CSD in Braunschweig

Braunschweig feiert schrill unter der Regenbogen-Fahne

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Braunschweig.  Die queere Gemeinschaft zieht am Christopher-Street-Day durch die Fußgänger-Zone. Doch die Organisatoren berichten von großen Problemen

Ist es Straßenkarneval? Ist es Demonstration? Haarscharf lässt sich das beim großen Christopher-Street-Day-Umzug (CSD) durch Braunschweig nicht trennen. Tausende zogen Samstagnachmittag wieder unter der Fahne des Regenbogens durch die Innenstadt. Freude pur. Doch der CSD-Braunschweig steht auf der Kippe.

Man mag das nicht glauben. 14 Wagen mit Lautsprecheranlagen. An die 5000 tanzende, kostümierte oder nur glücklich lächelnde Teilnehmer der queeren Gemeinschaft aus Stadt, Region und Norddeutschland. Viele Ex-Braunschweiger reisten aus ganz Deutschland an. CSD-Braunschweig ist längst eine Marke. Die Organisatoren vom Verein für sexuelle Emanzipation hatten auf dem Schlossplatz sogar die Bühne verlegt. Nicht die Künstler, die bis in den späten Samstagabend auftraten, waren der Grund. Sondern, so Mario Puchner vom Organisationsteam: „Nur so war es überhaupt möglich, die Wünsche nach Ständen zu erfüllen. Selbst der letzte Platz war ausgebucht.“

Doch so groß auch das Interesse, so positiv die Veranstaltung auch besetzt ist, das Problem sei, berichtet Markus Manegold: „Das Organisationsteam ist sei dem Jahr 2019 geschrumpft. Die Aufgaben, die damals 16 Personen erfüllten, haben sich auf 10 Personen verteilt. Eine unglaubliche Belastung für Ehrenamtliche.“

In den vergangenen zwei Jahren durfte Braunschweigs CSD pandemiebedingt nur unter Auflagen stattfinden. Und so mag vielleicht übersehen worden sein, dass das Sommerloch-Festival, der CSD-Umzug ist Höhepunkt, ein etwas kleineres Programm aufwies als noch vor der Pandemie. Organisatorisch war mehr nicht zu leisten, Geld fehlte ohnehin.

Spenden finanzieren den Zug durch die Stadt

Manegold erzählt: „Rund 70.000 Euro kostet der Umzug. Finanziert allein durch Spenden. Fehlen Ehrenamtliche, verringern sich die Möglichkeiten, Spenden zu sammeln. In diesem Jahr hat der Verein für sexuelle Emanzipation erstmals 10.000 Euro aus eigenen Mitteln zuschießen müssen. Im nächsten Jahr wird das nicht mehr möglich sein.“

Es werde wohl Einsparungen geben müssen, sagt Puchner: „Bereits in diesem Jahr waren die Kosten etwa 4000 Euro höher als zunächst kalkuliert. Es herrscht ein großer Nachholbedarf im gesamten Veranstaltungsbereich. Die Bühnentechnik anzumieten, ist zum Beispiel erheblich teurer geworden. Es ist damit zu rechnen, dass sich diese Entwicklung fortsetzt.“

Keine Fördergelder für den CSD

Die Finanzlage sei angespannt, berichtet Manegold: „Wegen der Hitze hätten wir zu gern Wasserflaschen an die Teilnehmer verteilt. Im Jahr 2018 hatten wird das schon einmal gemacht. Das war nun nicht mehr zu finanzieren. Nicht, weil das Wasser selbst teuer wäre. Doch 4000 Wasserflaschen hätte bedeutet – 1000 Euro Pfand. Nicht machbar.“

Ja, der Rat der Stadt hat Fördergelder bewilligt, um das Sommerloch-Festival zu unterstützen. Aber, so Manegold: „Davon fließt nicht ein Cent in den CSD, der eine Demonstration ist. Wird eine Demonstration unterstützt, müssten alle Demonstrationen in Braunschweig unterstützt werden.“ Eine Änderung plane der Verein nicht: „Es mag nach Straßenkarneval aussehen, im Vordergrund steht aber die politische Forderung der queeren Gemeinschaft nach Teilhabe, Akzeptanz und Gleichberechtigung. Ziele, die längst noch nicht erreicht sind. Die Frage, wen und warum man wen liebt, sollte zwar längst, ist aber noch nicht unerheblich geworden.“

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