Schnelltests für Arztpraxen und Altenheime in Braunschweig

Braunschweig.  Gesundheitsdezernentin Christine Arbogast sieht im Antigen-Test zusätzlichen Schutz, aber kein Allheilmittel. Die ersten Heime fangen damit an.

Im Seniorenheim Bethanien werden jetzt alle Bewohner, Pflegekräfte und Besucher im Schnellverfahren regelmäßig auf Corona getestet.

Im Seniorenheim Bethanien werden jetzt alle Bewohner, Pflegekräfte und Besucher im Schnellverfahren regelmäßig auf Corona getestet.

Foto: Darius Simka / regios24

Ein Rachenabstrich - und nach 15 bis 30 Minuten signalisiert ein Strich auf dem Testfeld, ob eine Covid-19-Infektion vorliegt oder nicht. Die Senioren- und Pflegezentren Bethanien und St. Vinzenz der Evangelischen Stiftung Neuerkerode gehören in Braunschweig zu den ersten Altenheimen, in denen alle Bewohner, Beschäftigten, Besucher und auch Dienstleister wie Friseur oder Fußpfleger im Schnellverfahren regelmäßig auf eine Corona-Infektion getestet werden.

Bisher rund 20 Anträge auf Schnelltest beim Gesundheitsamt

Laut Dr. Gerhard Wermes, Leiter des Braunschweiger Gesundheitsamtes, liegen seiner Behörde inzwischen rund 20 Anträge von Seniorenheimen oder Arztpraxen vor, die das Corona-Schnelltest-Verfahren im eigenen Unternehmen einführen wollen. Angesichts der allein rund 70 Braunschweiger Pflegeeinrichtungen sieht der Amtsarzt darin erst den Anfang.

Hintergrund ist die Ende Oktober in Kraft getretene Nationale Teststrategie. Die Einführung kostenloser Corona-Schnelltests soll vor allem Risikogruppen besser schützen. Pflegeheime, Kliniken oder Arzt- und Zahnarztpraxen gehören zu den berechtigten Institutionen. Genehmigt das Gesundheits die vorgelegten Test-Konzepte, können die Schnelltests über die Kassenärztliche Vereinigung abgerechnet werden. Derzeit werden laut Bundesgesundheitsministerium pro Woche bis zu 1,5 Millionen Test-Kits hergestellt.

Arbogast: „Infektionen in Heimen verhindern“

Braunschweigs Gesundheitsdezernentin Dr. Christine Arbogast sieht in dem Antigen-Schnelltest einen zusätzlichen Schutz. Ein Allheilmittel, betont sie, sei er aber nicht. „Der Test ist nicht für den Hausgebrauch gedacht“, beugt sie Missverständnissen vor. „Es geht um den Schutz von Risikopatienten Wir möchten unbedingt verhindern, dass gerade in der jetzt sehr dynamischen Pandemie-Situation weitere Infektionen in die Heime hineingetragen werden. Für eine Einrichtung mussten wir schon ein Betretungsverbot aussprechen“, erklärte Arbogast am Freitag. Zudem sollten alte Menschen nicht erneut isoliert werden. „Jeder braucht menschliche Nähe. Das müssen wir weiter ermöglichen.“

Testen darf nur geschultes Fachpersonal

Um das sicherzustellen und zugleich der Entstehung von Infektionsketten vorzubeugen, hat Ulrich Zerreßen, Geschäftsführer der Senioreneinrichtungen Bethanien und St. Vinzenz, schnell reagiert. „Wir haben kurzfristig Konzepte erarbeitet und beim Gesundheitsamt eingereicht.“

Eine Voraussetzung: Die Tests dürfen nur von eigens geschultem medizinisch-pflegerischen Fachpersonal vorgenommen werden. Denn eine falsche Anwendung kann das Testergebnis verfälschen. Solche Schulungen bietet auch das Gesundheitsamt in Zusammenarbeit mit dem Städtischen Klinikum an.

Zutritt erst nach negativem Schnelltest

Besuche in St. Vinzenz und Bethanien sind von nun vorab telefonisch abzustimmen, um das Testaufkommen zu bewältigen. Zutritt ins Haus wird nur gewährt, wenn der Antigen-Test negativ ausfällt.

Prof. Wilfried Bautsch, am Klinikum Chefarzt des Instituts für Mikrobiologie, Immunologie und Krankenhaushygiene, spricht von Chancen und Grenzen dieses Testverfahrens: Wie er erläutert, weist ein Antigentest nicht Teile des Erbguts, sondern spezielle Protein-Bausteine des Virus SARS-CoV-2 nach. Das Ergebnis sei zwar schneller bekannt als beim PCR-Test, jedoch weniger zuverlässig. Liege die Zuverlässigkeit bei den gängigen PCR-Tests bei nahezu 100 Prozent, erreiche der Antigen-Test in der Praxis zwischen 87 und 97 Prozent.

Antigen-Test hilfreich vor Krankheitsausbruch

Der Grund: Der PCR-Test schlage schon bei einer sehr geringen Virus-Menge im Rachenraum an. „Diese Personen bleiben bei einem Antigen-Test in vielen Fällen unentdeckt.“ Dagegen schlage der Antigen-Test mit hoher Wahrscheinlichkeit in der oft noch symptomfreien Frühphase Alarm, wenn jemand eine hohe Virenlast im Rachenraum habe und daher besonders ansteckend sei, erläutert Bautsch. Im weiteren Verlauf der Infektion, wenn die Viren vom Rachenraum in die Lunge wandern, nehme die Zuverlässigkeit des Antigen-Tests ab.

„Antigen-Tests“, bilanziert Bautsch, „bieten sich wegen ihrer Schnelligkeit und einfachen Handhabung für Einrichtungen an, die kein eigenes Labor haben und schnell ein Ergebnis brauchen. Allerdings sollten die Grenzen des Tests immer mitbedacht werden.“

Gesundheitsamtsleiter Dr. Gerhard Wermes sieht Altenheime als wichtigen Einsatzort der Schnelltests. „Dort kann man Besucher testen, die keine Krankheitssymptome haben. Fällt der Antigen-Test trotzdem positiv aus, kann man den Zutritt verweigern und zur Abklärung einen PCR-Test im Labor durchführen.“

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