78 Corona-Patienten in Braunschweigs Krankenhäusern

Braunschweig.  Die meisten liegen im Klinikum. Dort heißt es, die Lage sei zwar nicht entspannt, aber notwendige Behandlungen seien bislang möglich.

 Ifrah Karlowski und Marzena Wuwer gehören zum Team auf der Covid-Station des Städtischen Klinikums.

Ifrah Karlowski und Marzena Wuwer gehören zum Team auf der Covid-Station des Städtischen Klinikums.

Foto: Leon Friedrich / Klinikum Braunschweig

Die Zahl der Neuinfektionen in Braunschweig bleibt weiter auf dem Niveau der vergangenen Wochen. Die Stadt meldete am Mittwoch 59 Neuinfektionen (Gesamtzahl seit März: 2562 Fälle). Der Inzidenzwert liegt bei rund 88 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Das heißt, in den vergangenen sieben Tagen haben sich nachweislich 221 Menschen mit dem Virus angesteckt. Die Zahl der Todesfälle in Zusammenhang mit Corona liegt inzwischen bei 44. Zuletzt starben ein 60-jähriger Mann und eine 84-jährige Frau. Allein im Dezember waren 17 Todesfälle zu beklagen.

In den drei Krankenhäusern werden aktuell 78 Patienten im Zusammenhang mit Corona behandelt, der Großteil davon im Städtischen Klinikum. Am Mittwoch waren es dort 58 Patienten, 5 von ihnen müssen intensivmedizinisch behandelt werden, 3 beatmet, teilte Klinikum-Sprecherin Saskia Siegmund auf Anfrage unserer Zeitung mit. Inzwischen befindet sich das Klinikum im Stufenplan zur Versorgung von Covid-19 Patienten in Stufe drei von vier.

Grundsätzlich kann das Klinikum die Zahl der Beatmungsplätze bei Bedarf auf 100 bis 140 aufstocken. Über weitere 17 Beatmungsplätze, die binnen 24 Stunden auf 31 Plätze erweitert werden können, verfügt das Herzogin-Elisabeth-Hospital. 6 Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeit stellt das Marienstift bereit – diese können innerhalb von 24 Stunden auf 31 erhöhen werden.

Weiterhin geordneter Versorgungsbetrieb auf Intensivstationen möglich

Gemäß der ministeriellen Verordnung gibt es im Städtischen Klinikum einen internen Stufenplan zur Versorgung von potenziellen Covid-19 Patienten. Je nach Pandemiegeschehen werden die Betten- und Personal-Kapazitäten der jeweiligen Stufen angepasst. In der aktuellen Stufe drei sind es 85 Betten auf Normal- und 19 auf Intensivstation. In Stufe vier wird die Bettenzahl auf 128 Betten auf Normalstation erhöht.

„Bezüglich der Intensivstationen lässt sich feststellen, dass die Patientenzahlen nach wie vor einen geordneten Versorgungsbetrieb zulassen “, erläutert Siegmund. „Eine Triage-Situation ist zurzeit nicht in Sicht.“ Triage bedeutet in letzter Konsequenz, dass angesichts mangelnder Kapazitäten entschieden werden muss, wer eine lebensrettende Behandlung erhält und wer nicht.

Während das Klinikum davon also noch entfernt ist, hat aber die erhöhte Zahl an stationär zu versorgenden Covid-19 Patienten mittlerweile Auswirkungen auf die Regelversorgung: Es müssen zusätzliche Betten für Covid-19-Patienten vorgehalten werden. „Die Versorgungslage ist somit nicht entspannt, aber auch nicht angespannt im Sinne von Triagierung“, so Siegmund.

16 Klinikum-Beschäftigte sind zurzeit in Quarantäne

Corona spielt am Klinikum nicht nur mit Blick auf Patienten eine Rolle, sondern auch mit Blick auf die Beschäftigten. Derzeit befinden sich laut Siegmund 16 Beschäftigte in häuslicher Quarantäne. „Daraus lässt sich nicht ableiten, ob die Quarantäne die Folge einer im privaten oder beruflichen Umfeld erworbenen Corona-Infektion ist oder ob man als Kontaktperson der Kategorie K1 in Quarantäne ist.“

Bislang gelinge es, Personalausfälle durch Einspringen von Mitarbeitenden aus weniger belasteten Kliniken zu kompensieren. „Akut auftretende Engpässe werden durch das engagierte Team vor Ort aufgefangen.“ Einschränkungen bei Elektiveingriffen könnten aber immer wieder passieren. Dies sei der aktuellen Situation geschuldet.

Problematisch sei grundsätzlich das zum Teil sehr unterschiedliche Vorgehen der Gesundheitsämter in der Region: „Trotz gleichen Sachverhaltes kommt es vor, dass beispielsweise Kontaktpersonen von dem einen Gesundheitsamt in Quarantäne geschickt werden, von dem nächsten Gesundheitsamt aber nicht. Alle Versuche, zumindest regional ein einheitliches Vorgehen anzuwenden, sind bislang erfolglos geblieben.“

Teststrategien der Braunschweiger Krankenhäuser

Die aktuelle Teststrategie sieht im Städtischen Klinikum laut Saskia Sigmund wie folgt aus: Asymptomatische Patienten erhalten bei Aufnahme in folgende Bereiche einen Antigen-Schnelltest: Onkologie, Geriatrie, Strahlentherapie und Intensivstationen. Außerdem werden Patienten aus Altenheimen und aus Landkreisen und Städten mit sehr hohen Infektionszahlen (Inzidenzwert über 100) bei der Aufnahme mit einem Schnelltest getestet.

„Darüber hinaus testen wir asymptomatische Patienten bei Verlegungen in nachversorgende Institutionen wie Reha-Einrichtungen und Pflegeheime“, erläutert Siegmund. Mitarbeitenden, die stark immungeschwächte Angehörige im häuslichen Umfeld hätten, werde ebenfalls ein Antigen-Test angeboten. Sollte das Infektionsgeschehen weiter ansteigen und in Braunschweig bei einer Inzidenz von über 100 Fällen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche liegen, sei auch im Klinikum Braunschweig ein generelles Aufnahmescreening der Patientinnen und Patienten und ein ausgeweitetes Screening der Beschäftigten vorgesehen.

Alle Patienten, bei denen der Verdacht auf eine mögliche SARS-CoV-2 Infektion oder eine Risikokonstellation bestehe, würden mittels PCR getestet. „Auch in Ausbruchsgeschehen setzen wir bei unseren Mitarbeitenden und Patienten den PCR-Test ein.“ Wie Siegmund betont, hält sich das Klinikum mit seiner PCR- und erweiterten Antigen-Teststrategie an die aktuell bekannten Wissenschaftsstandards und Richtlinien. „Sicher ist in diesen Zeiten, dass es durch ständig neue Erkenntnisse weiterhin Anpassungen der Teststrategie geben wird.“

Auch Unterbringung in Mehrbettzimmern

Patienten werden im Klinikum auch in Mehrbettzimmern untergebracht. Dazu erklärt die Krankenhaussprecherin: „Hinsichtlich der Unterbringung wäre es aus hygienischer Sicht wünschenswert, Patienten ausschließlich in Einzelzimmern unterzubringen, da sich hygienische Maßnahmen innerhalb eines Mehrbettzimmers von den Patienten nur schwer durchhalten lassen. Das Klinikum Braunschweig ist der Maximalversorger für die Region mit einem Versorgungsauftrag. Eine Sperrung von Betten in Mehrbettzimmern würde daher Auswirkungen auf die Versorgung der Patienten haben.“

Bestätigte Fälle sowie Covid-Verdachtsfälle lägen isoliert in Einzelzimmern. Es gebe aber eine Vielzahl organisatorischer Maßnahmen, um die unerkannte Eintragung von SARS-CoV-2 zu minimieren. „Dazu gehören unter anderem die Trennung der Patientenströme sowie, soweit möglich, die Trennung der Behandlungsteams. Darüber hinaus wurde ein Besuchsverbot verhängt.“ Aktuell nehme das Klinikum an einem Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit der TU Braunschweig und der Charité in Berlin teil, bei dem es um eine bessere bauliche Ausstattung von Patientenzimmern geht – gerade im Hinblick auf Hygiene.

Im Marienstift werden alle getestet

Die Antwort aus dem evangelischen Krankenhaus Marienstift zur dortigen Teststrategie ist kurz und bündig: „Im Marienstift werden alle Patienten getestet, und im Grunde wird jeder getestet, der das Haus betritt“, sagt Krankenhaus-Sprecherin Miriam Herzberg. Patienten, die zu geplanten elektiven Eingriffen ins Krankenhaus kämen, würden vorab mit einem PCR-Test getestet.

Besucher oder Patienten, die als Notfälle ins Marienstift kämen, erhielten einen Antigen-Schnelltest, Patienten, die Symptome zeigten, im weiteren Verlauf auch auf Station einen PCR-Test. Aktuell befinden sich vier Patienten mit bestätigter Covid19-Erkrankung im Marienstift und zwei mit Verdacht. Ab kommender Woche sollen Herzberg zufolge alle Mitarbeiter mindestens einmal pro Woche getestet werden. Auch bisher habe man bereits einen Großteil der Mitarbeiter regelmäßig getestet.

Teststrategie im Herzogin-Elisabeth-Hospital

Im Herzogin-Elisabeth-Hospital sieht das Covid-19-Screening der Patienten und Mitarbeiter laut HEH-Sprecherin Anja Schweers wie folgt aus: Zeigen Patienten vor einer geplanten Behandlung typische Symptome, wird die Aufnahme gestoppt. In den übrigen Fällen erhalten bei elektiven Eingriffen alle Patienten zwei bis vier Tage vor der stationären Aufnahme oder einem ambulanten Eingriff einen Abstrich (PCR-Test). Extern durchgeführte Abstriche dürfen nicht älter als vier Tage sein.

Patienten in der Notaufnahme werden mithilfe eines Antigen-Schnelltests getestet, wenn sie stationär aufgenommen werden müssen. Bei einer ambulanten Notfall-Behandlung erfolgt ein Antigen-Schnelltest nur bei begründetem Verdacht.

Alle Beschäftigten im HEH haben laut Schweers im Sieben-Tage-Rhythmus Anspruch auf einen Antigen-Schnelltest im Haus. Bei positivem Ergebnis erfolge ein zusätzlicher PCR-Test. „Die Antigen-Schnelltests für unsere Mitarbeiter setzen wir seit Anfang Dezember auf freiwilliger Basis ein und haben bisher rund 700 Tests durchgeführt.“ Derzeit behandelt das HEH fünf Patienten auf seiner Covid-19-Station. Zwei weitere werden auf der Intensivstation beatmet.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Leserkommentare (1)