Braunschweiger fertigen Corona-Schutz aus dem 3D-Drucker

Braunschweig.  Freiwillige Helfer fertigen kostenlose Visiere für Praxen und Kliniken. Auch TU, DLR und Ostfalia sind aktiv und produzieren Schutzschilde.

Christian Milbrandt (rechts) und Lars Andresen stellen Schutzvisiere mit dem 3D-Drucker her. Sie werden kostenlos an Praxen, Kliniken, Apotheken und Pflegeheime verteilt.

Christian Milbrandt (rechts) und Lars Andresen stellen Schutzvisiere mit dem 3D-Drucker her. Sie werden kostenlos an Praxen, Kliniken, Apotheken und Pflegeheime verteilt.

Foto: Privat

Lars Heinemann hatte sich den 3D-Drucker zu Weihnachten gewünscht. „Ich habe Spaß am Drucken“, erzählt der 14-Jährige. Normalerweise druckt der Schüler des Wilhelm-Gymnasiums Ersatzteile damit, etwa für sein ferngesteuertes Auto. Doch nun ist er in die Produktion von Halterungen für Schutzvisiere eingestiegen.

Vier bis fünf Stunden dauert es, bis der 3D-Drucker eine Halterung gedruckt hat. Um schneller produzieren zu können, hat Lars sich mit Unterstützung seines Schulleiters einen weiteren 3D-Drucker von der Schule geliehen. „Im Internet war ich auf einen Aufruf von ,Maker vs. Virus’ gestoßen“, erzählt der Schüler. „Maker versus Virus“ meint so viel wie „Tüftler gegen das Virus“. Es handelt sich um eine bundesweite Aktion mit zahlreichen regionalen Gruppen: Die freiwilligen Helfer stellen Schutzschilde her, die sie kostenlos an Arztpraxen, Kliniken, Apotheken und Pflegeheime verteilen, die Bedarf melden.

Die Tüftler sind gut untereinander vernetzt. Christian Milbrandt hat den „Braunschweig Hub“ gegründet mit 190 Helfern aus der Region. Lars gehört zu den jüngsten Unterstützern. Insgesamt stehen 130 Geräte für das Drucken der Halterungen zur Verfügung. Einige Helfer kümmern sich in der Zentrale von Stratum0 im Schimmelhof um das Zuschneiden der Kunststofffolie mit Lasercuttern und befestigen das Gummiband. Sechs Fahrer liefern die fertigen Schutzschilde aus.

„2330 Schutzschilde konnten wir bereits fertigen“, sagt Christian Milbrandt. Großabnehmer seien die Kliniken in Braunschweig, Wolfsburg und Salzgitter. „Besonders wichtig sind uns aber die kleineren Abnehmer wie Zahnärzte oder Apotheker, die geringere Mengen benötigen und nur schwer an Ausrüstung kommen“, betont der 38-Jährige. 200 Kilo Filament, etliche Kilometer Folie und und 5,3 Kilometer Lochgummiband seien bereits verwertet worden. Finanziert wird das Material über Spenden.

Corona in Braunschweig- Alle Fakten auf einen Blick

Auch an der TU, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie an der Ostfalia Hochschule laufen die 3D-Drucker derzeit heiß, um Gesichtsschilde für das medizinische Personal an den Kliniken in der Region herzustellen. „Die schnelle Vernetzung und die reibungslose Zusammenarbeit der Institutionen ist wirklich super. Alle haben erkannt: Die Lage ist ernst, und wir wollen gemeinsam schnell Lösungen finden. Eine solche Krise setzt auch Kräfte frei“, sagt Professor Christoph Haats aus dem Vorstand des Zentrums für additive Fertigung der Ostfalia, wo engagierte Studenten derzeit mehr als 40 3D-Drucker bedienen. Diplom-Ingenieur Franz-Gregor Haas von der Ostfalia, der in engem Austausch mit seinen Kollegen von TU und DLR steht, ergänzt: „Unter Einhaltung aller Schutzmaßnahmen, die natürlich wichtig sind, können pro Tag bis zu 100 Teile produziert werden.“

Perspektivisch werde daran gearbeitet, die Elemente der Masken per Spritzgussform herzustellen. Dann könne noch deutlich schneller produziert werden. „Für den Übergang ist das 3D-Druckverfahren jedoch die beste Alternative“, so Haas.

MAKER VS. VIRUS

Arztpraxen, Altenheime, Apotheken, Kliniken etc. aus unserer Region, die Bedarf an Schutzvisieren aus dem 3D-Drucker haben, können diesen Bedarf per Mail melden unter: makervsvirus@stratum0.org

Aus Spenden wird das Material für die Schutzvisiere finanziert. Dafür hat das Braunschweig Hub ein Paypal-Konto eingerichtet: www.paypal.com/pools/c/8nIcxOA4h8

Mehr über die Aktion findet man im Internet unter https://stratum0.org/blog/ und unter www.makervsvirus.org

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder