Hebammen-Mangel: Braunschweig plant Vermittlungszentrale

Braunschweig.  Fast jede dritte werdende Mutter findet in Braunschweig laut Stadtverwaltung keine Hebamme für die Wochenbett-Betreuung.

Eine Hebammenzentrale soll die Arbeit der Hebammen koordinieren.

Eine Hebammenzentrale soll die Arbeit der Hebammen koordinieren.

Foto: Fredrik von Erichsen / picture alliance/dpa

Eine Hebammenzentrale soll werdende Eltern in Braunschweig künftig bei der Suche nach einer Hebamme unterstützen und beraten – und zugleich den Einsatz von Hebammen besser koordinieren. Hintergrund für die SPD- und FDP-Anträge zur Einrichtung einer solchen Zentrale ist der eklatante Hebammen-Mangel.

Einer stetig abnehmenden Zahl an Hebammen und Vollzeitkräften steht eine steigende Geburtenrate gegenüber. Direkt nach Feststellung der Schwangerschaft müssen Frauen mit der Hebammen-Suche beginnen. Trotzdem findet nach Auskunft der Stadtverwaltung in Braunschweig fast jede dritte Schwangere keine Hebamme für die Wochenbett-Betreuung – und das, obwohl in dieser sensiblen Phase Weichen gestellt würden, die oft entscheidend für ein gesundes Aufwachsen des Kindes seien.

„Es wurde deutlich, dass insbesondere junge Mütter und erst zugezogene Frauen wegen fehlender Kontakte vor Ort große Probleme haben, eine Hebamme zu finden“, begründet SPD-Ratsfrau Annette Schütze den Haushaltsantrag ihrer Fraktion. „Eine Hebammenzentrale könnte Zeit sparen und Nerven schonen“, meint auch die FDP-Fraktion im Rat. Bisher müssten sowohl Schwangere als auch Hebammen viel Zeit mit Telefonieren verbringen.

„Hebammen herbeizaubern kann eine Hebammenzentrale natürlich nicht“, sagt Veronika Bujny. Gleichwohl spricht die Vorsitzende des niedersächsischen Hebammenverbandes von einer erfolgreichen Arbeit solcher Zentralen in anderen Städten wie Hannover, Osnabrück oder Oldenburg. „In Zeiten der Knappheit ist es sinnvoll, die Ressourcen gut einzusetzen.“

Eine zentrale Koordinierung ermögliche zum Beispiel eine wohnortnahe Betreuung und kürzere Anfahrtszeiten ebenso wie gemeinschaftliche Betreuungsmodelle oder auch kurzfristige Urlaubs- und Krankheitsvertretungen. Eine deutliche Entlastung der Hebammen erwartet Veronika Bujny zudem dadurch, dass die Zentrale ihnen die Aufgabe abnimmt, im Erstgespräch allgemein über Hebammen-Leistungen zu informieren und zu beraten. Allheilmittel seien das nicht, doch unterstützende Maßnahmen, die Kapazitäten für die Arbeit mit Eltern und Kind freisetzen.

Darüber hinaus soll die Hebammenzentrale auch freiberufliche Hebammen vor Ort anwerben und ihnen den Einstieg in die Selbstständigkeit erleichtern.

Bujny betont ihre Dankbarkeit gegenüber den Städten. Denn die Finanzierung von Hebammenzentralen seien „freiwillige Leistungen der Kommunen, die die Not erkennen“.

In Braunschweig sind im Haushalt für dieses Jahr zunächst 30.000 Euro ab Jahresmitte veranschlagt, fürs volle Jahr fallen nach den Berechnungen der Stadtverwaltung künftig rund 50.000 Euro an.

Beschäftigt werden sollen in der Zentrale eine erfahrene Hebamme mit einer 18-Stunden-Stelle und eine Vertretungskraft mit fünf Wochenstunden.

Als Träger ist Pro Familia im Gespräch – in Kooperation mit dem Hebammenverband Niedersachsen sowie dem Städtischen Klinikum und dem Marienstift mit ihren Geburtskliniken.

Sozial- und Gesundheitsdezernentin Christine Arbogast sieht in der Anbindung der Hebammenzentrale bei Pro Familia eine schnelle und kostengünstige Lösung. „Mietkosten entfallen, die Infrastruktur kann mitgenutzt werden.“

Auch die städtische Gleichstellungsbeauftragte Marion Lenz hält diesen Vorschlag für sehr praktikabel. „Ich bin froh, dass wir so schnell so weit gekommen sind“, verweist sie auf die Arbeit eines im vergangenen Sommer gegründeten Runden Tisches zur Hebammenversorgung.

Für den Ausschuss für Soziales und Gesundheit bringt Vorsitzende Annette Schütze ebenfalls dessen Zustimmung auf den Punkt: „Die Hebammenzentrale ist eine echte Verbesserung in der Schwangerenversorgung.“

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