In Braunschweig messen sich High-Tech-Modellfahrzeuge

Braunschweig.  Vier Teams aus der Region treten beim Carolo-Cup in der Stadthalle mit autonom fahrenden Modellen an

Alex Bendrick (links) und Laurenz Borchers vom Team CDLC der TU Braunschweig während des Trainings auf dem Parcours. 

Alex Bendrick (links) und Laurenz Borchers vom Team CDLC der TU Braunschweig während des Trainings auf dem Parcours. 

Foto: Henning Thobaben

In Sachen Design wollte es das Team Ostfalia-Cup diesmal wissen. Das Auto der Informatiker von der Fachhochschule in Wolfenbüttel ging am Dienstagabend beim 13. Carolo-Cup der Technischen Universität Braunschweig mit einer Karosserie an den Start, die mit einem „Flip-Flop-Lack“ besprüht war. Bedeutete: Je nach Blickwinkel oder Lichteinfall änderte das Fahrzeug seine Farbe. Ein nettes Detail in einem Wettbewerb, in dem es im Kern um ganz andere Dinge geht: Die Gruppen konstruieren selbstfahrende Modellfahrzeuge, die sich im Überholen, Erkennen von Fußgängern oder auch fehlerfreiem Einparken beweisen.

Mit einem Airbrush-System hatten die Mitglieder des Teams Ostfalia-Cup den Farbwechsel-Lack aufgesprüht. Denn vorher war die Karosserie komplett weiß. Der Grund: Bis auf Motor und elektronische Bauteile kam bei ihrem Auto alles aus dem 3D-Drucker. „Dadurch umgehen wir die Lieferkette für einzelne Teile, sparen Geld und bauen nachhaltiger. Die Kunststoffteile sind recycelbar“, erklärte Florian Pramme. Der 34-Jährige ist mittlerweile Lehrkraft an der Ostfalia. Vor zehn Jahren hatte er das Team gegründet, damals als Student.

Die Gruppe war im Vergleich zu anderen recht klein, hatte nur sechs Mitglieder. Das hieß: Mehr Arbeit für jeden Einzelnen. Die Arbeit am neuen Auto begann laut Florian Pramme bereits in der Nacht nach dem letztjährigen Wettbewerb. „Da fällt der ganze Druck ab und man hat gleich neue Ideen“, berichtete er. Allerdings ist die Müdigkeit auch groß. In den letzten Nächten vor dem Cup wird traditionell getüftelt bis zum Einschlafen.

Das war beim Team CDLC der TU Braunschweig nicht anders. Die Abkürzung im Gruppennamen steht für „Crazy Dancing Little Caroline“, was so viel heißt wie verrückt tanzende kleine Caroline. Caroline ist das stetig neu- und weiterentwickelte Auto, das in den vergangenen Jahren schon mehrfach auf dem Treppchen landete. Auf das Design legen die Studierenden in Elektrotechnik und Maschinenbau keinen gesteigerten Wert. „Wir sind da eher die Pragmatiker“, meinte Laurenz Borchers grinsend. Der 22-Jährige war in diesem Jahr das erste Mal dabei. „2019 habe ich zugeschaut und war total fasziniert“, erzählte er. Und so wurde er einer von vielen Neuen. Nur noch zwei Mitglieder aus dem vergangenen Jahr waren beim neuen Projekt dabei.

Auch am Tisch des CDLC-Teams wurde am Dienstag noch akribisch getüftelt. Einige Mitglieder testeten die Funktionen ihres Fahrzeugs auf der Strecke, andere versanken mit starrem Blick in ihren Notebooks. „Ohne den Feinschliff geht’s nicht“, erklärte Laurenz Borchers, betonte aber: Zwischen den Teams gehe es sehr fair zu. Man helfe sich bei Problemen gegenseitig.

Und das, obwohl Ehrgeiz und Konkurrenz groß sind. Ebenso der finanzielle Anreiz: 11.000 Euro Preisgeld gab es für die Siegerteams. Wobei die Summe in der Regel für gemeinsame Aktivitäten und Materialkosten im Zuge des nächsten Wettbewerbs aufgewendet wird. Den meisten Teilnehmenden geht es um Spaß, Erfahrungen in der Teamarbeit und Referenzen bei der späteren Jobsuche.

Insgesamt 19 Teams traten gestern Abend an, darunter mit den ISF Löwen ein weiteres Team der TU Braunschweig und mit e.Wolf eine Gruppe der Ostfalia am Standort Wolfsburg. „Drei Teams haben leider absagen müssen, weil sie zu große Probleme mit ihrem Auto hatten“, erzählte Jan Richelmann vom Orga-Team. Angereist waren Teilnehmer aus dem ganzen Bundesgebiet sowie aus Polen und Bulgarien.

Viele Monate Arbeit lagen hinter den Gruppen – bis sich am Abend innerhalb weniger Minuten entschied, ob das Fahrzeug so wollte, wie die jungen Programmierer wollten. Das Endergebnis lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor.

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