Braunschweiger Orchester ohne Grenzen tritt am Freitag auf

Braunschweig.  Das Orchester verfolgt einen integrativen, inklusiven Ansatz. Das ist in zwei Konzerten zu erleben.

Die drei ständigen Mitglieder des Orchesters ohne Grenzen, (von links) Florin Lucian Heinemann (Herkunft Rumänien), Darinka Jossifova (Bulgarien) und Bernfried E. Pröve, Orchestergründer und -leiter, mit der Gastpianistin für die Konzerte am Freitag, Vasilena Atanasova aus Bulgarien.

Die drei ständigen Mitglieder des Orchesters ohne Grenzen, (von links) Florin Lucian Heinemann (Herkunft Rumänien), Darinka Jossifova (Bulgarien) und Bernfried E. Pröve, Orchestergründer und -leiter, mit der Gastpianistin für die Konzerte am Freitag, Vasilena Atanasova aus Bulgarien.

Foto: Karsten Mentasti

„Jeder Tag ohne Musik ist ein verlorener Tag“, sagt die Sängerin Darinka Jossifova in Abwandlung eines Zitats von Charlie Chaplin, der dabei die Bedeutung des Lächelns im Sinn hatte. Aber Musik und Lächeln, gehört das nicht ganz eng zusammen?

Bernfried Pröve, Braunschweiger Komponist, Organist und Musikdozent, würde das sicherlich bestätigen, so sehr sprüht er vor positiver Energie, wenn er ein Projekt im Sinn hat. Gerade bereitet er ein Konzert seines interkulturellen, inklusiven Orchesters ohne Grenzen vor, das er 2018 gegründet hat und das in der Kreuzkirche oder im Haus der Kulturen aufspielt.

Musik aus Osteuropa

Das nächste Mal, und gleichzeitig das erste Mal in diesem Jahr, findet ein Konzert unter dem Titel „Musik aus Osteuropa“ am Freitag, 18. September, im Haus der Kulturen im Nordbahnhof statt. Eigentlich sind es sogar zwei. Denn vor dem anderthalbstündigen Auftritt von 20 Uhr an im großen Saal des Hauses treten die sieben diesmal ausgewählten Orchester-Mitglieder mit Gastpianistin Vasilena Atanasova aus Bulgarien auch schon gegen 19 Uhr auf. Diese kostenlose Generalprobe findet auf der Terrasse des Hauses während der üblichen freitäglichen „Happy Hour“ statt.

„Unvergleichliche Authentizität“

Zu dem eine Stunde später beginnenden Hauptkonzert im Saal des Hauses der Kulturen sind dem Hygienekonzept geschuldet allerdings nur 23 (!) Zuhörer zugelassen. „Wir werden die Fenster offen halten, so dass man auch von draußen zuhören kann, und da werden wir mit dem Hut rumgehen“, kündigt Geschäftsführerin Cristina Antonelli-Ngameni an. Das Haus der Kulturen ist allerdings nicht Ausrichter, sondern stellt nur den Raum.

„An diesem Abend dreht sich alles um Stücke und Rhythmen aus Osteuropa“, erläutert Pröve, der bei Auftritten des Orchesters ohne Grenzen den Schwerpunkt meist auf eines oder wie diesmal mehrere Ländern legt. „Die Authentizität, wenn Vertreter eines Kulturkreises ihre Musik vortragen, ist unvergleichlich“, schwärmt er.

Pröve glaubt überdies, wenn Menschen verschiedener Herkunft ihre musikalische Identität offenlegten, würden – und da bezieht er das Publikum mit ein – Achtung vor- und gegenseitiger Respekt füreinander wachsen. „Nicht unterschiedliche Religionen sollten bei den Menschen die entscheidende Rolle spielen, sondern Herz und gegenseitige Wertschätzung“, meint er. „Durch gemeinsames Singen und Musizieren von Liedern aus der jeweiligen Heimat wird die tief verwurzelte Identität und Kultur des jeweilige Landes in besonderen Arrangements zur Geltung gebracht.“

Puzzleteile eines großen Ganzen

„Die Konzerte sind meist eine Aneinanderreihung von Solo-Gesangsstücken verschiedener Genres mit musikalischer Begleitung“, erläutert Orchestermitglied Silke Sormes. Die deutsche Musikerin ist eines von 24 Orchestermitgliedern mit Herkunft aus unterschiedlichen Kulturkreisen.

Die im Rollstuhl sitzende Sängerin und Bratschistin wird mit Begleitung von Vasilena Atanasova unter anderem drei ungarische Lieder in der Landessprache zum Besten geben. Diese hat Sormes vor einigen Jahren bei einem Gesangskursus in Bulgarien einstudiert. Seit sie zum Mitgliederstamm gehört, ist das Orchester nicht nur interkulturell, sondern sogar inklusiv aufgestellt. Pröve ist stolz auf diese Attribute, will er doch mit dem Orchester einerseits die Musik und ihre kräftige, weltumspannende Ausstrahlung betonen und andererseits zeigen, „dass wir alle Puzzleteile eines großen Ganzen sind“.

Eine Erweiterung des Orchesterstamms und damit der kulturellen Vielfalt wäre ganz in Pröves Sinn. Cristina Antonelli-Ngameni vom Haus der Kulturen gibt dem Orchester gern Raum zum Üben und für Auftritte: „Mit der integrativen Idee passt das Projekt perfekt zu uns.“ Diesmal gehören neben Atanasova und Sormes unter anderem der Tenor Florin Lucian Heinemann, der aus Rumänien stammt, und die genreübergreifende Sängerin Darinka Jossifova, Landsfrau der Gastpianistin, zum Ensemble.

Am 14. November ist im Haus der Kulturen übrigens noch ein Konzert des Orchesters geplant, dann zum Thema „Bella Italia“.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder