Braunschweig: E-Bike-Kasten schließt Jako-o-Lücke am Kattreppeln

Braunschweig.  Das 2015 gegründete Fahrradunternehmen profitiert von der Corona-Krise und eröffnet im Frühjahr eine 1.200 Quadratmeter große Filiale.

In den früheren Jako-o-Laden am Kattreppeln zieht im Frühjahr das Unternehmen E-Bike-Kasten.

In den früheren Jako-o-Laden am Kattreppeln zieht im Frühjahr das Unternehmen E-Bike-Kasten.

Foto: Norbert Jonscher / NJ

Paukenschlag am Kattreppeln. Nur wenige Monate, nachdem der Textil-Filialist Mitte April geschlossen hat, eröffnet das Braunschweiger Fahrradunternehmen E-Bike-Kasten dort auf zwei Etagen einen rund 1.200 Quadratmeter großen sogenannten Flagship-Store. Der Umbau beginnt in Kürze, Ende Februar/Anfang März 2021 soll Eröffnung sein. Acht Mitarbeiter sind dann dort beschäftigt.

Die E-Bike-Branche boomt

Die E-Bike-Branche boomt. Nach Klopapier und Nudeln sind seit Beginn der Corona-Krise vor allem elektrische Fahrräder so heiß begehrt wie nie zuvor. „Ein Umdenken hat stattgefunden. Die Leute wollen nicht mehr mit Bus und Bahn fahren, sondern sich in der freien Natur bewegen. Das ist der neue Trend, der sicher noch lange anhalten wird“, erklärt Inhaber Guido Kasten (50). Es sei inzwischen so, dass gar nicht so viele Räder nachgeliefert werden könnten, wie geordert werden. „Vor allem die Hersteller in Asien haben große Probleme. Der Stau wird auch nächstes Jahr anhalten.“ Bis zu einem halben Jahr müssten Kunden derzeit auf ihr Rad oder Ersatzteile warten. Und attraktive Räder seien im Handumdrehen vergriffen.

Dicke schwarze Zahlen

Ein idealer Zeitpunkt, den großen Schritt zu wagen. Praktisch seit März schreibt Kasten Monat für Monat dicke schwarze Zahlen. Dass der Online-Handel seine mutigen Expansionspläne durchkreuzen könnte, sieht Guido Kasten nicht. Im Gegenteil. „Unsere Kunden informieren sich zwar im Internet, lassen sich dann aber bei uns beraten und kaufen auch hier. Sie wissen: Kaufe ich das Rad online, erhalte ich einen großen Karton mit einem Rad drin und sollte irgendetwas nicht in Ordnung sein, muss ich den Karton wieder zum Paketdienstleister schleppen und alles zurückschicken.“

Guido Kasten ist Quereinsteiger in der Branche, er kommt aus dem Mobilfunkbereich. Vor fünf Jahren eröffnete er aus dem Nichts sein Geschäft an der Poststraße/Schützenstraße – nicht zufällig setzte er auf E-Bikes. Der Umweltgedanke sei ihm wichtig – bei allem, was er tue, Er habe beispielsweise daheim eine Solaranlage auf dem Dach. Seine Philosophie: Es müsse uns allen darum gehen, nachfolgenden Generationen einen bewohnbaren Planeten zu hinterlassen.

Zwei Filialen in Wolfsburg und Goslar

„Unsere Vision ist die Schaffung einer intelligenten Mobilität für lärmfreie, saubere und grüne Städte mit einer hohen Lebensqualität“, heißt es auf der Homepage des Unternehmens. Er und seine Mitarbeiter seien „fasziniert vom Thema Elektromobilität und der möglichen Einsparung von Stickstoffoxid, die uns diese Art der alternativen Fortbewegung als Teil in unserer täglichen Mobilitätskette bietet“. Kasten: „Wir wollen die Mobilität älterer Menschen mit dieser tollen Unterstützung erhalten und junge Menschen mit neuen, attraktiven und sportlichen Modellen zum Umdenken in ihrem persönlichen Mobilitätsverhalten inspirieren.“ Die Bewahrung der Erde sei das wohl größte Projekt, vor dem die Menschheit je stand.

Kasten hat zwei weitere Filialen in Wolfsburg und in Goslar. Den Standort Schützenstraße werde man beibehalten. „Wir waren 2015 hier Pioniere mit unseren E-Bikes, nächstens Jahr werden wir Pioniere bei den Lastenrädern sein, die zunehmend nachgefragt werden.“

Elektro-Fahrräder werden in Deutschland immer beliebter. Die Zahl der privaten Haushalte, die mindestens ein E-Bike besitzen, hat sich in den vergangenen fünf Jahren fast verdreifacht. Anfang des Jahres besaßen 4,3 Millionen Haushalte oder gut elf Prozent mindestens ein E-Bike, wie das Statistische Bundesamt mitteilt.

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