welche Gebäude, wie und von wem genutzt werden.“ Weil das unklar sei, „herrscht Misstrauen“. Kroll fordert, „endlich für Transparenz zu sorgen“.

Von Misstrauen spricht Andre Gorklo nicht. Die CDU, so der Fraktionsvorsitzende, fordere „Klarheit“. Was vom Anbauplan zu halten sei, „wissen wir nicht. Der Vertreter der Verwaltung durfte im Bezirksrat die Pläne weder vorstellen noch erläutern.“ In der Abstimmung darüber hatte sich die CDU der Stimme enthalten.

Gorklo ist freilich der Ansicht: „Ich glaube nicht, dass die Forderung des Bezirksrats nach einer Bestandsaufnahme Einfluss auf das Baurecht hat.“ Diese Auffassung bestätigt die Stadtverwaltung: „Die gewünschte Bestandsaufnahme hat keinen Einfluss auf die Bearbeitung von Bauvoranfragen.“ Die Verwaltung kündigt an, während der nächsten Sitzung Antworten auf offene Fragen nachzuliefern. Auch einen Lageplan, den der Bezirksrat vermisst hatte.

Dass die Baupläne im Industriegebiet stocken, findet den Beifall von Thomas Huk, Vorsitzender Bürgerinitiative Strahlenschutz (BISS): „Wir sind gegen eine weitere Bebauung des Geländes. Denn so werden Fakten geschaffen. Das könnte einen Bebauungsplan verhindern, der zum Beispiel ein eingeschränktes Gewerbegebiet oder eine zukünftige Wohnbebauung vorsieht.“

Außerdem, so Huk: „Das Industriegebiet wird weiter verdichtet. So erhöht sich das Gefahrenpotenzial für die Anwohner. Wir wünschen uns, dass keinen weiteren Ausnahmegenehmigungen zugestimmt wird, bis ein neuer Bebauungsplan vorliegt. Das kann nicht mehr lange dauern.“

BUCHLER GMBH

Die Wurzeln des Unternehmens liegen im Jahr 1858. Der Betrieb selbst befindet sich im Industriegebiet Thune und stellt dort Chininprodukte her. Er beschäftigt nach eigenen Angaben etwa 86 Mitarbeiter.

Ein Sprecher von Buchler verwies darauf, dass es einen Rechtsanspruch gebe, Anträge auf Ausnahmegenehmigungen zu stellen. Er versicherte, dass Buchler alleiniger Nutzer des Gebäudes und des geplanten Anbaus sei und sein werde. An den geplanten Tanks sei nichts Geheimnisvolles: „Die werden für die Aufarbeitung von Lauge verwendet, die bei der Chininreinigung entsteht.“

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