Braunschweig geht runter vom Gas für Igel

Braunschweig.  In diesem Jahr haben Engagierte mehr als 100 Igelschutzplakate im Stadtgebiet aufgehängt.

Wollen Igel retten (von links): Frank Brunnecker, Susanne Sommer (beide Allianz), Eva Goclik, Anja Buhr (beide BUND), Olaf Neubauer.

Wollen Igel retten (von links): Frank Brunnecker, Susanne Sommer (beide Allianz), Eva Goclik, Anja Buhr (beide BUND), Olaf Neubauer.

Foto: Henning Thobaben

Das Coronavirus bremste ab Mitte März die Wirtschaft und das Privatleben der Menschen aus. Die Folge: Es wurde merklich ruhiger auf den Straßen, der motorisierte Verkehr nahm ab. Was viele Menschen in Probleme stürzte, war zumindest gut für die Natur. Ein Profiteur: der Igel, der bei regem Verkehr allzu oft unter die Räder gerät. Trotzdem wollen der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und Olaf Neubauer die Menschen jetzt wieder für das Wohl der stacheligen Tiere sensibilisieren und rufen mit Plakaten zu einer umsichtigen Fahrweise auf.

„Achtung Igel!“ steht auf vielen der mehr als 100 Plakate, die mittlerweile in 26 Stadtteilen hängen. Und die verfehlen ihre Wirkung offenbar nicht. „Die Zahl der getöteten Igel ist den entsprechenden Stadtteilen mit Hilfe der Plakate um rund 90 Prozent zurückgegangen“, erklärt Neubauer. Der 51-Jährige hatte die Aktion im Jahr 2015 ins Leben gerufen. Der Anlass: Immer wieder hatte der in Melverode wohnende Braunschweiger auf den Straßen platt gefahrene Igel gesehen. Nach langem und zähem Ringen mit der Politik durfte er damals die ersten Plakate in Glogaustraße und Leipziger Straße aufhängen.

Über die Jahre ist die Aktion immer größer geworden. Wenig später sprang der BUND mit auf. „Der Igel ist ein Symboltier für die Lebensbedingungen von Stadttieren und zudem bei Kindern sehr beliebt“, sagt die Kreisgruppen-Vorsitzende Eva Goclik. Sie freut sich, dass der Igelschutz durch die Aktion mehr Aufmerksamkeit erfahren hat. Die BUND-Datenbank mit Zahlen über lebende und tote Igel im Stadtgebiet werde regelmäßig gepflegt.

In der Anfangszeit hatte Olaf Neubauer die Plakate noch aus eigener Tasche bezahlt. Das hat sich geändert. In diesem Jahr spendierte die Allianz-Umweltstiftung „Blauer Adler“ gut 70 zusätzliche Aushänge. „Der Igel ist ein wichtiger Teil des Ökosystems. Und gerade die Corona-Krise hat gezeigt, wie verletzlich der Mensch ist“, sagt Allianz-Generalvertreter Frank Brunnecker. Während Kinder mit den kleinen Säugetieren sehr liebevoll umgingen, führen die Erwachsenen die Tiere in ihrem Alltagsstress oft rücksichtslos platt.

„Ich freue mich sehr, dass wir durch die Unterstützung in noch mehr Straßen zum Igelschutz aufrufen können“, sagt Olaf Neubauer. Dank des Engagements des Sponsors stünden jetzt sogar Ersatzplakate zur Verfügung. „Leider gehen jedes Jahr einige durch Sturmschäden oder Vandalismus verloren“, sagt der Tierfreund. Die Kosten gehen dann schnell in den dreistelligen Bereich. Rund 45 Euro kostet die Anfertigung eines Plakates.

In der Schuntersiedlung ist es Yoga Tara Harborth, die bei Anwohnern um Platz für Plakate an privaten Gartenzäunen bittet. Doch die Naturschützerin betont auch, dass der Igelschutz nicht auf Plakate im Verkehr beschränkt sein darf. „Wichtig sind igelfreundliche Gärten mit aufgeschüttetem Laub oder Holz und ohne Einsatz von Giften“, sagt sie. Elektrische Gartengeräte wie Laubpuster oder Rasentrimmer seien eine Gefahr für die Tiere. Überhaupt solle das eigene Stück Grün nicht übergepflegt sein.

Die BUND-Igeldatenbank ist im Internet zu finden unter der Adresse: bund.trimblefeedback.com

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