Wie gut ist der Infektionsschutz an Braunschweigs Schulen?

Braunschweig.  Der Schulträger erklärt, wie das Ansteckungsrisiko minimiert werden soll - und wie gut Schüler und Lehrer fürs Homeschooling ausgestattet sind.

Schule unter Corona-Bedingungen: Im Unterricht, wenn die Schüler an ihrem Platz sitzen, dürfen sie den Mundschutz abnehmen.

Schule unter Corona-Bedingungen: Im Unterricht, wenn die Schüler an ihrem Platz sitzen, dürfen sie den Mundschutz abnehmen.

Foto: Uli Deck / dpa

An vier weiterführenden Schulen in Braunschweig müssen derzeit einzelne Jahrgänge zu Hause bleiben – mehrere Schüler hatten sich im Sportverein mit dem Coronavirus angesteckt. Betroffen sind die Gymnasien Ricarda-Huch-Schule, Neue Oberschule und Gaußschule sowie die Wilhelm-Bracke-Gesamtschule. Wie gut sind die Schulen fürs Homeschooling inzwischen ausgestattet – und wie ist es eigentlich um den Infektionsschutz in den Schulen bestellt? Das haben wir den Schulträger gefragt: die Stadtverwaltung.

Die Task-Force

Bereits im April hatte die Gefahrenabwehrleitung der Stadt eine Corona-Task-Force für Schulen und Kitas ins Leben gerufen, in der Vertreter verschiedener Fachbereiche der Stadtverwaltung, der Feuerwehr sowie zeitweise auch der Landesschulbehörde zusammenarbeiten. Auf der Tagesordnung stehen Themen wie Hygienemaßnahmen, Mundschutz, Abstandsregeln, Lüftung und Reinigung, Schülerbeförderung, Mittagessenversorgung und die Weitergabe von Informationen an Schulen und Eltern.

Lüftung, Fenster und Heizung

Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne hat diese Woche die Faustformel 20-5-20 für den Unterricht herausgegeben, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren: 20 Minuten Unterricht, 5 Minuten lüften, 20 Minuten Unterricht. In Braunschweigs Schulen sollte dies zumindest baulich möglich sein: Die Stadt als Schulträger hat in den letzten Monaten dafür gesorgt, dass sich die Fenster in den städtischen Schulen – die teils aus Sicherheitsgründen verschlossen waren – zu Lüftungszwecken öffnen lassen. „Um jederzeit bedarfsgerechtes Lüften zu ermöglichen, wurden der Lehrerschaft in ausreichender Anzahl Schlüssel zum Öffnen mechanisch gesicherter Fenster ausgehändigt“, erklärt Stadtsprecher Adrian Foitzik.

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Bereits Ende April hatte die Task-Force beschlossen, dass Klimaanlagen in Kitas und Schulen deaktiviert und Umluftanlagen umprogrammiert werden. Lüftungsanlagen mit Mischluftanteil wurden nach Angaben der Stadt so eingestellt, dass nur noch Frischluft von außen einströmt. Umluftheizungen in Sporthallen wurden umgestellt: Außerhalb der Schulbetriebszeit sollen sie in Betrieb bleiben, um das Gebäude aufzuheizen, damit Sportunterricht stattfinden kann. Mit Unterrichtsbeginn am Morgen werden die Anlagen dann außer Betrieb genommen.

Die Handhygiene

Was die Ausstattung der Schulen mit Waschbecken angeht, sind die Unterschiede groß. Ein flächendeckender zusätzlicher Einbau von Waschbecken in allen Klassenräumen ist nach Ansicht der Stadt – wie berichtet – finanziell und vom Aufwand her zeitnah nicht leistbar. Den Schulen werden deshalb bei Bedarf Handdesinfektionsmittel zur Verfügung gestellt. In den Sekretariaten wurden schon vor den Sommerferien Spuckschutzwände installiert. Geprüft wurde auch, wie die Essenausgabe im Mensabetrieb nachgerüstet werden muss. Für den Eingangsbereich der Mensen wurden Desinfektionsspender beschafft.

Der Mundschutz

Die Stadt hat den Schulen nach den Sommerferien empfohlen, dass eine Mund-Nasen-Bedeckung auf dem gesamten Schulgelände sowie im Schulgebäude getragen werden sollte. So könnten nach Einschätzung des Schulträgers „Übertragungsmöglichkeiten, insbesondere bei asymptomatischen Infektionen, wirksam minimiert werden“. Ausnahme: Auf dem Sitzplatz im Unterrichtsraum und in der Mensa dürfen die Masken abgenommen werden.

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In einigen Schulen ist man noch vorsichtiger: In der Grundschule Klint beispielsweise hat sich das Schulpersonal dafür ausgesprochen, das Tragen von Masken auch im Unterricht zu empfehlen, um „einer Ansteckungsmöglichkeit bei geringer Distanz in geschlossenen Räumen vorzubeugen“, wie Schulleiter Markus Holfeld sagt. Verpflichtend sei die Empfehlung allerdings nicht. Dafür gäbe es auch keine rechtliche Grundlage, denn weder in der Niedersächsischen Corona-Verordnung noch im Rahmenhygieneplan Schule ist eine Maskenpflicht im Unterricht vorgesehen.

Die digitale Infrastruktur

Wie gut sind Schulen, Schüler und Lehrkräfte mittlerweile fürs Homeschooling ausgestattet? Zur Netzwerkinfrastruktur in den rund 70 städtischen Schulen schreibt die Stadt: „Grundsätzlich sind alle Klassenzimmer netzwerkfähig ausgestattet.“ Im Jahr 2005 hat die Stadt einen Medienentwicklungsplan für die Schulen erstellt und schreibt diesen seitdem regelmäßig fort. In die Netzwerkinfrastruktur seien bis 2018 mehr als vier Millionen Euro investiert worden, so die Stadt. Rund 900 Access-Points wurden verbaut, weitere 1865 werden im Rahmen des Digitalpakts folgen.

Foitzik ergänzt: „Die Stadt führt in ihren Schulen eine komplette Modernisierung der Netzwerkinfrastruktur im Zeitraum von 2019 bis 2024 durch.“ Dafür seien 13,71 Millionen Euro vorgesehen. Allein im aktuellen Schuljahr werden für etwa 30 Prozent der Klassenräume modernste Netzwerkkomponenten verbaut.

Die digitalen Endgeräte

Für eine Ausstattung der Lehrkräfte mit digitalen Endgeräten hat der Bund 500 Millionen Euro in Aussicht gestellt sowie weitere 500 Millionen Euro für Administration und Qualifizierung. Geplant ist zudem eine 10-Euro-Bildungsflatrate für bedürftige Schüler. In Braunschweig konnten dank des ehrenamtlichen Projekts „Hey Alter“ bereits 675 aufgearbeitete Rechner an bedürftige Schüler verteilt werden. Ende August hat die Stadt Fördermittel in Höhe von rund 1,4 Millionen Euro aus dem Sofortprogramm des Bundes beantragt. Wird der Antrag bewilligt, schöpft die Stadt damit Mittel in maximaler Höhe aus.

Nahezu alle Braunschweiger Schulen arbeiten seit Jahren mit Iserv, einer von Braunschweiger Entwicklern erstellten Software. Sie ermöglicht Chats, den Austausch von Nachrichten und Unterrichtsmaterial sowie Videokonferenzen und ist damit gut fürs Homeschooling geeignet.

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