Fahrradfahren in Braunschweig

Proberunde auf dem Lastenrad durch Braunschweig

| Lesedauer: 5 Minuten
Redakteurin Katja Dartsch hat bei der „Cargobike Roadshow“ die Gelegenheit zu einer Probefahrt genutzt und bewertet drei der motorisierten Lastenräder - hier zu sehen: das Tern GSD S00.

Redakteurin Katja Dartsch hat bei der „Cargobike Roadshow“ die Gelegenheit zu einer Probefahrt genutzt und bewertet drei der motorisierten Lastenräder - hier zu sehen: das Tern GSD S00.

Foto: Stefan Lohmann / regios24

Braunschweig.  Bei der „Cargobike Roadshow“ nutzten viele Besucher die Chance zur Proberunde auf dem Lastenrad. Unsere Redaktion testete drei Modelle.

Es gibt sie als Rikscha mit drei Rädern, als Zweirad im stylishen Design, mit klappbaren Transportkisten oder Kindersitzen: Das Angebot an Lastenrädern ist so vielfältig wie die zu transportierenden Lasten.

Bei der „Cargobike Roadshow“, die gerade durch Deutschland tourt, konnte man am Samstag diverse Modelle – allesamt mit Motor – begutachten. Die Roadshow war gut besucht, und viele Besucher nutzten die Gelegenheit zu einer Proberunde. Zwölf Pedelecs von zwölf Herstellern hatten die Veranstalter mitgebracht, weitere Modelle wurden von lokalen Händlern wie E-Bike Kasten, Velo-City und Fahrrad Hahne präsentiert.

Auch unsere Redaktion hat sich in den Sattel geschwungen und drei Modelle ausprobiert:

Das Hercules Cargo 1000

Ein Lastenrad mit verlängertem Radstand, von Kennern auch als „Long John“ bezeichnet. Sieht wuchtig aus, lässt sich aber erstaunlich leicht fahren. Der Wendekreis ist recht groß, aber daran gewöhne ich mich rasch – man muss halt vorausschauend fahren. Nach nur einer Runde auf dem Platz der Deutschen Einheit fühle mich schon sicher auf dem hellgrünen „Long John“. Das Rad hat zwei Akkus mit je 500 Wattstunden, wie Björn Jettka erklärt, Verkäufer bei Fahrrad Hahne. Bis zu 250 Kilo Gesamtgewicht sind laut Hersteller zugelassen – man kann die Box also ordentlich befüllen. Voll beladen und mit vollen Akkus soll das Hercules Cargo mit Bosch-Motor eine Reichweite von maximal 160 Kilometern haben. Jettka schränkt aber ein: „Das klappt nur, wenn man mit sehr leichter Unterstützung fährt.“ Klar: Je mehr Motor man zuschaltet, desto schneller leeren sich die Akkus. Kosten: rund 6.200 Euro.

Das Tern GSD S00

An diesem Rad fallen gleich die kleinen Räder auf: 20 Zoll. Dieses Rad ist klein, aber oho: Das zulässige Gesamtgewicht gibt der Hersteller mit 200 Kilo an. Bis zu zwei Kinder – oder ein Erwachsener – finden auf dem Schwerlast-Gepäckträger Platz. Einkäufe und Lasten können natürlich auch transportiert werden. Ich teste mal und bin gleich begeistert: Der Backpacker fährt sich wie ein ganz normales Fahrrad. „Wegen der kleinen Räder liegt der Schwerpunkt der Last sehr tief. Deshalb ist das Handling so leicht“, erklärt Roadshow-Mitarbeiter Dirk Oldekamp. Sehr wendig, finde ich, das steigert den Fahrspaß. Der Bosch-Cargo-Line-Antrieb zieht gut. Das Tern gibt’s mit allerlei Zubehör, wie eigentlich alle Lastenräder, und unterschiedlichster Ausstattung – sogar mit Carbon-Zahnriemen statt gewöhnlicher Kette. Der Clou: Einige Terns kann man hochkant parken, was Platz spart. Kosten rund 6.400 Euro.

Das Mäx & Mäleon

Dieses Trike ist ein echter Hingucker. Das Oldtimer-Design der Rikscha erinnert mich an die Charleston-Ente – und bei meiner Probefahrt ernte ich viel Aufmerksamkeit. Das liegt vielleicht aber auch an meiner Fahrweise. Für das Mäx & Mäleon braucht es etwas Übung, denn das Fahrwerk mit Neigetechnik – beim Lenken legen sich die Räder quasi in die Kurve – fühlt sich sehr ungewohnt an. Geradeaus zu fahren, gelingt mir schnell, aber um die Kurven schiebe ich anfangs lieber. 2,60 Meter ist das Dreirad lang, das zulässige Gesamtgewicht liegt bei 250 Kilo. Die bequeme Sitzbank ist nicht nur zur Mitnahme von Kindern, sondern auch von Senioren geeignet. Die Bank lässt sich umklappen, der „Kofferraum“ abschließen. Das Rad ist schick, doch das Handling fällt mir schwer. Aber: Der Herr, der das Rad nach mir ausprobiert, kommt deutlich besser mit der Lenkung klar und flitzt mitsamt seiner Kinder – dem Sachs-RS-Motor sei dank – mit äußerst zufriedenem Blick über den Platz. Kosten: ab 6.700 Euro.

Mein Fazit nach drei Probe-Rädern: Lastenrad ist nicht gleich Lastenrad und die Probefahrt vorm Kauf ein Muss. Wichtig: Erst überlegen, für welche Zwecke man das Rad einsetzen will – als Reiserad, Alltagsrad, zur Beförderung von Kindern, Erwachsenen oder Einkäufen – und dann je nach Bedarf nach dem passenden Rad suchen. Die Unterschiede sind groß.

Die Roadshow ist noch bis zum 3. Juni unterwegs und macht in 23 Städten Station, in den nächsten Tagen unter anderem in Hildesheim (Sonntag, 15. Mai), Celle (Mittwoch, 18. Mai) und Hannover (Donnerstag, 19. Mai). Mehr unter www.cargobikeroadshow.org

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