Braunschweiger Rat stoppt Planung für Neubau der Sidonienbrücke

Braunschweig.  Wie breit die Brücke über die Oker wird, darüber soll im Juli neu entschieden werden.

Die Sidonienbrücke ist eine wichtige Okerbrücke, die die Innenstadt mit dem Westlichen Ringgebiet verbindet. Nur Fußgänger und Radfahrer können sie benutzen.  

Die Sidonienbrücke ist eine wichtige Okerbrücke, die die Innenstadt mit dem Westlichen Ringgebiet verbindet. Nur Fußgänger und Radfahrer können sie benutzen.  

Foto: STACHURA

Überraschung im Rat: Mit knapper Mehrheit haben SPD, Grüne, BIBS, Linke und der Ratsherr der Piraten den Bau der Sidonienbrücke in Braunschweig gestoppt. Nun soll neu darüber beraten werden, ob die Stadtverwaltung tatsächlich einen Brückenneubau plant, der schon alle Interessen der Bürger berücksichtigt, oder ob Optimierungen nötig sind.

Der Grund für den Planungsstopp war banal: Die SPD kritisierte, dass die Umplanung der ursprünglichen Brückenplanung eine Neudiskussion nötig mache. Tatsächlich hatte die Stadtverwaltung am 4. Mai neue Pläne für die Sidonienbrücke vorgelegt. Inhalt: Der Neubau sollte nicht schmaler als die marode Bestandsbrücke werden. Stattdessen soll die neue Sidonienbrücke so breit wie die alte Brücke werden.

Die Nachbesserung geriet jedoch ebenfalls schnell in die Kritik: Denn eine Breite von 4,60 Metern ist nicht ausreichend, um separate Rad- und Fußwege anzulegen. Darauf dringen die Radfahr- und Umweltverbände Braunschweigs. Einen Mischverkehr von Radfahrern und Fußgängern auf der Brücke lehnen sie strikt ab. Sechs Meter, so ein erster Vorschlag, soll die Brücke breit werden. Zusatzkosten von 350.000 Euro würden entstehen.

Die Verwaltungsspitze inklusive Oberbürgermeister Ulrich Markurth ist strikt dagegen. Denn wer über die breite Sidonienbrücke fährt, landet automatisch in einem Flaschenhals. Richtung Innenstadt führt der Weg nur noch über schmale Wege und kreuzt sogar den Eingangsbereich eines Seniorenheims. Dort muss die Geschwindigkeit in jedem Fall gedrosselt werden.

Die Grünen, die eine Neudebatte samt Ortstermin verlangen, machten jedoch deutlich, so der planungspolitische Sprecher Rainer Mühlnickel: „Braunschweig braucht eine Entscheidung, die transparent und nachhaltig ist. Wenn ein hohes Nutzeraufkommen auf der Brücke vorhanden ist, dann muss auch nutzerfreundlich gebaut werden.“ Bedarfsgerecht hieße für seinen Fraktion: Radfahrer und Fußgänger erhalten ausreichend Platz. „Eine Lösung darf in keinem Fall zu Lasten der Fußgänger gehen.“

Begleitet wurde die Debatte von spitzfindigen Interpretationen dessen, wozu Experten raten. Äußerst kränkend für die Verwaltung war, dass sie von Teilen der Fahrradverbände und der Politik nicht mehr als Experten betrachtet werden. Wenige Stunden vor der Ratssitzung veröffentlichte die Stadtverwaltung eine Mitteilung an den Rat. Inhalt: Wollte man streng nach Expertenmeinung bauen, müsse die neue Sidonienbrücke 8,50 Meter breit werden. Dafür fehle der Platz. Auch der Denkmalschutz am Hohetorwall, wo die Brücke endet, müsse berücksichtigt werden. Nun soll Mitte Juli neu entschieden werden.

Oberbürgermeister Markurth warnte im Rat davor, „einen Brückenpopanz zu bauen“. Über die Sidonienbrücke werde man niemals schnell, sondern nur langsam in die Innenstadt kommen. Als Alternativroute plant die Verwaltung, Radfahrer über die Brücke Madamenweg zu führen.

Diese Idee stößt allerdings bei Radfahrverbänden wie dem ADFC auf wenig Gegenliebe. Die Fahrbahn der Madamenweg-Brücke ist nur 6,70 Meter breit und wird von vier Buslinien genutzt. ADFC-Vorsitzende Susanne Schroth meinte in einer ersten Reaktion: „Die Pause ist auf jeden Fall gut. Wenn alle an einem Tisch sitzen, kann man eine gute Lösung finden.“

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