Braunschweig und Wolfsburg wollen Moria-Flüchtlinge aufnehmen

Braunschweig.  Die Städte wollen helfen. Minister Seehofer spricht von bis zu 150 Menschen für ganz Deutschland. Juso-Chef Kühnert ist das nicht genug.

Frauen und Mädchen stehen in der Nähe des Lagers Moria an, um Lebensmittel zu erhalten.

Frauen und Mädchen stehen in der Nähe des Lagers Moria an, um Lebensmittel zu erhalten.

Foto: Socrates Baltagiannis / dpa

Braunschweig und Wolfsburg haben ihre Bereitschaft erklärt, Flüchtlinge aus dem abgebrannten griechischen Lager Moria aufzunehmen. Braunschweigs Oberbürgermeister Ulrich Markurth hat dazu am Freitag einen Brief an Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (beide SPD) geschrieben. „Insbesondere Kindern und Jugendlichen sowie alleinstehenden Frauen muss in dieser Situation rasch Hilfe geleistet werden“, schrieb Markurth.

Die Stadt erkläre sich daher ausdrücklich bereit, durch den Brand obdachlos gewordene Flüchtlinge aus Moria aufzunehmen. Auch kurzfristig stünden dafür Plätze zur Verfügung.

Auch Wolfsburg sei „jederzeit bereit“, Hilfe zu leisten, sagte Oberbürgermeister Klaus Mohrs (SPD) auf Anfrage. „Es muss Schluss sein mit dem Taktieren.“ Wer christliche Werte verfolge, müsse die Menschen jetzt aufnehmen, so Mohrs.

Kühnert: Deutschland muss erhebliches Kontingent aufnehmen

Salzgitters Oberbürgermeister Frank Klingebiel (CDU) war am Freitag nicht zu erreichen.

Etwa 400 minderjährige Flüchtlinge sollen nach Angaben von Bundeskanzlerin Merkel und Frankreichs Staatspräsident Macron aus dem Flüchtlingslager Moria in der EU aufgenommen und verteilt werden. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) konkretisierte die Zahl am Freitag und nannte für Deutschland bis zu 150 Flüchtlinge. Neben Deutschland wollen sich acht weitere EU-Staaten und die Schweiz beteiligen.

Juso-Chef Kevin Kühnert sind die 400 unbegleiteten Minderjährigen nicht genug. „Das kann nicht die Antwort auf das sein, was da vor unseren Augen passiert“, sagte der stellvertretende Parteichef am Donnerstagabend bei einer SPD-Veranstaltung in Salzgitter. Deutschland müsse einen „erheblichen Teil eines insgesamt weit größeren Kontingents aufnehmen“, forderte er.

Auch Hildesheim, Hannover und Göttingen wollen helfen

Die Bereitschaft ist vorhanden. Neben Braunschweig und Wolfsburg signalisierten alleine in Niedersachsen bereits Hannover, Göttingen und Oldenburg, Flüchtlinge aus Moria aufnehmen zu wollen. Bundesweit hatten sich schon im Frühsommer 64 Städte im Bündnis Sichere Häfen bereit erklärt, direkt zu helfen. Darunter sind auch Braunschweig, Wolfsburg, Hildesheim, Osnabrück und Oldenburg.

Wie ernst es Braunschweig nimmt, verdeutlichte auch Sozialdezernentin Christine Arbogast. Sie könne sich gut vorstellen, dass in den nächsten Tagen einige der jugendlichen Flüchtlinge aus Moria nach Braunschweig kommen. „Ich hoffe das. Die Bilder, die man von Lesbos sieht, sind unerträglich.“ Seit 2015 hat Braunschweig 700 Jugendliche aufgenommen, die ohne ihre Eltern geflüchtet sind.

Siemens und VW spenden zusammen fünf Millionen Euro als Soforthilfe für geflüchtete Menschen in Moria und in Griechenland.

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