„Kirmes to go“ in Braunschweig – Rummel in Corona-Zeiten

Braunschweig.  Auf dem Messegelände wurde am Mittwoch eine Rummel-Meile eröffnet. Man kann sie auch mit dem Auto besuchen und wird durchs Seitenfenster bedient.

Thomas Bronswyk (links) und Carlo Beinhorn laden zur Rummel-Meile „Kirmes to go“ ein.

Thomas Bronswyk (links) und Carlo Beinhorn laden zur Rummel-Meile „Kirmes to go“ ein.

Foto: Norbert Jonscher

Thomas Bronswyk, Carlo Beinhorn, Klaus Dannehl und all die anderen Schausteller strahlten. Sie sind am Mittwoch aus einem mehr als zweimonatigen Corona-Schlaf erwacht. Es rummelt wieder. Auf dem Messegelände hat die „Kirmes to go“ begonnen, eine Mini-Frühjahrsmesse mit Budenzeile, die man sogar mit dem eigenen Auto besuchen kann.

„Man kurbelt die Scheibe runter, gibt die Bestellung auf und schon hat man, was man möchte“, sagt Schausteller Thomas Bronswyk. Ideal bei Regenwetter sei das, findet er. Kirmes to go – eine völlig neue Rummel-Idee, die da vom Deutschen Schaustellerverband ausgeklügelt wurde, um allen Seiten gerecht zu werden. Da sind zum einen die Schausteller, die eine lange Durststrecke hinter sich haben. Viele haben seit dem Ende des Braunschweiger Weihnachtsmarktes keinen Euro mehr gesehen – und das belastet nicht nur den Geldbeutel. „Wir alle leben für den Rummel. Ich bin froh, dass es endlich wieder losgeht und ich arbeiten kann“, freut sich eine Schaustellerin.

Auf der anderen Seite: die Corona-Reglementierungen, die beachtet werden möchten. Sie wurden mit dem Ordnungsamt der Stadt Braunschweig abgestimmt, im Eiltempo, damit es bis Himmelfahrt losgehen kann. „Im Prinzip ist es hier so, wie man es kennt: Abstand halten, kein Verzehr direkt an den Ständen“, sagt Carlo Beinhorn. Damit niemand im Stehen seine Schmalzkuchen verzehren muss, seine gebrannten Mandeln, Fischbrötchen oder Zuckerwatte, haben die Schausteller eine sogenannte „Ruhezone“ aufgebaut: Sitzbänke für jedermann, auf denen auch vorbeikommende Radfahrer ein Päuschen einlegen können, um ihre Butterbrote zu verzehren.

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Die Nachricht „Es rummelt wieder“ hat sich schnell herum gesprochen in der Stadt. Gleich zum Auftakt am Mittag kamen die ersten Besucher, die kaum weniger strahlten als die Schausteller. Förmlich „ausgehungert“ waren sie nach so langem Corona-Lockdown. Es rummelt wieder – und das ist ein weiteres Stück in der „neuen“ Realität, in der wir alle leben.

Täglich von 12 bis 21 Uhr ist die „Kirmes“ zunächst bis zum 7. Juni geöffnet. Bei Erfolg der Veranstaltung sei eine Verlängerung angedacht, so Thomas Bronswyk, der wie alle anderen damit leben muss, dass Großveranstaltungen bis Ende August untersagt sind. Und dann? Rechnen alle ganz fest mit der Oktobermesse und später dem Weihnachtsmarkt, der die Corona-Wunden heilen soll. Bis dahin heißt es durchhalten.

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Bronswyk versucht mit seinem Schaustellerverband zurzeit in mehreren Städten in der Region Konzepte zu erarbeiten und umzusetzen, um irgendwie in der Corona-Krise tätig werden zu können. „Wir versuchen unseren Vereinsmitgliedern irgendwie auch ihren Lebensunterhalt zu ermöglichen. Wir brauchen Hilfe, das ist klar. Es ist aber nicht nur auf der finanziellen Ebene schlimm für uns. Wir machen das, was wir tun ja auch, weil es Spaß macht“, so der stellvertretende Vorsitzende des Schaustellerverbandes.

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