Topsport, brutal gut

So ein freier Tag ist auch mal ganz gut. Vor allem, wenn schon am Nachmittag die Eishockey-Weltmeisterschaft weitergeht. Deutschland gegen Kasachstan, es geht brutal hin und her. Für Eishockey braucht man Zeit. Das geht nicht so nebenbei. Dieses Spiel kannst du nicht lesen wie ein gemächliches Fußballmatch, dieses Spiel musst du mitleben und miterleben wie die Raketenstart- und Absturzphase eines Parabelfluges. Schwerelos. Eishockey ist nicht nur Schach auf dem Eis, sondern auch gepanzertes Bullying-Bodybuilding, krachlederne Adrenalin-Action. Der Kasache zum Beispiel ist ein harter Brocken, spielt aber auch verdammt gut Schach. Das ist eine perfekte Kombination. Allerdings haben wir Deutschen jetzt den besten Trainer, einen Finnen: Ein Mann namens Söderholm vereint deutsche Tugenden mit nordischer Philosophie: Schieb’ dir den Puck wie am Reißbrett, bis der Gegner reif ist. Immerhin ist Finnland aktueller Weltmeister. Ich darf das hier referieren, weil ich selbst mal Eishockey-Reporter war. Damals strebte der frisch-fromm-fröhlich-freie Turnverein, dem ich meinen frühen Muskelaufbau verdankte, zu neuen Ufern. Der TV Jahn Wolfsburg wagte sich aufs Eis. Erfolgreich! Dies ist übrigens, wovon heute nur noch selten gesprochen wird, die Keimzelle des heutigen Wolfsburger Grizzly-Eishockeywunders. Die nationale Top-Profi-Truppe verdankt ihre Initialzündung in den 1980-er Jahren aus Skisport- und Curlingkreisen entsprungenen Amateuren des Turnvereins, dann in den Metamorphosen ESC – EC – EHC – Grizzly Adams, ständig gepowert von Eishockey-Verrückten und gepampert von einschlägigen ortsansässigen Mobilitäts-Granden. Toptop! Eishockey hat alles. Brutal gut.

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