Braunschweigs Immobilienpreise steigen noch schneller

Braunschweig.  Gutachterausschuss: Die Corona-Pandemie bremst die Kauflust nicht. Acht Häuser, die mehr als eine Million Euro kosteten, wechselten den Besitzer.

Das Baugebiet Stöckheim gehört zu den großen Baugebieten Braunschweigs. Dort entstehen Ein- und Mehrfamilienhäuser.

Das Baugebiet Stöckheim gehört zu den großen Baugebieten Braunschweigs. Dort entstehen Ein- und Mehrfamilienhäuser.

Foto: Jörn STACHURA / JS

Nein, die Corona-Pandemie hat Braunschweigs Immobilienmarkt nicht zum Erliegen gebracht. Im Gegenteil. Der Markt boomt weiter. Neue Zahlen zeigen: Die Preise sind unerwartet stark gestiegen.

Der Gutachterausschuss wertet dazu im Auftrag des Landes Niedersachsen notariell beglaubigte Kaufverträge aus. Höchst verlässliche Zahlen entstehen so. Die Besonderheit der Auswertung: Es werden Mittelwerte errechnet. Das heißt: Die Angaben befinden sich genau in der Mitte der Kaufsummen. Die Hälfte der Verträge wurden mit einer geringeren, die andere Hälfte mit einer höheren Kaufsumme abgeschlossen. Die neue Vorsitzende des Ausschusses, Andrea Weber-Suilmann, sagt dazu: „So ist ausgeschlossen, dass Ausreißer nach unten oder oben das Ergebnis unverhältnismäßig stark beeinflussen.“

Acht Häuser, die mehr als eine Million Euro kosteten, wechselten den Besitzer

Die Zwischenbilanz 2020 beleuchtet den Zeitraum zwischen November 2019 und April 2020. Fazit: Ein großartiges Halbjahr für die Branche: Innerhalb des Stadtgebiets wechselten Immobilien im Wert von 669 Millionen Euro den Besitzer. Das beste Halbjahres-Ergebnis seit fünf Jahren. Ein Zuwachs von mehr als 50 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Der Grund, so Gutachterin Jutta Berning: „Die Zahl der Kaufverträge ging ganz leicht zurück. Es wurden also sehr teure Immobilien gehandelt. Zum Beispiel: Acht Häuser, die mehr als eine Million Euro kosteten, wechselten den Besitzer.“

Grundstücksmarkt: Preise stiegen um mehr als 20 Prozent

Realität heute im Stadtgebiet sei, so Berning: „Unter 200 Euro ist nichts zu machen. 205 Euro markiert mittlerweile das Minimum. Der Höchstpreis lag bei 900 Euro je Quadratmeter. Das war übrigens ein großes Grundstück.“

Dass die Preise um mehr als 20 Prozent stiegen, dafür ist nach Meinung der Gutachterinnen die schlechte Verfügbarkeit von Bauland verantwortlich. Berning: „Es handelt sich überwiegend um Baulücken, die geschlossen werden. Land ist dort grundsätzlich teurer als in Neubaugebieten.“

Die Reaktion der Käufer, so Weber-Suilmann: „Es werden kleinere Grundstücke gekauft. Die Größe sank von 611 auf 550 Quadratmeter.“

Der Markt für Reihenhäuser und Doppelhaushälften

Auch hier erfolgte ein Preisanstieg im zweistelligen Bereich. Reihenhäuser und Doppelhaushälften galten lange als Kompromiss. Diese Zeiten seien vorbei, berichtet Weber-Suilmann: „Die Verfügbarkeit ist hoch. Außerdem sind sie ein günstiger Einstieg ins Eigenheim-Segment.“ Mitunter relativiere sich das allerdings: „Die teuerste Doppelhaushälfte kostete etwa 700.000 Euro. Viele Käufer investieren außerdem enorme Summe in die Sanierung.“

Der Markt für Ein- und Zweifamilienheime

Drei Jahre stagnierten die Preise. Nun zogen die Quadratmeterpreise um 15 Prozent an. „Die Käufer waren außerdem bereit, tiefer in die Tasche zu greifen als im Vorjahr“, berichtet die Ausschuss-Vorsitzende. „Der Gesamtpreis lag um 9 Prozent über dem des Vorjahres.“

Schnäppchen gebe es zwar. In der Südstadt wurde ein Haus für 140.000 Euro verkauft. Im Zuckerberg jedoch auch eins für 1,4 Millionen Euro. Zuckerberg und Wallring bleiben Braunschweigs teuerste Lagen.

Der Markt für Eigentumswohnungen

Auch hier eine Steigerung um mehr als 10 Prozent im Weiterverkauf. Wer eine neue Wohnung kauft, muss im Mittel mit 3710 Euro je Quadratmeter rechnen. In der Spitze werden 5500 Euro gezahlt. Berning sagt dazu: „Weil es auch viele kleine Wohnungen gibt, dienen sie oft als Wertanlage.“ Aber nicht nur: „Es wurden zwölf Wohnungen gekauft, darunter auch einige in Altbauten, die mehr als 500.000 Euro kosteten.“

Die Corona-Folgen

Weber-Suilmann sagt: „Es ist nicht nur die Pandemie, die für Verunsicherung sorgt. Auch die Frage, wie die Elektromobilität unsere Zukunft verändert, berührt die Menschen. Doch der Immobilienmarkt blieb davon völlig unberührt. Im Gegenteil. Im März wurde die höchste Zahl von Kaufverträgen abgeschlossen.“ Sie meint darum: „Offenbar sorgten Homeoffice und Kurzarbeit dafür, dass Kaufpläne reiften. Die Entwicklung im Mai und Juni war völlig unauffällig.“

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