Figlus neuer Geschäftsführer des Marienstifts in Braunschweig

Braunschweig.  Der 32-Jährige will in dem Braunschweiger Krankenhauses unter anderem die Digitalisierung vorantreiben.

Dennis Figlus ist neuer  Geschäftsführer im Braunschweiger Krankenhaus Marienstift.

Dennis Figlus ist neuer Geschäftsführer im Braunschweiger Krankenhaus Marienstift.

Foto: Krankenhaus Marienstift

Dennis Figlus steht als neuer Geschäftsführer für die Zukunft im Krankenhaus Marienstift. Digitalisierung, der Einsatz künstlicher Intelligenz, Medizin-Controlling und die elektronische Patientenakte sind Begriffe, die dem 32-Jährigen leicht über die Lippen gehen. Mit Dennis Figlus und Rüdiger Becker, dem Direktor der Evangelischen Stiftung Neuerkerode, paart sich an der Spitze des Krankenhauses der Aufbruchsgeist des digitalen Zeitalters mit dem Wissen und der Erfahrung einer langjährigen Führungskraft.

„Es wird sehr spannend, und ich werde selbst noch viel lernen“, sagt der neue Geschäftsführer, der sich in dem evangelischen Traditionshaus mit 450 Beschäftigten, 147 Betten und fünf Fachkliniken gleich mehreren Herausforderungen gegenübersieht:

Er ist zuständig für die Neu- und Umbaumaßnahmen sowie den Aufbau des Sozialmedizinischen Zentrums (SMZ)

Zum einen übernimmt er das Krankenhaus im Krisenmodus der Corona-Pandemie. Gleichzeitig gilt es , Digitalisierungsprozesse voranzutreiben, wie sie unter anderem auch der Gesetzgeber im Gesundheitswesen fordert. Und nicht zuletzt ist Dennis Figlus für die Neu- und Umbaumaßnahmen am Standort sowie den Aufbau des Sozialmedizinischen Zentrums (SMZ) zuständig. Die Aufgabe hatte ursprünglich sein Vorgänger Wolfgang Jitschin weiterführen wollen. Da Jitschin zwischenzeitig aber die Geschäfte im Klinikum Peine führt, wurde der Stab an Dennis Figlus weitergereicht.

Gerade erst hat Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann einen Förderbescheid über vier Millionen Euro zur Modernisierung und Neuordnung der Funktions- und Pflegebereiche des Marienstifts übergeben.

Die Bauzeit des Neu- und Umbaus ist auf vier Jahre angelegt: Ein 5.700 Quadratmeter großer viergeschossiger Neubau samt neuem Haupteingang soll bis Ende 2021 fertig gestellt sein. Im Untergeschoss entstehen Wirtschafts- und Lagerräume. Im Erdgeschoss wird es einen neuen Empfangsbereich, die Aufnahme, Arztdienste, Endoskopie, Funktionsdiagnostik und nach Ende der Umbaumaßnahmen im Bestand auch die Zentrale Notaufnahme geben. Im Stockwerk darüber entsteht die Station für Frauenheilkunde/Geburtshilfe mit drei Kreißsälen und einer Wöchnerinnen-Station. Das zweite Obergeschoss komplettiert den Neubau mit einem Operationsbereich mit vier Sälen, einer Intensivstation und dem Sozialmedizinischen Zentrum für Menschen mit Behinderung. Die angrenzenden Altbauten, die eine Fläche von rund 4.000 Quadratmeter umfassen, werden nach Inbetriebnahme des Neubaus bis zum Jahr 2023 modernisiert.

Mit dem fürs nächste Jahr geplanten Sozialmedizinischen Zentrum will das Marienstift die medizinische Versorgung geistig und mehrfach behinderter Menschen weiter verbessern Einen ersten Schritt hat das Krankenhaus bereits mit Eröffnung des Medizinischen Behandlungszentrums für Erwachsene mit geistiger Behinderung oder schweren Mehrfachbehinderungen (MZEB) getan. Diese Ambulanz soll nun um einen stationären Bereich erweitert werden.

Der Neue leitete 2015/16 zwei kommunale Flüchtlingsunterkünfte. Dann wechselte er ins Krankenhausmanagement

Das Leistungsspektrum umfasst darüber hinaus die Geburtshilfe/Frauenheilkunde, Allgemein- und Viszeralchirurgie mit dem Kompetenzzentrum für Hernienchirurgie, Handchirurgie, Innere Medizin mit einer Spezialisierung auf Palliativmedizin und Demenz-Patienten sowie Anästhesiologie mit den Teilbereichen der Intensivmedizin und Schmerztherapie.

Der aus Essen stammende Betriebswirt Dennis Figlus verfügt bereits über Berufserfahrung im medizinischen Sektor. Seine berufliche Laufbahn begann er im Controlling einer Großkanzlei. In den Jahren 2015/16 leitete er zwei kommunale Flüchtlingsunterkünfte. Im Anschluss fokussierte sich Figlus auf das Krankenhausmanagement. Zuletzt war er in leitender Position in einem Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung tätig, wo er gemeinsam mit der Geschäftsführung Struktur- und Prozessanpassungen sowie Digitalisierungskonzepte entwickelte.

Die Arbeit in der gemeinnützig orientierten Sozialwirtschaft nennt der 32-Jährige eine bewusste Entscheidung. Sie sei sinnstiftend. Und er habe sich im Marienstift sofort wohlgefühlt. „Ich wurde mit offenen Armen empfangen. Ich freue mich auf jeden Arbeitstag in diesem Team.“ Neben Rüdiger Becker hat er in der Krankenhaus-Leitung noch den Ärztlichen Direktor Dr. Udo Rudolf Schwippel und Pflegedirektorin Rosemarie Ölschlager an seiner Seite.

Mit den Prozessen im Krankenhaus ist Figlus vertraut. Die Abläufe im OP kennt er ebenso wie die Kodierung einzelner Diagnosen, die Grundlage der Finanzierung von Krankenhausleistungen sind. „Wenn man es nicht selbst gemacht hat, weiß man nicht, wovon man redet.“

Künftig geht es auch um den Einsatz künstlicher Intelligenz in der Behandlung von Patienten

Der neue Geschäftsführer ist überzeugt, das Marienstift wirtschaftlich stabil führen zu können. Dass das Krankenhaus seit 2015 zur Evangelischen Stiftung Neuerkerode gehört, trägt zu seinem Optimismus bei. Ein Zentraleinkauf zum Beispiel, ein zentrales Controlling oder eine Abteilung für Unternehmensentwicklung seien Strukturen, die ein einzelnes Krankenhaus dieser Größe nicht gewährleisten könne.

Und was die Digitalisierung angeht? Da hat Dennis Figlus schon viele Ideen. Ein Beispiel: den Einsatz künstlicher Intelligenz in der Behandlung von Patienten. Nach Auswertung von Millionen Patienten-Daten könne der Rechner anzeigen, welche Behandlungen zur besseren Versorgung des Patienten beitragen und die Heilung beschleunigen. „Es sind Empfehlungen, der Arzt entscheidet.“ Wird der Patient mithilfe der Datenauswertung von Vergleichsfällen schneller wieder gesund. wäre das für beide Seiten eine Win-Win-Situation.

Aber vorerst hat Figlus in Sachen Digitalisierung anderes zu tun: Zum Beispiel werden die Krankenhäuser im Januar an das digitale Netz zum gegenseitigen Datenaustausch im Gesundheitswesen angebunden. Telematik heißt das Stichwort. „Die nötige Infrastruktur wird gerade aufgebaut.“

Rüdiger Becker sieht sich als Figlus‘ Sparringspartner. „Ein junger Mensch als Geschäftsführer, das ist gewagt“, sagt er. „Aber es ist auch ein Gewinn.“

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder