Volkshochschule Braunschweig nutzt in der Krise das Netz

Braunschweig.  In Zeiten der Pandemie ersetzt der virtuelle Raum notgedrungen das reale Miteinander. Das ist auch und vor allem im Bildungssektor zu beobachten.

Die Volkshochschule Braunschweig hat ihr Angebot im Zuge der Corona-Krise weiter auf online umgestellt.

Die Volkshochschule Braunschweig hat ihr Angebot im Zuge der Corona-Krise weiter auf online umgestellt.

Foto: Henning Thobaben

Die Volkshochschule (VHS) Braunschweig hat in den vergangenen Wochen ihr Online-Kursangebot massiv erweitert. Im Fremdsprachenbereich lernen die Kunden neben Schwedisch jetzt zusätzlich Englisch von zu Hause aus.

Inhalte von Online-Kursen zu Fotografie, Bildbearbeitung, Wirtschaftsthemen sowie Webinare zu Computerthemen werden ebenfalls über eine von allen Volkshochschulen in Deutschland genutzte Cloud vermittelt. Und weitere netzbasierte Angebote sollen jetzt nach Ostern folgen.

Volkshochschul-Geschäftsführer Hans-Peter Lorenzen hat sich nach der coronabedingten Unterbrechung der Präsenzkurse immer wieder ein Zitat von Friedrich Hölderlin vor Augen geführt: „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“, hatte der Dichter einst ausgeführt. Dementsprechend wollte der gelernte Germanist mit der Krise konstruktiv umgehen.

Die ersten Ergebnisse sind jetzt sichtbar. „Es ist eine tolle Erfahrung, in der virtuellen Welt zu lernen“, sagt Lorenzen, betont aber auch: „Die Volkshochschule, wie sie alle bisher kannten, wird es nach der Krise weiter geben. Wir sind eine Einrichtung, in der sich Menschen eben auch real begegnen sollen.“

So lange das noch nicht wieder möglich ist, treffen sich viele Kursteilnehmer vor den Bildschirmen. Mit ihren Zugangsdaten wählen sich die Teilnehmer ein. Die Kursleitung begrüßt anschließend alle, die sich dann in einer Einführungsrunde kurz vorstellen und für die Gruppe sichtbar sind.

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Elemente wie Tafelbild, Präsentationen, Lernmaterialien, interaktive Übungen oder Gruppenarbeit gibt es weiterhin. Dass dieses System funktionieren kann, beweist der Schwedischkurs der Volkshochschule. Er startete vor drei Jahren aus der Not heraus im Onlineformat, weil die Kursleiterin nicht in der Region wohnt.

In der vergangenen Woche lud Hendrik Podein Teilnehmer zu einem Online-Testlauf für einen Englisch-Kurs ein. Da die Volkshochschule gerade in den klassischen Bereichen viele ältere Kunden hat, wählte der Kursleiter für die Probestunde eine reine Frauengruppe aus, die fast nur aus Seniorinnen besteht.

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„Zehn von elf Teilnehmerinnen waren dabei, alle hatten viel Spaß“, berichtet Podein. Internetverbindung, Kamera, Mikrofon, Kopfhörer – mehr brauche man nicht. Schon ein Handy reiche letztlich aus, wenn der Bildschirm dann auch klein sei. Der Feldversuch klappte. Fazit: „Technisch gab es keine Probleme, alle hatten viel Spaß“, erklärt Podein.

Bei Kursen mit bis zu acht Teilnehmern sind die Mikrofone bei allen Teilnehmern gleichzeitig freigeschaltet. Ist die Gruppe größer, muss der Kursleiter den Lernenden das Rederecht zuweisen, nachdem diese auf einer Symbolleiste Wortbeiträge oder Fragen angemeldet haben. „Es ist sicher kein Ersatz für normale Kurse, aber eine sinnvolle Überbrückung in diesen Zeiten“, sagt Podein.

Die Volkshochschule berechnet den Teilnehmern für das Notangebot nicht den normalen Kurspreis, sondern nur eine geringere Aufwandsentschädigung. „Wir wollen schließlich nur den Kontakt aufrecht erhalten und nicht Kapital aus der Krise schlagen“, so Lorenzen.

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