Fall Maddie: Reporter horcht Zeugen unter falschem Namen aus

Braunschweig.  Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft kritisiert: Unseriöses Vorgehen kann die Ermittlungen gefährden.

2007 verschwand  Madeleine McCann (Maddie) spurlos aus einer Ferienanlage in Portugal, Jetzt ermittelt die Braunschweiger Staatsanwaltschaft gegen eine 43-Jahre alten Verdächtigen, der zur Tatzeit in dem Ferienort an der Algarve lebte und seinen letzten Wohnsitz in Braunschweig hatte.

2007 verschwand Madeleine McCann (Maddie) spurlos aus einer Ferienanlage in Portugal, Jetzt ermittelt die Braunschweiger Staatsanwaltschaft gegen eine 43-Jahre alten Verdächtigen, der zur Tatzeit in dem Ferienort an der Algarve lebte und seinen letzten Wohnsitz in Braunschweig hatte.

Foto: Lusa Forra / dpa

Im Fall der 2007 in Portugal verschwundenen Maddie McCann soll ein Reporter versucht haben, unter falscher Identität einen wichtigen Belastungszeugen auszuhorchen. Dazu soll er den Facebook-Account eines Bekannten des Zeugen genutzt haben. Dieser Bekannte gehört ebenfalls zum Zeugenkreis bei den Mord-Ermittlungen gegen den 43 Jahre alten Verdächtigen, der seinen letzten Wohnsitz in Braunschweig hatte. Der Anfang Juni durch die Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ bekannt gewordene Verdacht gegen den auch wegen Sexualdelikten vorbestraften Mann hat ein internationales Medienecho ausgelöst.

Staatsanwalt: „Wir müssen Zeugen schützen“

Doch hat das große öffentliche Interesse aus Sicht der Braunschweiger Staatsanwaltschaft auch eine Kehrseite: „Wir müssen Zeugen vor moralisch und rechtlich bedenklich vorgehenden Journalisten schützen“, erklärte Behördensprecher Christian Wolters am Freitag gegenüber unserer Zeitung. „Anlässlich dieses unschönen Einzelfalls werden wir noch genauer prüfen müssen, ob und, wenn ja, welche Informationen wir an die Presse herausgegeben können.“

Keine Einzelheiten zu Grabungen in Kleingarten

Auch mit Blick auf die Grabungen in einem Kleingarten in Hannover, in dem sich der Verdächtige längere Zeit aufgehalten hatte, hält sich die Staatsanwaltschaft bedeckt. „Einzelheiten zu unseren Ermittlungen werden wir aktuell nicht bekanntgeben.“ Bis die Behörde mit belastbaren Ermittlungsergebnissen an die Öffentlichkeit treten werde, „wird es sicher noch einige Monate dauern“.

Reporter nutzte fremden Facebook-Account

Wolters zufolge hatte sich der betroffene Zeuge an die Ermittlungsbehörden gewandt: Er sei von dem Journalisten zunächst unter Klarnamen kontaktiert worden, habe aber abgelehnt, mit ihm zu sprechen. Daraufhin soll der Reporter den Facebook-Account eines Bekannten des Zeugen genutzt und sich als Inhaber des Accounts ausgegeben haben. „Wie er in den Besitz dieses Accounts gekommen ist, wissen wir noch nicht“, so Wolters weiter.

Der Fall Maddie McCann
Der Fall Maddie McCann

„Bewusste Lügen und Unterstellungen“

Durch bewusste Lügen und Unterstellungen im Facebook-Chat mit dem Zeugen habe der Journalist versucht, ihm Aussagen zum Fall Maddie McCann zu entlocken. „Der Zeuge wurde also nicht nur über die Identität seines Chatpartners getäuscht, es wurde auch das Verhältnis zwischen dem vermeintlichen Bekannten und dem Zeugen ausgenutzt.“ Der Reporter habe ihm suggeriert, angebliche Aussage-Absprachen nicht eingehalten zu haben – „offenbar um diesen so zum Widerruf bisheriger Angaben zu bringen“.

Zeuge fühlte sich unter Druck gesetzt

Die Recherche-Methode dieses Journalisten bringe nicht nur mehrheitlich seriös arbeitenden Journalisten in Verruf, kritisiert Wolters. „Entscheidend ist, dass dies bei dem Zeugen zu einer hohen Unsicherheit und dem beklemmenden Gefühl geführt hat, unter Druck gesetzt zu werden.“ Zwar sei der Zeuge schnell misstrauisch geworden und habe den Journalisten enttarnt. „Dennoch ist diese Erfahrung für ihn eine große Belastung,

Der Staatsanwaltschaft hat die Kommunikation per Facebook-Chat vorliegen. „Es ist sehr gut nachzuvollziehen, dass sich der Zeuge in seiner Haut nicht wohlfühlt.“ Ein solches Vorgehen beunruhige auch die Staatsanwaltschaft. Zumal es Einfluss auf Zeugen nehmen und die Ermittlungen der Strafverfolger erschweren könne.

Keine Straftat

Strafbar hat sich der Reporter laut Wolters nicht gemacht. Ermittlern der Polizei und Staatsanwaltschaft dagegen wäre eine solche Vorgehensweise verboten. Die Folge: Durch gezielte Täuschung erlangte Informationen dürften vor Gericht nicht als Beweise verwertet werden.

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