Ein Frauentag vor 100 Jahren

Der 8. März ist der Internationale Frauentag. Auch wenn er „offiziell“ am 19. März 1911 erstmals begangen wurde, lag seine Geburtsstunde bereits am 27. August 1910.

Damals hatten auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz Clara Zetkin und Käthe Duncker folgenden Antrag gestellt: „Im Einvernehmen mit den klassenbewussten politischen und gewerkschaftlichen Organisationen des Proletariats in ihrem Lande veranstalten die sozialistischen Frauen aller Länder jedes Jahr einen Frauentag, der in erster Linie der Agitation für das Frauenwahlrecht dient. Die Forderung muss in ihrem Zusammenhang mit der ganzen Frauenfrage der sozialistischen Auffassung gemäß beleuchtet werden. Der Frauentag muss einen internationalen Charakter tragen und ist sorgfältig vorzubereiten.“

Das alles beherrschende Thema der ersten Jahre war tatsächlich die Forderung nach dem freien, geheimen und gleichen Frauenwahlrecht. Daneben ging es um ein Problem, das bis heute kaum an Aktualität eingebüßt hat, nämlich die Forderung „gleicher Lohn bei gleicher Arbeitsleistung für Frauen und Männer sowie die Festsetzung von Mindestlöhnen“.

Noch bevor der 8. März international als Frauentag bestimmt worden war, hatte dieser bereits in Braunschweig vor 100 Jahren eine besondere Bedeutung besessen. Damals hatte am 8. März 1913 eine große Frauenkundgebung, erstmals an diesem Tag, stattgefunden. Hauptrednerin im Saal „Der Hohentorschänke“ war Rosa Luxemburg, eingeführt von Minna Faßhauer, die in engem Kontakt zu Clara Zetkin und Rosa Luxemburg stand.

Es waren fast 500 Teilnehmerinnen versammelt, denen Rosa Luxemburg ihre Ideen von Gleichberechtigung der Frauen und Frauenwahlrecht in „flammenden Worten“ vortrug. Eine gute Stunde dauerte die Rede und die Menge war begeistert.

Im Anschluss an die Kundgebung formierte sich ein Demonstrationszug in Richtung Schloss, dem sich auch zahlreiche Männer angeschlossen haben: „Die Demonstranten mussten das Zentrum der Stadt passieren, denn es war beabsichtigt, auf dem Bohlweg, einer der Hauptverkehrsstraßen, für die Gleichberechtigung der Frauen zu demonstrieren. Auf dem Hagenmarkt, dem traditionellen Platz der Kundgebungen und Arbeiterdemonstrationen, sollte diese 8.-März-Veranstaltung beendet werden“.

Es war sicherlich eine eindrucksvolle Veranstaltung, die man ohne weiteres in der damals entstehenden Tradition des Internationalen Frauentages sehen kann. Bei ihrer Rückfahrt von Braunschweig nach Berlin wurde Rosa Luxemburg bis Magdeburg schließlich noch von Dr. Heinrich Jasper begleitet.

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