Erster Schultag an Braunschweigs Grundschulen

Braunschweig.  Im Gänsemarsch ins Klassenzimmer – die Leiterin der Grundschule Hohestieg erzählt im Interview, wie der erste Schultag verlaufen ist.

Grüne Punkte auf dem Boden zeigen den Schülern der Grundschule Hohestieg, wo sie sich aufstellen sollen. Im Gänsemarsch geht es dann in den Unterricht. Für rund 2000 Viertklässler in Braunschweig hat der Unterricht am Montag wieder  begonnen.

Grüne Punkte auf dem Boden zeigen den Schülern der Grundschule Hohestieg, wo sie sich aufstellen sollen. Im Gänsemarsch geht es dann in den Unterricht. Für rund 2000 Viertklässler in Braunschweig hat der Unterricht am Montag wieder begonnen.

Foto: Bernward Comes / Braunschweiger Zeitung

Zum ersten Mal seit sieben Wochen sind am Montag die Grundschulen geöffnet worden: Für die Viertklässler hat wieder der Unterricht begonnen. Sind sie alt genug, sich an die Abstandsregeln zu halten? Und mit welchen Emotionen war der erste Schultag verbunden? Wir sprachen mit Gabriele Hübner, Leiterin der Grundschule Hohestieg im Westlichen Ringgebiet.

Frau Hübner, was für ein Gefühl war es für Sie, die Kinder am Morgen in Empfang zu nehmen?

Es war ein Gefühl wie bei der Einschulungsfeier, ein ganz besonderer Tag. Wir haben die Kinder vermisst und uns sehr gefreut, sie nach so langer Zeit wiederzusehen – auch wenn ich manche Kinder wegen ihres Mundschutzes nicht sofort erkannt habe.

Wie war die Stimmung unter den Kindern: Waren sie fröhlich und laut oder eher verhalten, ängstlich?

Manche sehr fröhlich und wie immer. Andere waren verhalten und auch ein wenig betroffen von der Situation, dass wir dort alle mit Mundschutz standen. Das empfindet jedes Kind anders, ähnlich wie bei uns Erwachsenen.

Wie sieht es mit Ihrem Kollegium aus: Konnten alle zum Dienst kommen?

Ich habe ein vollständiges Kollegium. Da ich bei uns mit 58 Jahren die Älteste bin, war das Thema Risikogruppe bei uns kein großes. Bei den jüngeren Kollegen ging es eher um die Frage, wie sie die Betreuung ihrer eigenen Kinder regeln können.

Wie hatten Sie den Schulstart vorbereitet?

Wir haben geschaut, wo man im Gebäude künftig wie laufen darf, so dass man sich möglichst nicht zu nahe kommt. Entsprechend haben wir Treppenhäuser, Flure und Flächen markiert und abgeklebt. Draußen auf dem Pausenhof haben wir Wartepunkte aufgemalt. Die Kinder stellen sich dort auf und werden von der Klassenlehrerin abgeholt. Dann gehen sie im Gänsemarsch durchs Schulhaus – vieles muss zurzeit im Gänsemarsch erfolgen. Am Montag hat das gut geklappt. Wir haben ausreichend Flüssigseife und in jedem Klassenzimmer ein Waschbecken. Um Zeit zu sparen, waschen sich die Kinder in einer Art Kreisverkehr die Hände.

Das müssen Sie erklären...

Das erste Kind macht sich die Hände nass und nimmt sich Seife, dann stellt es sich wieder hinten in die Warteschlange. So kann es ganz in Ruhe die Hände einseifen. Sobald es wieder vorn am Waschbecken ist, kann es die Seife wieder abspülen. Es dauert aber immer noch ziemlich lange, bis alle fertig sind.

Zurück zur Organisation: Was läuft anders als sonst?

Die Anfangs- und Pausenzeiten haben wir versetzt. Das lässt sich im Moment, da wir nur zwei halbe vierte Klassen hier haben, gut regeln. Wir mussten ja alle Klassen teilen und unterrichten sie im wöchentlichen Wechsel, so wie die Stadt es empfohlen hat. Das Kultusministerium hatte mehrere Varianten zur Auswahl gestellt.

Zudem bin ich zurzeit jeden Tag sehr viel mit Kommunikation beschäftigt, also auch damit, die Fragen von Eltern am Telefon zu beantworten. Da gibt es viel zu klären und viel Unsicherheit.

Was ist zurzeit die größte Herausforderung: Dass die Kinder lesen, schreiben und rechnen, um den verpassten Stoff aufzuholen? Oder geht es erstmal darum, das Erlebte aufzuarbeiten?

Am ersten Tag ging es in erster Linie um die vielen neuen Regeln, die sie nun beachten müssen: Welche Wege sie einhalten müssen, wie sie sich die Hände waschen sollen, dass sie Abstand wahren sollen. Das müssen sie jetzt erstmal üben, damit es künftig ganz automatisch klappt.

An vorderster Stelle steht für uns jedoch, die Kinder nach dieser besonderen Zeit wieder in Empfang zu nehmen, ihnen Gelegenheit zu geben zu erzählen, was sie erlebt haben. Die Situation zu Hause ist sehr verschieden, in manchen Familien gibt es existenzielle Notlagen. Alle Ängste, die wir Erwachsenen haben, haben die Kinder auch.

Natürlich ist es wichtig, dass die Kinder ihren Lernstoff nachholen und weiterlernen. Aber die emotional-soziale Stabilität ist noch wichtiger als das kleine Einmaleins.

Corona in Braunschweig- Alle Fakten auf einen Blick

Stichwort Homelearning: Wie sind Ihre Erfahrungen?

In den letzten Wochen hat das sehr gut geklappt, wir haben alle Kinder erreicht. Es gab alles: Chats, Mails, Videokonferenzen und auch einen Termin am Zaun neben der Schule: An den Zaun wurden Beutel mit Lehrmaterial gehängt. Die Kinder konnten sich die Materialien abholen und auf Distanz mit den Lehrkräften sprechen.

Die meisten Lehrer setzen sich mindestens einmal die Woche aufs Fahrrad und verteilen ihre Aufgaben. Wenn die Schüler wieder jede zweite Woche in der Schule sind, wird das einfacher, dann können wir ihnen die Lernpakete für die nächste Woche direkt mitgeben. Wobei man sagen muss: Lernen ist immer Beziehungsarbeit und erfordert den direkten Kontakt zwischen Lehrern und Schülern, insbesondere in der Grundschule.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder