Tropfenfotografie: Ein Paar aus Braunschweig experimentiert

Braunschweig.  Mit Geduld und Fingerspitzengefühl: Christina und Jan Behrens halten mit der Kamera traumhaft schöne Wasserspiele fest.

Schönes Naturschauspiel: Ein eingefärbter Wassertropfen zerspringt in seine Einzelteile.

Schönes Naturschauspiel: Ein eingefärbter Wassertropfen zerspringt in seine Einzelteile.

Foto: Christina und Jan Behrens

Wunderwerke aus der Wasserwelt, filigran wie mundgeblasenes Glas. Bizarr und unerschöpflich die Formen: Säulen, Kronen, Schirmchen. Verwirbelt, gezwirbelt, versprengt. Fürs menschliche Auge normalerweise nicht zu erfassen. Erst die Kamera friert den Moment ein und offenbart die Schönheit und Dynamik, die ein aufprallender Tropfen entfalten kann. Die Technik der Hochgeschwindigkeitsfotografie hält die Ästhetik des Augenblicks fest. Naturschönheit zum Staunen.

Das Braunschweiger Ehepaar Christina und Jan Behrens hat die Wassertropfen-Fotografie für sich entdeckt. Insider nennen es TaT – Tropfen auf Tropfen. Das Wohnzimmer ist zum Experimentierfeld geworden. „Ein Riesenspaß“, sagt die 37-Jährige vergnügt.

Dabei war sie zunächst skeptisch, als ihr Mann nach und nach den heimischen Esstisch zum Atelier umfunktionierte und immer mehr Equipment anschleppte: Neben der Kamera und einem Blitz waren das eine große Plastikwanne, eine Vorrichtung zum Tropfen, eine Plexiglasscheibe für den Hintergrund. Mit Latten aus dem Baumarkt bastelte er einen Galgen für die Tropfvorrichtung, damals noch belächelt von der Gattin.

„Manchmal braucht es 600 Bilder“

Mit einer Magnetventilsteuerung, die oben über der mit Wasser gefüllten Wanne baumelt, lässt sich nicht nur die Tropfengröße einstellen, sondern auch die zeitlichen Abstände, in denen sich ein Tropfen lösen soll. Die Einstellungen können per Smartphone und Bluetooth synchronisiert werden.

Gekoppelt mit Blitz und Kamera bleibt es dennoch ein Geduldsspiel, ob die Tropfen auf dem Foto tatsächlich auch ein schönes Schauspiel liefern. „Manchmal braucht es 600 Bilder, um ein gewünschtes Motiv zu bekommen“, erklärt Behrens. Ein zähes Ringen. Die Digitalfotografie macht das Warten auf den perfekten Augenblick immerhin erschwinglich. „Am Ende wirst du belohnt für das Ausharren: mit all der Schönheit und Eleganz.“

Hobby lässt sie manchmal nächtelang nicht los

Irgendwann erwischte die Leidenschaft auch seine Frau. „Eines Tages sah ich sie vor der Apparatur hocken und entfesselt auf den Auslöser drücken.“ Der Gatte feixt. Jetzt haben sie ein Hobby, das beide am Wochenende manchmal nächtelang nicht loslässt, wenn der zweijährige Sohn schlafend im Bettchen liegt.

Sie haben sich eingefuchst, Fachbücher gelesen, experimentiert, getüftelt. Bis sie die Dynamik des Augenblicks besser einschätzen lernten: wann sich der Tropfen in die Länge zieht oder Wirbel bildet, wann er über das Wasser tanzt, wann er schwebt wie ein Ufo oder in seine Einzelteile zerspringt.

Doch was, wenn man das Wasser einfärbt? Wenn man es andickt etwa mit Guarkernmehl? Wenn man Milch nimmt statt Wasser? Sahne? Himbeersaft? „Alles hat einen Einfluss“, meint Christina Behrens. Auch wenn man Spüli ins Wasser träufelt und damit die Oberflächenspannung verändert

Nagel im Wannenbad hilft beim Fokussieren

Beim Fotografieren von Tropfen ist die Schärfe entscheidend. Sie müssen immer auf derselben Stelle im Wasser einschlagen. Ein senkrecht aufgestellter Nagel im Wannenbad hilft beim Fokussieren.

Man muss nicht mit Hightech zu Werke gehen, um spannenden Bilder zu schaffen. Es funktioniert auch mit einem Backblech statt einer Wanne. Ein Infusionsbesteck aus der Apotheke, mit dem die Tropfen dosiert werden können, oder ein Gefrierbeutel und Nadel können bis zu einem gewissen Grad die Magnetventilsteuerung ersetzen. Immer wichtig: Die Kamera sollte möglichst flach zur Wasseroberfläche eingestellt werden, sonst kommt die hochspringende Tropfensäule nicht zur Geltung.

Für Jan Behrens ist die TaT-Fotografie eine neue Art des künstlerischen Ausdrucks. Der Internist ist bekanntlich auch komponierender Jazzpianist. Seine Kreativität ist unbändig, will ausgelebt werden. „Und Fotografie hat mich immer schon enorm fasziniert“, sagt er. Auf seiner Homepage (www.jan-behrens-piano.de) zeigt er in einer virtuellen Bildergalerie seit Jahren seine experimentellen Fotos.

Da Behrens bedingt durch Corona derzeit als Pianist nicht auftreten kann, halten er und seine Frau schon Ausschau nach neuen Foto-Projekten zum kreativen Zeitvertreib. „Wir haben da was mit eingefrorenen Blüten im Sinn“, verrät die Gattin augenzwinkernd. Wir sind gespannt.

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