Abiturienten verärgert über Antwort aus dem Ministerium

Braunschweig.  Mit ihrer Forderung, dass die Abi-Prüfungen dieses Jahr entfallen, haben die Abiturienten offenbar keinen Erfolg. Die Enttäuschung ist groß.

Prüfungsvorbereitungen in einer Turnhalle: Auch in den Schulen müssen wegen Corona Abstandsregeln eingehalten werden.

Prüfungsvorbereitungen in einer Turnhalle: Auch in den Schulen müssen wegen Corona Abstandsregeln eingehalten werden.

Foto: Hans Punz / Symbolfoto dpa

Nächste Woche wird es für die rund 500 angehenden Abiturienten in unserer Stadt ernst: Am Montag finden die ersten schriftlichen Abiturprüfungen in Niedersachsen statt. Die Hoffnung der Schüler, die sich vehement für eine Streichung der Prüfungen aufgrund der erschwerten Lernbedingungen in der Corona-Isolation eingesetzt hatten, sinkt damit gegen Null – so sagt es zumindest Erik Behmer, Schüler der Wilhelm-Bracke-Gesamtschule in der Weststadt.

Schüler seiner Schule hatten, ebenso wie Schüler der IGS Franzsches Feld, in einem offenen Brief an das Kultusministerium in Hannover appelliert, die Abschlussprüfungen ausfallen zu lassen (wir berichteten). Mittlerweile ist an beiden Schulen ein Antwortschreiben aus dem Ministerium eingetroffen. Schüler Erik Behmer sagt: „Ich bin enttäuscht von der Antwort.“ Darin heißt es unter anderem, es gebe „auch eine große Gruppe an Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften, die die Durchführung dieser Prüfungen einfordern.“ Erik glaubt das nicht: „Uns ist niemand bekannt, der die Prüfungen unbedingt will. Im Gegenteil: In Online-Petitionen wurden bundesweit mehr als 100.000 Unterschriften gegen die Prüfungen gesammelt, zudem unterstützen der Schulleiterverband, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft GEW und der Landesschülerrat unsere Forderung.“ Auch die anderen Argumente in dem Brief hätten ihn und seine Mitschüler nicht überzeugen können.

Das Ministerium verweist in seinem Schreiben darauf, dass die verantwortlichen Kultusminister der 16 Bundesländer „gemeinsam beide Seiten gegeneinander abgewogen, um einen verantwortbaren Weg gerungen und sich die Entscheidung darüber nicht leicht gemacht“ hätten. Entschieden wurde: Die Prüfungen finden statt, wenn auch drei Wochen später als ursprünglich geplant. „Demokratie bedeutet nicht, die eigene Sichtweise in jedem Fall durchsetzen zu können“, heißt es weiter. Erik kontert: „Dieses Argument können wir zurückgeben. Wir sind viele, doch unsere Meinung wird einfach ignoriert.“ Er glaubt, dass die Bedingungen, unter denen in diesem Jahr die Prüfungen abgelegt werden, besonders unfair seien: „Es gibt Schüler, die haben ein Tablet und konnten in Ruhe in Haus und Garten für die Prüfungen lernen. Und es gibt Schüler, deren Familien unter Existenzsorgen leiden, die beengt wohnen, auf ihre kleinen Geschwister aufpassen mussten, kein eigenes Zimmer und keinen Rechner zur Verfügung haben - und die sich deshalb kaum vorbereiten konnten.“

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Die Schüler der IGS Franzsches Feld haben ebenfalls einen Antwortbrief auf ihr Schreiben vom Ministerium erhalten. Es ist wortgleich mit dem Antwortbrief an die Wilhelm-Bracke-Abiturienten. Schüler Max Berkhan schreibt unserer Redaktion, das Schreiben sei „absolut frustrierend und enttäuschend“. Er verweist auf seine Twitter-Nachricht, in der er seinem Ärger Luft macht: Das Schreiben zeige, „wie die Sorgen und Ängste der Schüler in Niedersachsen systematisch und wie am Fließband abgearbeitet werden“.

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