Braunschweiger Polizei beschlagnahmt Tuning-Fahrzeuge

Braunschweig.  Tiefer, lauter, breiter: Die Tuning-Szene wächst. Doch manche verstoßen dabei gegen Gesetze. Freitag fand eine Schwerpunkt-Kontrolle statt.

Bei einer großangelegten Kontrollaktion der Polizeidirektion Braunschweig überprüften Beamte aus der ganzen Region am Freitag 77 Fahrzeuge im Stadtgebiet Braunschweig. Dieser weiße Mercedes und vier weitere Fahrzeuge wurden beschlagnahmt.

Bei einer großangelegten Kontrollaktion der Polizeidirektion Braunschweig überprüften Beamte aus der ganzen Region am Freitag 77 Fahrzeuge im Stadtgebiet Braunschweig. Dieser weiße Mercedes und vier weitere Fahrzeuge wurden beschlagnahmt.

Foto: Stefan Lohmann

„Die Abgasanlage Ihres Wagens ist deutlich zu laut. Am besten rufen Sie jemanden an, der Sie hier abholen kann. Wir werden den Wagen beschlagnahmen“, sagt Einsatzleiter Christoph Hochmuth. Sein Kollege ruft derweil den Abschleppdienst an. 77 getunte Fahrzeuge hat die Polizei am Freitagabend im Stadtgebiet Braunschweig überprüft. Fünf Wagen wurden aus dem Verkehr gezogen.

Um 18 Uhr hatten sich 13 Beamte aus der gesamten Region im Polizeikommissariat Mitte in der Münzstraße eingefunden. „Bohlweg, Steinweg, Wolfenbütteler Straße – wir kontrollieren in der gesamten Innenstadt, jedes Team für sich. Bitte den Szenetreff vorerst meiden“, lautet die Ansage von Polizeikommissar Hochmuth.

Waschanlage in der Gartenstadt hat sich zum Treffpunkt der Tuning-Szene entwickelt

Die Waschanlage an der Alten Frankfurter Straße, die sich zu einem Treff der Tuning-Szene aus der ganzen Region entwickelt hat, wollen die Polizisten erst später am Abend mit mehreren Einsatzfahrzeugen einen Besuch abstatten. Zuvor wird mobil kontrolliert. „Stationäre Kontrollen sprechen sich innerhalb von Minuten in der Szene rum. Die meiden dann den Bereich“, erklärt Hochmuth. Bei der letzten Schwerpunkt-Kontrolle vor einigen Wochen, sagt der junge Beamte, da wären sie kaum an der Waschanlage angekommen, als schon das erste Video vom Einsatz bei Facebook gepostet wurde: „Da hatten wir mit der Kontrolle noch gar nicht begonnen.“

Die Beamten schwärmen aus. Mehrere Zivilfahrzeuge sind im Einsatz, um nicht gleich aufzufallen. Hochmuth und sein Kollege haben ein Geräuschpegel-Messgerät an Bord. Damit kann überprüft werden, wie laut ein Wagen röhrt. Etliche Male kommt das Gerät an diesem Abend zum Einsatz. Es ist kalibriert, jedoch nicht geeicht. „Die Messergebnisse hätten vor Gericht keinen Bestand, man kann damit aber gut einschätzen, ob an der Abgasanlage manipuliert wurde oder nicht“, sagt Hochmuth. Wagen, die über dem zugelassenen Dezibel-Wert liegen, werden beschlagnahmt.

Ein Sachverständiger wird die beschlagnahmten Wagen untersuchen

In der Jasperallee erzielt ein BMW an diesem Abend bis zu 102 Dezibel. Erlaubt wären bei diesem Modell lediglich 79 Dezibel. Der Fahrzeughalter, ein junger Mann, ist geschockt, als er erfährt, dass der Wagen sofort aus dem Verkehr gezogen wird. Ein Sachverständiger wird das Auto in den kommenden Tagen untersuchen und genaue Messwerte ermitteln. Diese hätten dann auch vor Gericht Bestand.

Der junge Mann wird blass – er ahnt, dass das teuer wird. „Wieviel ungefähr?“, will er von den Beamten wissen. „Mit Bußgeld, Abschleppdienst und Gutachten etwa tausend Euro“, schätzt einer. Der Tuning-Fahrer ist geschockt, schüttelt verständnislos den Kopf. „Da musst Du jetzt durch. Das schaffen wir“, muntert seine Freundin ihn auf. Zu Fuß gehen sie später nach Hause, als der Wagen abgeschleppt ist. Sollte sich der Verdacht bestätigen, muss er die Mängel sofort beseitigen und bei der Zulassungsstelle vorstellig werden. Das bedeutet weitere Kosten.

Beschwerden von Anwohnern über Lärmbelästigung haben zugenommen

Christoph Hochmuth sagt, die meisten Halter seien verständig und hätten ein Einsehen. Die Beschwerden von Anwohnern in der Innenstadt über laut dröhnende Fahrzeuge und aufheulende Motoren haben deutlich zugenommen. Besonders am Freitag- und Samstagabend drehen die getunten Fahrzeuge ihre Runden durch die Stadt und stören massiv die Nachtruhe. Die meisten von ihnen halten sich beim Aufpimpen ihrer Wagen an die geltenden Gesetze. Doch es sind genug dabei, die gegen die Regeln verstoßen, die aus gutem Grund keine Betriebserlaubnis für ihren Wagen haben. In den vergangenen drei Jahren hat die Polizei in Braunschweig 38 getunte Fahrzeuge beschlagnahmt.

Christoph Hochmuth hat ein gutes Auge für getunte Fahrzeuge. Tuning, das ist auch seine Leidenschaft. Bestens kennt er sich aus, weiß ziemlich genau, welches Modell wie genau serienmäßig ausgerüstet ist und wo nachgerüstet wurde und was erlaubt ist. Er hat schon einige seiner Kollegen in diesem Bereich geschult. „Tuning ist eigentlich ein schönes Hobby. Aber man muss sich natürlich an die Gesetze halten. Manche übertreiben es“, sagt er und erklärt, dass die gesetzlichen Vorgaben in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern streng seien. Es geht nicht nur um Lärmbelästigung und Bußgelder: Ab 100 Dezibel über einen gewissen Zeitraum, da spricht man vom Tatbestand der Körperverletzung.

Um 1 Uhr wird der Einsatz beendet. 77 Fahrzeuge wurden kontrolliert, 15 davon beanstandet. Neun Verwarnungen wurden ausgesprochen, in sechs Fällen Bußgelder verhängt. Fünf Autos wurden sichergestellt. An der Waschanlage in der Gartenstadt wurden 45 Platzverweise ausgesprochen.

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