Heimatpflegerin in der Schunteraue plant Führungen für Kinder

Braunschweig.  Heidemarie Wolf-Schneefuß lebt seit 37 Jahren in dem Stadtteil. Sie war einst Lehrerin, später Hauswirtschafterin – und hat jetzt noch viel vor.

Heidemarie Wolfs-Schneefuß, Heimatpflegerin für den Stadtbezirk Schunteraue.

Heidemarie Wolfs-Schneefuß, Heimatpflegerin für den Stadtbezirk Schunteraue.

Foto: Karsten Mentasti

Diese Gelegenheit zur Dokumentation hat sich Heidemarie Wolf-Schneefuß entgehen lassen. „Da habe ich nicht geschaltet“, sagt sie – und ärgert sich nun ein bisschen. Die 71-Jährige ist Stadtteil-Heimatpflegerin für den Bezirk Schunteraue und seit November 2018 im Amt. Im Bezirk ist die studierte Realschullehrerin, die aber nach dem zweiten Staatsexamen nicht in dem Beruf gearbeitet, sondern ihre drei Kinder großgezogen hat, gut bekannt und vernetzt. Sie ist dort seit 37 Jahren ansässig.

Am 10. Mai hatte es nach der Corona-Pause wieder eine Andacht in der Dankeskirche gegeben, und weil laut Quartalsprogramm einerseits eine Feier mit Gesang und Bläsern angesetzt war, andererseits mehr Gläubige gekommen waren, als die Kirche wegen der Abstandsregeln in der Corona-Zeit fasst, wurde der Gottesdienst spontan nach draußen verlegt. „Wir saßen auf Stühlen vor der Kirche und zwischen den Autos am Tostmannplatz, haben der Pfarrerin zugehört und konnten im Freien auch singen – ein unvergessliches Erlebnis“, sagt die Heimatpflegerin.

Wer hat Fotos gemacht?

Bei diesem emotionalen Ereignis hätte Wolf-Schneefuß im Nachhinein doch gern ein paar Fotos gemacht. Aber vielleicht hat ja ein anderer Besucher das Freiluft-Ereignis geknipst und kann aushelfen. In „ihrem“ Bezirk, der aus den Stadtteilen Schuntersiedlung mit Michelfelder-Siedlung und Kralenriede mit Sandwüste und Bastholzsiedlung besteht, hat sie vor anderthalb Jahren Helmut Meyer abgelöst, der sein Amt aus Altersgründen nach mehr als 35 Jahren abgegeben hatte.

Sie habe bestimmt ein Vierteljahr mit sich gerungen, ob sie sich dieser Aufgabe widmen solle. Ihren Vorgänger bezeichnet sie respektvoll als „klassischen, akribischen Heimatpfleger“, der ihr den Einstieg in das Ehrenamt durch Begleitung sehr erleichtert habe. „Führungen mit Publikum“, wie Meyer sie wohl aus dem Ärmel geschüttelt hätte, „traue ich mir noch nicht zu.“ Sie arbeite sich noch in die Stadtteilgeschichte ein, doch im Gespräch zeigt sich, dass die politisch und geschichtlich bewanderte Heimatpflegerin schon eine Menge über die Schunteraue zu erzählen hat.

Spannender Fund in der Sandwüste

Die Dokumentation aktueller Ereignisse und Veränderungen im Stadtteil gehören zu ihren Aufgaben. Wie etwa in der Schuntersiedlung, wo die Braunschweiger Baugenossenschaft gerade einige Häuser neu baut, „aber sich sehr am Charakter der historischen Siedlung orientiert“, meint Wolf-Schneefuß anerkennend. Auch im Stadtteil Sandwüste an der Ecke Parnitzweg/Wartheweg wird privat gerade neu gebaut. Beim Ausschachten des Kellers wurde ein Projektil mit der Aufschrift 1914 entdeckt – „die Sandwüste war früher militärisches Gelände mit Schießplatz“, berichtet die Heimatpflegerin. Solche Funde sind für Geschichtsinteressierte natürlich immer höchst interessant.

Auch die Veränderungen in der Schunteraue, wo eine neue Brücke entsteht, aber auch Bäume gefällt wurden, begleitet sie fotografisch – „bisher mit dem Smartphone, aber ich muss mir dringend eine gute Kamera zulegen“, hat sich Wolf-Schneefuß vorgenommen.

Überzeugt, sich für das Amt zu interessieren und es schließlich zu übernehmen, hat sie der Vorsitzende des Kultur- und Heimatpflegevereins, Horst Steinert. „Er hat immer wieder gebohrt“, sagt die frühere Lehrerin, die während ihrer Zeit als Hausfrau und Mutter einen Gesellenbrief als Hauswirtschafterin erworben und im eigenen Haushalt Auszubildende angeleitet hat. Sie setzt sich noch immer dafür ein, dass die Tätigkeit als Hausfrau als Beruf angesehen und entlohnt wird, „durch ein Grundeinkommen wäre das möglich“, meint sie nebenbei.

Lehrer Schädlich hat sie geprägt

Dass die Heimatpflegerin sehr im Stadtbezirk verwurzelt ist, ist ein großer Vorteil für ihre neue Tätigkeit. Sie war im Kirchenvorstand, singt im Kirchenchor, kennt den Sportverein und die Einrichtungen für Kinder aus der Zeit, in der sie ihren Nachwuchs großgezogen hat.

Aufgewachsen ist Heidemarie Wolf-Schneefuß in Leiferde bei Gifhorn („Ich war in meiner Volksschulklasse das einzige Kind von Flüchtlingseltern“), machte ihr Abitur als eines der ersten Mädchen auf dem Gymnasium in Gifhorn. 1970 ging sie nach Braunschweig, studierte Germanistik und Anglistik auf Realschul-Lehramt. Als ihre Kinder größer waren, unterrichtete sie bei der Oskar-Kämmer-Schule junge Erwachsene, baute Bildungsstätten in der Region Hannover und in Walsrode auf und leitete sie.

Die Liebe zur Heimatkunde „hat schon in der Volksschulzeit der Lehrer Schädlich geweckt – das war eine prägende Zeit“, sagt Heidemarie Wolf-Schneefuß. Die ersten Führungen möchte sie daher gern mit Kita- oder Schulkindern unternehmen und „möchte ihnen die Stadtteilgeschichte mit kleinen Ausflügen näherbringen, damit sie einen Eindruck erhalten, was unter ,Heimat’ überhaupt zu verstehen ist“.

Die Heimatpflegerin ist per Mail über zu erreichen.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder