Braunschweiger Schulen lehnen Staffelung der Schulzeiten ab

Braunschweig.  Durch weniger Gedränge in Bus und Bahn sollte das Infektionsrisiko auf dem Schulweg gesenkt werden. Geprüft wird nun der Einsatz von Reisebussen.

Blick durchs Fenster in den Unterricht einer sechsten Klasse.

Blick durchs Fenster in den Unterricht einer sechsten Klasse.

Foto: Gregor Fischer / Symbolfoto/ dpa

Wie geht es an Braunschweigs Schulen weiter? Sollten die Infektionszahlen wieder steigen: Ab wann drohen Szenario B oder C ? Wie könnte das morgendliche Gedränge in Bus und Bahn entzerrt werden? Um diese und weitere Themen ging es im letzten Schulausschuss.

Die CDU-Fraktion hatte vor den Herbstferien die Idee ins Spiel gebracht, den Unterrichtsbeginn an den Schulen zeitlich zu staffeln, um das Gedränge in den Bussen und Straßenbahnen in den Stoßzeiten zu reduzieren. So könnte das Ansteckungsrisiko auf dem Schulweg reduziert werden. Die Stadtverwaltung hat an den weiterführenden und berufsbildenden Schulen die Bereitschaft dazu schriftlich abgefragt.

Das Ergebnis gab Sozialdezernentin Christine Arbogast in der Sitzung am Freitag bekannt: „Von 29 angefragten Schulen haben 25 eine Rückmeldung gegeben. Von ihnen könnten sich 4 Schulen einen zeitlich gestaffelten Unterrichtsbeginn vorstellen oder handhaben dies bereits so.“ Drei Schulen hielten es prinzipiell für möglich, hätten aber große Bedenken. „18 Schulen halten einen zeitlich versetzten Unterrichtsbeginn aus schulorganisatorischen Gründen für nicht möglich“, so die Dezernentin.

Überlegung, Reisebusse für den Schülerverkehr zu nutzen

Dabei spielten unter anderem die Mittagessenversorgung , die Anreise von Schülern aus anderen Landkreisen, das Kurssystem und Geschwisterkonstellationen eine Rolle. Auch würde es die Vereinbarkeit von Familie und Beruf der Lehrkräfte erschweren. Die Anregung, für einen Teil der Schüler eine halbe Stunde Unterrichtszeit zu kürzen , sei aus rechtlichen Gründen nicht umsetzbar, so Arbogast.

Die Braunschweiger Verkehrs GmbH hatte bereits vor Wochen mitgeteilt, dass keine zusätzlichen Fahrzeuge und kein weiteres Personal zu den Stoßzeiten zur Verfügung stünden. „Die Grenze bei der BSVG ist erreicht“, so Arbogast.

Christoph Bratmann (SPD), Vorsitzender des Ausschusses, verwies auf die vom Land in Aussicht gestellte Sonderfinanzhilfe zur Kapazitätserweiterung in Höhe von 30 Millionen Euro . Für das Geld könnten zum Beispiel Reisebusse angemietet werden, regte Gisela Ohnesorge (Die Linke) an. Dazu gebe es bereits Gespräche mit der BSVG, teilte Sandra Dittmann mit, Leiterin des Fachbereichs Schule.

Margit Bentin von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft merkte an, dass es in den Schulen brodele: „Die Unruhe nimmt zu unter den Kollegen und Kolleginnen. Sie wünschen sich mehr Schutzmaßnahmen .“ Erst am Dienstag wurde bekannt, dass Niedersachsen die Schulen in der Corona-Pandemie mit insgesamt 45 Millionen Euro besser ausstatten will, insbesondere personell.

Keine „Grenzwerte“ für Szenario B und C

An zahlreichen Braunschweiger Schulen waren zuletzt Corona-Infektionen aufgetreten. Offen ist, ob und wann Schulen in Szenario B (das heißt: Klassen werden geteilt und im abwechselnd in der Schule und zu Hause unterrichtet) oder Szenario C (Homeschooling für alle) wechseln. Dafür gibt es keinen „Grenzwert“. Eine so pauschale Regelung lasse die Coronaverordnung des Landes nicht zu, erklärt die Dezernentin. Entschieden werde im Einzelfall, und das in Absprache mit der jeweiligen Schulleitung.

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Astrid Buchholz von der BIBS wies darauf hin, dass die Eltern gerne wüssten, auf was sie sich einstellen müssen und mehr Planungszeit benötigten. Arbogast dazu: „Jede Schule bereitet sich auf den Fall X vor. Wen es wann trifft, das weiß man nicht. Die Schulen werden die Pläne in der Schublade haben, davon gehe ich aus.“ Sie bot an, im Schulleiter-Sprecherkreis darauf hinzuweisen, dass Eltern möglichst zeitig informiert werden.

Was die technische Ausstattung angeht, teilte Fachbereichsleiterin Sandra Dittmann mit, dass die Schulen mit 1800 zusätzlichen Rechnern ausgestattet worden seien, die diese an Schüler verleihen können, die ein Gerät fürs Homeschooling benötigen. Weitere seien bestellt, die Lieferzeiten aber lang. Die Stadt bekomme dafür 1,4 Millionen Euro vom Land. Ursprünglich hatten die Schulen einen Bedarf von 2180 Rechnern gemeldet.

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