Ministerbesuch in Braunschweigs Wildbienen-Paradies

Braunschweig.  Olaf Lies informiert sich über die von den Vereinten Nationen ausgezeichnete Anlage auf dem Städtischen Friedhof.

Umwelt-Dezernent Holger Herlitschke (links) und Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies besuchten die Blühfläche auf dem Städtischen Friedhof.

Umwelt-Dezernent Holger Herlitschke (links) und Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies besuchten die Blühfläche auf dem Städtischen Friedhof.

Foto: STACHURA / JS

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies ist auf Sommerreise. Welche ökologischen Glanzstücke hat das Land? In Braunschweig ist es der von den Vereinten Nationen ausgezeichnete Blühstreifen auf dem Städtischen Friedhof.

Erst vor wenigen Wochen wurde die Auszeichnung für die Anlage übergeben. Seit zwei Jahren wird unweit der Feierhalle III erprobt, ob sich Friedhöfe als Wildbienen-Paradiese eignen? Unter finanziellen Aspekten auf jeden Fall, so Braunschweigs Umwelt-Dezernent Holger Herlitschke. Denn wo Wildblumen wachsen, wächst schließlich kein Rasen, der ständig gemäht werden will.

Doch das ist nur ein Aspekt. Die nur 400 Quadratmeter große Wildblumen-Wiese bricht mit dem Gewohnten. Herlitschke: „Die anfänglichen Beschwerden über einen ungepflegten Teil des Städtischen Friedhofs sind mittlerweile drastisch zurückgegangen.“ Was aber auch damit zusammenhänge, „dass wir die Gärtner geschulte haben, damit sie Fragen der Besucher beantworten können und Missverständnisse ausräumen“. Die Erfahrungen seien so positiv, dass die Grünflächenverwaltung demnächst damit beginnen werde, Blühstreifen auch auf den Ortsteil-Friedhöfen in Rautheim, Lamme und Wenden anzulegen.

Zusätzliche Blühstreifen in den Ortsteilen

Der Anspruch, „Wildbienen-Hauptstadt“ zu sein, soll in Braunschweig gelebt werden. Ziel: Eine Vernetzung von Flächen, um vom Aussterben bedrohte Bienen zu retten und Braunschweigs Artenvielfalt zu erhalten. Ein weiterer Blühstreifen in der Größe von 500 Quadratmeter kam jüngst entlang des Brodwegs hinzu. Im August werden weitere 250 Quadratmeter angelegt.

Wildbienen-Experte Jakob Grabow-Klucken sagt dazu: „Insgesamt wurden dann mehr als 1000 Quadratmeter angelegt. Das hört sich gewaltig an. Tatsächlich ist dies nur ein Prozent der Gesamtfläche des Hauptfriedhofs.“ Mehr Flächen werden benötigt, so der Experte: „Hummeln können zwar bis zu zwei Kilometer weit fliegen. Andere Wildbienen jedoch nur 50 bis 100 Meter.“

Wildblumen-Mischung ist ständig ausverkauft

Die Stadt wolle beispielgebend sein, sagt Herlitschke. Eine Wildblumen-Mischung, die mit Unterstützung von Wissenschaftlern der TU und des Julius-Kühn-Instituts entwickelt und speziell auf den Boden des Stadtgebiets abgestimmt wurde, finde mittlerweile reißenden Absatz in der Bürgerschaft. Das sei zwar gut, aber: „Die Mischung ist in der Touristinfo ständig ausverkauft. Das müssen wir ändern.“ Mit der riesigen Nachfrage sei nicht gerechnet worden. Es werde bereits nach einer Lösung gesucht.

Kontrapunkt zu Schottergärten

Herlitschke verwies zudem auf einen gesellschaftlichen Wandel: Die verbotenen Schottergärten auf der einen Seite. Auf der anderen Seite der „Kontrapunkt“ aus der Bürgerschaft, die immer häufiger private Blühstreifen anlege.

Ein Wandel, den auch der Umweltminister beobachtet. Er empfahl: „Schauen Sie sich mal 20 Jahre alte Fotos von Vorgarten-Wettbewerben an. Das waren bis ins letzte Detail durchgeplante Wohlstandsgärten.“ Diese Gärten mit ihren Schmuckpflanzen seien längst kein Ideal mehr. Er wünsche sich, dass mehr Bürger Mut zur Veränderung zeigen. Den Mut, den die Stadt Braunschweig im Jahr 2018 hatte, als sie das Vorhaben vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) unterstützte und eine Fläche des Städtischen Friedhofs für einen Blühstreifen zur Verfügung stellte: „Es mag sein, dass die Wildblumen nicht immer schön aussehen. Aber sie sorgen für einen Lebensraum für Wildbienen, der immer gleich wertvoll bleibt.“

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