Tanzen lernen die Braunschweiger weiterhin nur zu Hause

Braunschweig.  Tanzschüler müssen sich noch gedulden. Bisher dürfen Braunschweigs Tanzschulen nicht öffnen.

Die Tanzschule Berger bietet in Corona-Zeiten auf Youtube Tanzunterricht an, hier Breakdance.

Die Tanzschule Berger bietet in Corona-Zeiten auf Youtube Tanzunterricht an, hier Breakdance.

Foto: Katharina Lohse

Wer sich in diesen Tagen die Tanzschuhe zuschnürt, der sollte auch den Computer anschalten – zumindest, wenn er etwas Neues lernen will. Denn die Tanzschulen dürfen wegen der Corona-Krise in Niedersachsen nach wie vor nicht öffnen. Neue Schritte lernen Interessierte nur per Video, die beispielsweise die Tanzschule Berger und die Tanzschule Hoffmann anbieten.

Viele Tanzschüler seien verwirrt, sagt Stefan Krause, Inhaber der Tanzschule Hoffmann. Sie wollten wissen, warum die Tanzschulen in Nordrhein-Westfalen und Hessen öffnen dürften, nicht aber in Niedersachsen. „Ich habe einen Kunden-Telefonmarathon hinter mir“, sagt Krause. Er ärgert sich: „Wir dürfen nicht einmal Privatstunden geben.“

In anderen Bundesländern sieht das anders aus. Am 6. Mai verkündete Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), dass unter anderem die Tanzschulen vom 11. Mai an wieder öffnen dürfen, wenn auch unter strengen Abstands- und Hygieneauflagen. Auch in Hessen trat mit dem 9. Mai in Kraft, dass Tanzschulen wieder öffnen dürfen. Demnach allerdings darf „Tanzen in der Tanzschule grundsätzlich nur kontaktfrei erfolgen“. Beim Tanzunterricht müsse die Gruppengröße so reduziert werden, dass jederzeit der Mindestabstand von eineinhalb Metern gewährleistet sei und die sonstigen Hygieneregeln eingehalten würden.

Niedersachsen hingegen hat sich bisher dagegen entschieden. Sport ist derzeit nur im Freien erlaubt, Tanzen in Tanzschulen wird als Indoor-, also Hallen-Sport eingestuft. Eine Sprecherin des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung teilt mit, dass das Land in einer weiteren Verordnung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie eine Entscheidung über die Lockerung für die Tanzschulen fällen werde. Die aktuelle Verordnung gilt bis zum 27. Mai. Mögliche Lockerungen hingen maßgeblich von der weiteren Entwicklung des Infektionsgeschehens ab.

Für mögliche Lockerungen sind Braunschweigs Tanzschulen vorbereitet. Krause: „Wir haben ein Hygienekonzept erarbeitet und das Team geschult, so dass jeder sensibilisiert ist.“ Ein- und Ausgänge werden klar definiert, in den Tanzsälen werden Parzellen abgeklebt, die Paare oder Einzelpersonen beim Tanz nicht überschreiten dürfen, Pausen finden nicht statt, wenn die Gruppen wechseln, werden die Räume wie Sanitäranlagen desinfiziert. „Was gefordert wird, können wir bei weitem erfüllen.“

Ähnliches berichten Lutz Berger, Inhaber der Tanzschule Berger, und Kirsten Kwiatkowski, die die Tanzschule Haeusler Kwiatkowski führt. Kwiatkowski: „Auch wenn wir wieder öffnen dürfen, werden die Einschränkungen wohl noch lange andauern. Wir haben daher verschiedene Stufen der Lockerung ausgearbeitet.“

Derweil haben die Tanzschulen mit Umsatzeinbußen zu kämpfen. „Da wir unsere Leistungen nicht zur Verfügung stellen können, können wir auch keine Zahlungen annehmen“, sagt Kwiatkowski. Auch Lutz Berger hat für den Mai keine Beiträge eingezogen. In einem offenen Brief an die Mitglieder bat er jedoch bereits Mitte April um Spenden. „Ohne Ihre Unterstützung verzeichnen wir keine Einnahmen“, heißt es darin. „Mieten, Löhne und andere Fixkosten müssen aber zeitgleich beglichen werden. Wir stehen mit dem Rücken zur Wand.“

Der Aufruf war erfolgreich. Rund 50 Prozent der Mai-Einnahmen seien gespendet worden, sagt Berger. Als kleine Gegenleistung und um „etwas Feeling nach Hause zu bringen“, führt Berger die Online-Tanzlehrvideos über den Online-Videokanal Youtube weiter. Mehr als hundert seien bereits im Internet frei abrufbar. Das Angebot werde gut angenommen. Auch die Tanzschule Hoffmann stellt mehr als 150 Videos auf einer internen Mitgliederseite zur Verfügung.

Und da natürlich auch Tanzveranstaltungen ausfallen müssen, beteiligte sich die Tanzschule am „DisTanz in den Mai“, einer Alternative zum alljährlich stattfindenden Tanz in den Mai für zu Hause. Tom Gaebel machte via Youtube Musik, die Mitglieder der Tanzschule konnten sich vorab Prosecco, Wein und Erdbeeren in der Tanzschule abholen. „Das Feedback war sensationell.“

Dennoch bleibt das Ziel klar gesteckt. Berger: „Wir wollen aufmachen. Vorbereitet sind wir.“

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder