Braunschweig: Drei Jugendliche wegen versuchten Mordes angeklagt

Braunschweig.  Sie sollen versucht haben, einen Dealer zu prellen. Dabei verletzten sie ihn lebensgefährlich mit einem Messer. Dienstag begann der Prozess.

Drei Jugendliche sind wegen versuchten Mordes angeklagt, ein weiterer wegen Beihilfe.

Drei Jugendliche sind wegen versuchten Mordes angeklagt, ein weiterer wegen Beihilfe.

Foto: Katja Dartsch

Vor der Jugendstrafkammer des Landgerichts Braunschweig hat am Dienstag ein Prozess wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung und räuberischer Erpressung begonnen. Angeklagt sind zwei 17-Jährige und ein 19-Jähriger.

Die drei jungen Männer aus Braunschweig sollen im April vergangenen Jahres versucht haben, einen Drogendealer abzuzocken: Er sollte ihnen für 500 Euro 60 Gramm Marihuana verkaufen. So schilderte es auch der 19-Jährige vor Gericht. Er und seine Begleiter hätten von Beginn an nicht vorgehabt, das Geld für das Gras tatsächlich zu bezahlen. Vielmehr hätten sie die Drogen ohne Bezahlung an sich nehmen und selbst verkaufen wollen.

Situation eskaliert bei Übergabe

Beim vereinbarten Treffen am späten Abend auf dem Parkplatz eines Supermarktes in Lamme aber eskalierte die Situation: Als das Opfer, ein 20-Jähriger aus Lamme, merkte, dass er übers Ohr gehauen werden sollte, hielt er den 19-Jährigen fest. Es kam zur Schlägerei, dabei setzte der 19-Jährige erst Pfefferspray ein, dann zückte er ein Messer.

Sieben Stiche wurden später gezählt, mindestens zwei sollen mit großer Wucht ausgeführt worden sein, so dass es zu Knochenabsplitterungen und lebensgefährlichen Verletzungen kam. "Ich hatte Panik. Ich wollte nicht, dass jemand mit dem Messer verletzt wird", so der 19-Jährige vor Gericht. Er räumte ein, einmal zugestochen zu haben, gibt aber an, sich nicht an alles erinnern zu können. Er hätte nicht vorgehabt, daß Messer einzusetzen: "Ich hatte mein Messer zu dieser Zeit immer dabei, zur Sicherheit. Auch, wenn ich nur den Müll rausgebracht habe."

Die drei Haupttäter teilten die Beute unter sich auf

Ein anderer aus dem Trio soll ebenfalls ein Messer eingesetzt und dem Opfer Schnittwunden im Gesicht zugefügt haben.
Mitangeklagt wegen Beihilfe ist außerdem ein 20-Jähriger, der den Fluchtwagen gefahren haben soll. Die drei Haupttäter teilten die Beute, rund 50 Gramm Marihuana, noch am selben Abend unter sich auf.

Alle drei befinden sich zurzeit in Untersuchungshaft. Der 19-Jährige gab an, in der U-Haft unter Druck gesetzt worden zu sein: Mithäftlinge hätten ihn dazu gedrängt, einen der 17-Jährigen aus der Sache rauszuhalten. Dieser soll nach Aussage des 19-Jährigen ursprünglich die Idee zu der Tat gehabt und den Kontakt zum Dealer hergestellt haben. Während der Tat soll er im Fluchtauto auf seine beiden Kumpels gewartet haben.

Urteil wird Ende Januar erwartet

Die Aussage widersprach in einigen Punkten der Darstellung des Opfers, das am ersten Verhandlungstag ebenfalls aussagte. Insbesondere in einem Punkt schilderte er den Abend anders: Nicht er sei der Dealer gewesen, vielmehr hätte er Marihuana von den drei Angeklagten kaufen wollen: "Ich konsumiere nur." Über Snapchat habe er am 28. April angefragt, wer Drogen für ihn habe - daraufhin habe sich der 19-Jährige bei ihm gemeldet. Die Täter hätten dann 450 Euro von ihm haben, ihm aber nicht die Drogen geben wollen: "Sie hätten mich an diesem Tag umbringen können, wegen 450 Euro! " Eine Entschuldigung der Angeklagten schlug der Mann am Dienstag aus: "Ich nehme die Entschuldigung nicht an. Niemals. Wie auch immer die Strafe aussieht - sie haben sie verdient."

Sechs Verhandlungstermine sind angesetzt. Das Urteil wird Ende Januar erwartet. 10 Zeugen und ein Sachverständiger sollen angehört werden. Drei Angeklagte haben angekündigt, sich zur Sache äußern zu wollen. Einer der 17-Jährigen war noch unschlüssig.

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