Braunschweiger Zoo: Bleiben die Tiere über Weihnachten allein?

Braunschweig.  Im benachbarten Sachsen-Anhalt sind die Tierparks weiter geöffnet. In Braunschweig nimmt man den zweiten Lockdown klaglos hin.

Die beiden Esel haben seit Wochen keine Besucher mehr gesehen.

Die beiden Esel haben seit Wochen keine Besucher mehr gesehen.

Foto: Norbert Jonscher

Zoo-Direktor Uwe Wilhelm sitzt in seinem gemütlichen Zoo-Bistro und schaut aus dem Fenster, wo seine Tiere einsam und verlassen im tristen November-Regen stehen. Seit knapp drei Wochen haben sie keine Besucher mehr gesehen. Der Staat will es so. Der Tierpark Arche Noah in Stöckheim erlebt in diesen Tagen seinen zweiten Lockdown.

„Schön für die Besucher“

Wilhelm und seine Leute nehmen es klaglos hin. Dass ein paar Kilometer weiter, in Sachsen-Anhalt und auch in Berlin, die Zoos weiter geöffnet haben dürfen, die in Magdeburg, Halberstadt, Bernburg, Stendal, das sei schön für die Besucher, aber letztlich eine politische Entscheidung. „Man darf sogar von hier da hin fahren. Diesmal ist das nicht verboten“, wundert sich Junior-Chef Peter Wilhelm.

Wie lange wird der Lockdown 2.0 den Tierpark noch lähmen? Niemand weiß es. Er glaube aber nicht, sagt Uwe Wilhelm, dass man noch in diesem Jahr wieder aufmachen könne. Doch man ist vorbereitet. Von den Einnahmen des Sommers habe man einiges auf die hohe Kante gelegt. Peter Wilhelm: „Der Besuch war gut, wie in allen kleinen Zoos. Viele Leute sind im Sommer nicht weggefahren. Wir haben davon profitiert.“ Die jetzt anstehenden, besucherärmeren Wintermonate werde man auch ohne Eintrittsgelder verkraften. Es gebe einiges zu tun im Tierpark. Man habe deshalb, abgesehen vom Servicepersonal im Bistro, niemand entlassen oder in Kurzarbeit schicken müssen. Und dann stehe ja auch noch die staatliche Novemberhilfe an – 75 Prozent der Novembereinnahmen vom Vorjahr seien in Aussicht gestellt worden. Aber ob das Geld wirklich bei den Wilhelms eintreffen wird? Uwe Wilhelm ist skeptisch. „Inzwischen sehe ich da schwarz. És gibt ja immer noch nicht einmal Anträge.“

Auf einen zweiten Überbrückungskredit hat Uwe Wilhelm diesmal verzichtet. Die Zinsen seien wegen der großen Nachfrage um zwei Prozent hochgeschnellt. Stattdessen setzen die Stöckheimer auf das traditionell gute Weihnachtsgeschäft. „Man kann bei uns Jahreskarten kaufen oder Tierpatenschaften und an andere verschenken.“ Insbesondere im neuen Mangustenhaus warten die Bewohner, sieben sind es, darauf, dass ein geneigter Pate ihnen einen Namen gibt. Denn den haben die aus Berlin und Nürnberg zugereisten erdmännchenähnlichen Raubtiere noch nicht.

Und dann startet am westlichen Zoo-Eingang, zur Oker hin, am Wochenende ja auch noch der neue Außerhaus-Verkauf für die Spaziergänger dort. Frische Waffeln werden zur Stärkung gereicht und Pommes. Es handele sich um einen Versuch, sagt Uwe Wilhelm. „Wir können momentan jeden Euro gebrauchen.“

Zum Beispiel für das neue Löwenhaus, das derzeit coronabedingt auf Eis liegt. „Da müssen wir erstmal abwarten, wann es weiter geht und wie der Winter für uns wird.“

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