Bündnis gegen Rechts: David Janzen tritt als Sprecher zurück

Braunschweig.  Der Braunschweiger will sich mehr seiner Familie widmen und sich stärker journalistisch und publizistisch mit der rechten Szene beschäftigen.

David Janzen wurde im vergangenen Jahr von den Lesern unserer Zeitung zum „Braunschweiger des Jahres“ gewählt.

David Janzen wurde im vergangenen Jahr von den Lesern unserer Zeitung zum „Braunschweiger des Jahres“ gewählt.

Foto: Henning Noske (Archiv)

In den vergangenen Jahren war David Janzen eines der Gesichter des Braunschweiger „Bündnis gegen Rechts“ – neben Udo Sommerfeld (Die Linke), Sebastian Wertmüller (Verdi), Hansi Volkmann (DGB), Angelika Schwarz (Awo) und anderen. Als ehrenamtlicher Sprecher stand er zudem extrem im Fokus von Rechtsextremen. Nun erklärt er in einer Pressemitteilung seinen Rücktritt.

Seit mehr als 20 Jahren habe er das „Bündnis gegen Rechts“ mit gestaltet und geprägt. „Leider fehlt mir nun aufgrund familiärer Veränderungen schon seit längerem die nötige Zeit, um mich mit gleicher Kraft und Intensität wie bisher zu engagieren“, so Janzen. Deshalb habe er schon vor einiger Zeit begonnen, sich aus der aktiven Mitarbeit im Bündnis schrittweise herauszuziehen.

„Ich habe mich nun entschlossen, meine Tätigkeit als (Presse-)Sprecher ganz abzugeben und bin damit auch ab sofort nicht mehr für die Öffentlichkeitsarbeit, die Homepage und die Social-Media-Kanäle verantwortlich“, sagt er. „Dieser Schritt fällt mir nicht leicht, aber ich brauche gerade mehr Zeit für meine Familie und mich.“

Dank an alle Unterstützer

Janzen dankt allen Menschen, Initiativen und Organisationen, die das Bündnis in den letzten zwei Jahrzehnten unterstützt haben – sei es durch direkte Mitarbeit, durch Spenden oder durch Teilnahme an Veranstaltungen, Kundgebungen und Demonstrationen.

„Mein persönlicher Dank gilt vor allem auch den vielen Menschen, die mir angesichts der (noch immer anhaltenden) Drohungen der Neonazis gegen mich und meine Familie ihre Solidarität zum Ausdruck gebracht haben und mir immer wieder den Rücken gestärkt haben.“

Aufkleber der Neonazi-Gruppe Adrenalin: „Wir töten dich! Janzen.“

Janzen ist immer wieder attackiert worden, im vergangenen Jahr hat er sogar Morddrohungen erhalten. So war beispielsweise an der Haustür des Mehrfamilienhauses, in dem er mit seiner Familie lebt, ein Aufkleber der Neonazi-Gruppe Adrenalin Braunschweig angebracht: „Wir töten dich! Janzen.“ Im Mai dieses Jahres hatte er einen Schweinekopf zugeschickt bekommen. Vor wenigen Wochen fand er einen Zettel mit Galgenstrick im Briefkasten.

Die Leser unserer Zeitung wählten Janzen im Jahr 2019 zum „Braunschweiger des Jahres“ und würdigten damit sein Engagement.

Janzen betonte, er bleibe dem „Bündnis gegen Rechts“ weiterhin verbunden und werde auch weiter für eine antifaschistische, antirassistische und solidarische Gesellschaft streiten. „Künftig werde ich mich aber weniger aktivistisch, sondern wieder mehr journalistisch und publizistisch mit der rechten Szene beschäftigen.“ Er verweist auf seine Facebook-Seite „DokuRechts38 – Recherche zur extremen Rechten in der Region Braunschweig“.

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