Löwenmaul

„Es gibt nur einen großen Arzt – die Natur“

Eigentlich wollte Just Buchhändler werden, hatte aber seine Lehre krankheitsbedingt abbrechen müssen. Er litt an einer Nervenkrankheit.

„Kehrt zur Natur zurück“, diesen Leitsatz verkündete nach einer langen Nervenerkrankung der 1859 im hannoverschen Lüthorst geborene Adolf Just. Er gilt als einer der bedeutendsten naturkundlichen Laientherapeuten. Noch heute wirkt seine Tätigkeit nach mit dem Unternehmen Heilerde Gesellschaft „Luvos Just“, die er 1918 in Blankenburg gegründet hatte. Eigentlich wollte Just Buchhändler werden, hatte aber seine Lehre krankheitsbedingt abbrechen müssen. Er litt in jungen Jahren an einer Nervenkrankheit, von der ihn die Schulmedizin nicht heilen konnte.

Nach dem Studium aller seinerzeit erhältlichen Literatur über Naturheilkunde wie Louis Kuhne, Sebastian Kneipp u.a. behandelte er sich schließlich selbst. Dieses Vorgehen war erfolgreich und der als unheilbar geltende Kranke wurde gesund. In der Folgezeit beschäftigte sich Just aufgrund seiner Erfahrungen mit der Hilflosigkeit der traditionellen Medizin gegenüber seiner Krankheit seit 1892 intensiv im Selbststudium weiter mit naturheilkundlicher Literatur, studierte Heilverfahren und wurde dabei zum überzeugten Vegetarier. Just war geprägt von dem Leitsatz: „Es gibt nur einen großen Arzt – die Natur“.

1882 war Just als Gehilfe in der Braunschweiger Buchhandlung von Wilhelm Graff tätig. In deren Verlag veröffentlichte er sein erstes Buch, das allgemein große Beachtung fand: Der Originaltitel der ersten Auflage lautete „Kehrt zur Natur zurück! Die naturgemässe Lebensweise als einziges Mittel zur Heilung aller Krankheiten und Leiden des Leibes, des Geistes und der Seele. Das naturgemäße Bad, Licht und Luft in ihrer Anwendung im vollen Sinne der Natur, Die Erdkraft als wichtigstes Heilmittel der Natur. Naturgemässe Ernährung“. Dieses Werk mit dem dann verkürzten Titel „Kehrt zur Natur zurück !“ wurde in viele Sprachen übersetzt und hatte zahlreiche Auflagen erlebt. Mit seinem Rat von der natürlichen Ernährung verband Just eine ausschließliche Ernährung mit Obst, Beeren, Nüssen und Gemüse, ergänzt durch viel Bewegung und ausgedehnte Wanderungen. In seinem Buch notierte er dazu als grundlegende Erkenntnis: „Bei allen Krankheiten, bei akuten wie chronischen und auch bei Wunden ist körperliche und geistige Ruhe eine grosse Hauptsache, denn der Körper hat dabei alle seine Kräfte zum Heilen nötig.“

Von einem Waldbesitzer im „Pawelschen Holz“ in Braunschweig erhielt Just noch zuvor die Genehmigung, auf dessen Gelände eine sogenannte „Licht-Luft-Hütte“ nach dem Vorbild naturheilkundlicher Anstalten zu bauen, wo er überwiegend wohnte. Nach seinem Studium bedeutender Naturheilkundler begann Just öffentlich naturheilkundliche Kuren anzubieten, die von einer wachsenden Anhängerschaft in Anspruch genommen wurde, so dass die räumlichen Gegebenheiten in Braunschweig bald nicht mehr ausreichten. Daraufhin erwarb er im September 1895 das Gasthaus Eckerkrug im Harz, das er zu einer Naturheilanstalt, den „Jungborn“ ausbaute, die im Sommer 1896 eröffnet wurde und Vorbild für weitere Naturheilanstalten wie etwa in Indien und Amerika wurde. Nachhaltig bekannt wurde Just aber vor allem durch eine eigene Entdeckung, und zwar der Erde als natürlichem Heilmittel. Davon ist Folgendes überliefert: „Noch in seiner Braunschweiger Zeit hatte Just bei einem Besucher in seiner Lufthütte beobachtet, wie dieser von seinem Strohsack gerollt war und den Rest der Nacht unmittelbar auf der Erde verbracht hatte. Gleichwohl wirkte er am nächsten Morgen ausgeruht und wunderbar erfrischt. Für Just war dies der Beweis für eine besondere Heilkraft der Erde. Er beschloss, auch selbst zukünftig nur noch auf dem Boden zu schlafen. Als ‚Grunderde‘ identifizierte Adolf Just den Lehm, der nach seiner Ansicht vorrangig als Heilmittel anzuwenden sei“.

Die Naturheilanstalt „Jungborn“ hatte bis zum Zweiten Weltkrieg mehr als 30.000 Kurgäste betreut, darunter viele Prominente wie Marika Rökk, Hans Albers oder auch 1912 Franz Kafka, der seine Eindrücke aus der Zeit literarisch verarbeitete. 1918 gründete Just in Blankenburg eine Heilerde-Gesellschaft und produzierte und vertrieb die „Adolf Justs Luvos – Heilerde“ sehr erfolgreich. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wechselte die Firma „Luvos Heilerde“ nach Hessen, wo noch heute mit weltweitem Absatz produziert wird.

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