Braunschweiger Anwohner gehen gegen Bordell auf die Straße

Braunschweig.  Der Protest gegen das geplante Etablissement in Gliesmarode hat die Ebene der reinen Diskussion verlassen. Weitere Aktionen sind geplant.

Anwohner des Wohnviertels Alte Baumschule drücken mit einer Aktion ihren Protest gegen das geplante Bordell an der Berliner Straße aus.

Anwohner des Wohnviertels Alte Baumschule drücken mit einer Aktion ihren Protest gegen das geplante Bordell an der Berliner Straße aus.

Foto: privat

Vor der Ratssitzung am nächsten Dienstag üben die Anwohner des geplanten Bordells an der Berliner Straße immer mehr Druck auf die Politik aus. Ihr Ziel: Trotz des von der Stadt erteilten positiven Bauvorbescheids soll das Etablissement noch verhindert werden. Am vergangenen Wochenende gingen zahlreiche Bürger aus dem Wohnviertel „Alte Baumschule“ auf die Straße. Seitdem hängen Protestplakate an der betreffenden Kreuzung. „Wir sehen Rot – No bordell“ ist darauf unter anderem zu lesen. Ein Wegweiser aus Holz soll verdeutlichen, dass soziale Einrichtungen nicht weit von dem umstrittenen Standort entfernt liegen.

Initiative: Bebauungsplan ändern

Die Initiative drängt zum einen darauf, dass der aus dem Jahr 1973 stammende Bebauungsplan für das Gebiet geändert wird und eine Ansiedlung von Bordellen darin ausgeschlossen wird. Die Stadt hatte hierzu bislang erklärt, dass eine „Verhinderungsplanung“ rechtlich nicht zulässig sei. Dem hält die Initiative entgegen, dass die Stadt mit einer Änderung kein Risiko eingehe. Denn: Wer solle schon dagegen klagen? Schließlich sei der Betreiber des jetzt geplanten Großbordells davon nicht mehr betroffen, meint Timo Harland, Jurist und Bewohner des Quartiers „Alte Baumschule“. Die Stadt hatte bereits darauf verwiesen, dass eine Änderung des Bebauungsplans rückwirkend keine Gültigkeit für bereits genehmigte Vorhaben besitze.

Warum die Anwohner trotzdem darauf beharren? „Wir befürchten, dass sich später noch weitere Einrichtungen dieser Art ansiedeln könnten“, erklärt der 47-Jährige. Bedeutet: Nach Spielhalle und Großbordell könnte der sogenannte „Trading-down-Effekt“ eintreten. Andere Mieter könnten das Viertel verlassen, szenegleiche dafür neu einziehen. So entstünde in Gliesmarode ein zweites Rotlichtviertel in der Stadt, das auf lange Sicht vielleicht sogar mit der Bruchstraße konkurrieren könne – so die Sorge der Anwohner.

Geplant sind mehr als 20 Zimmer

In der öffentlichen Diskussion gibt es mittlerweile auch Stimmen, die der Initiative eine Dramatisierung der Problematik vorwerfen. Das weist Volker Ovelgönne, ebenfalls Anwohner aus der „Alten Baumschule“, jedoch zurück. „Wir haben uns sehr intensiv mit den Folgen der Einrichtung von Bordellbetrieben beschäftigt“, sagt er. Es sei eben nicht der Fall, dass der gut situierte Familienvater vor der Einrichtung parke, schnell in dem Gebäude verschwinde und später wieder – möglichst ungesehen – davonfahre. Vielmehr zögen Orte, an denen viel Geld umgesetzt werde, immer auch Kriminelle an. Dass im Bereich Prostitution große Summen umgesetzt werden, ist kein Geheimnis. Monatliche Mieteinnahmen im höheren fünfstelligen Bereich dürften an der Berliner Straße nicht unrealistisch sein. Geplant sind an dem Standort mehr als 20 Zimmer.

Klar gegen das Bordell hat sich in einer Pressemitteilung in dieser Woche noch einmal die CDU-Ratsfraktion ausgesprochen. „Die Verwaltung muss sich mit den juristischen Stellungnahmen auseinandersetzen und darf sich nicht auf die Position zurückziehen, dass das Bordell rechtlich nicht zu verhindern sei“, erläutert der Fraktionsvorsitzende Thorsten Köster darin. Er verweist in der Erklärung auf die von den Anwohnern vorgebrachten juristischen Stellungnahmen. Eine andere Hoffnung hegt hingegen die SPD. „Wir werden insbesondere prüfen, inwiefern die Einführung einer Sperrbezirksverordnung den Betrieb verhindern kann“, erklärt Ratsfrau Annette Schütze in einer Erklärung am Dienstag. Einig sind beide Parteien in einem: Schnellschüsse sollen vermieden werden.

Anlieger wollen gegen das Bordell mobil machen

Die Anlieger indes wollen weiter mobil machen. „Bei uns im Viertel wissen alle von den Plänen. Aber in anderen Gebieten nahe dem Standort hat es noch nicht jeder mitbekommen“, hat Ovelgönne bemerkt. Weitere Protestaktionen sollen folgen – stets mit Abstand und Maske, wie die Anwohner betonen. Angemeldete Demonstrationen wird die Initiative aber vermutlich aufgrund der Corona-Auflagen scheuen.

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