Silvesterrakete im Löwengehege: Zoo Stöckheim will Böllerverbot

Braunschweig.  Nicht nur die Tiere im Stöckheimer Zoo leiden unter dem Silvester-Krach. Der Verein Stadttiere fordert sogar ein Verbot für private Feuerwerke.

Diese Goldkopflöwenaffen erlebten in ihrem Gehege eine ruhige Silvesternacht.

Diese Goldkopflöwenaffen erlebten in ihrem Gehege eine ruhige Silvesternacht.

Foto: Peter Sierigk

Was war in der Silvester-Nacht im Stöckheimer Zoo los? Einiges. Laut Zoo-Direktor Uwe Wilhelm zischten die Silvesterraketen über das Areal – und eine sei genau auf dem Dach des Löwenhauses gelandet. Während draußen, vorm Zoo, den ganzen Abend die Böller krachten. Verängstigt hockten vor allem die jungen Äffchen, die Kattas, Rothandtamarine und Totenkopfäffchen, in der Ecke ihrer Geheges. Die Silvesternacht war für sie kein schönes Erlebnis.

Die gute Nachricht: Passiert ist laut Wilhelm den Tieren nichts. Keines kam zu Schaden. Anders als im Krefelder Zoo, in dem in der Silvesternacht mehr als 30 Tiere durch ein Feuer im Affentropenhaus ums Leben kamen, das durch Silvesterfeuerwerk ausgelöst wurde. Unter den verbrannten Tieren: fünf Orang-Utans, zwei Flachlandgorillas – darunter ein 45 Jahre alter Silberrücken namens „Massa“ – und ein Schimpanse. Darüber hinaus starben weitere kleinere Affen, Flughunde und auch Vögel.

Für den Chef des Braunschweiger Zoos, Uwe Wilhelm, ist das eine schreckliche Nachricht, die ihn nachdenklich stimmt. Zumal direkt an seinem Tierpark wieder einmal geböllert wurde, was die Arsenale hergaben. Selbst am Neujahrstag noch. „Da wurden China-Böller geworfen, dass hier im Zoo die Scheiben wackelten.“

Wer sorgte in der Silvesternacht für die Sicherheit der Tiere?

Dazu muss man wissen: Die Wilhelms wohnen inmitten der Anlage. Seit jeher schieben sie in der Silvesternacht in ihrem Zoo Feuerwache. „Ab Mitternacht bis halb drei, drei Uhr sind wir bei den Tieren“, berichtet Uwe Wilhelm. Sollte es tatsächlich mal brennen, könne man sofort eingreifen und löschen.

Was sich die Wilhelms wünschen würden: eine Böllerverbotszone rund um den Zoo, die so bemessen ist, dass Silvesterraketen nicht in den Gehegen landen können. Zwar seien die meisten Gebäude aus Stein gemauert, mit Ausnahme des Mäusehauses, das komplett aus Holz ist. „Aber der Dachstuhl unseres Löwenhauses ist aus Holz, da könnte im schlimmsten Fall was passieren, auch wenn das Haus aktuellen Brandschutzbestimmungen entspricht. Aber man weiß ja nie.“

Das sagt der Tierschutzbund

Er fordert angesichts des Unglücks: An Orten, an denen viele Tiere leben, wie Zoos, Tierheime und landwirtschaftliche Betriebe, sollten private Silvesterfeuerwerke untersagt werden.

Unterdessen hat der Deutsche Tierschutzbund auf das Drama in Krefeld reagiert.Das fordert auch Tierheim-Leiterin Verena Geißler, die mit ihren Tieren eine ruhige Silvesternacht erlebte. „Wir haben hier am Biberweg Glück, unser Tierheim ist etwas abgelegen. Geböllert wird hier praktisch gar nicht.“ Verena Geißler wohnt im Obergeschoss des Tierheims. Und dennoch: Mancher verängstigte Tierheim-Bewohner habe am Rad gedreht, als die Böller krachten. „Ein Hund konnte das anscheinend überhaupt nicht ab. Am Morgen lag in seinem Zwinger alles wüst durcheinander.“ Jedes Tier, weiß die Tierschützerin, reagiere anders auf laute Geräusche. Das sei auch eine Charaktersache. „Wir haben Hunde, die interessiert der Lärm nicht. Da erschrickt sich eher der Mensch. Andere hingegen sind total ängstlich.“ Das Schlimme daran: Es werde von Jahr zu Jahr nicht besser, weil sich in der Silvesternacht regelmäßig die vorhandenen Ängste erneut bestätigen.

Was sagt die Stadt zu Böllerverbotszonen?

Sie hatte in ihrer Pressemitteilung vorab um Rücksichtnahme auf Tiere gebeten. Feuerwerkskörper, so Ordnungsdezernent Claus Ruppert, sollten nicht in der Nähe von Tieren gezündet werden, heißt es darin. Dies gelte insbesondere in der Nähe von Freiflächen, auf denen Tiere gehalten werden, etwa Pferdekoppeln, wie es sie zum Beispiel in Alt-Lehndorf gibt. Und zum Thema Böllerverbotszone: Grundsätzlich seien solche Zonen in der Nähe von Tieren schwierig zu erlassen, weil die Gesetzgebung diese nicht vorsieht, so Sprecherin Lisa Bertram. Einschränkungen beim Abbrennen von Feuerwerk würden lediglich in unmittelbarer Nähe zu Kinder- und Altenheimen sowie Kirchen gelten. Außerdem sei das Abbrennen von pyrotechnischen Gegenständen in unmittelbarer Nähe zu besonders brandempfindlichen Gebäuden und Anlagen verboten. „Die Stadtverwaltung kann nur Verbotszonen erteilen, wenn schwerwiegende Verstöße vorgekommen sind, wie etwa unter den Bohlweg-Arkaden.“

Über konkrete Ereignisse am Zoo habe die Verwaltung keine Kenntnis. Bertram: „Wir werden jedoch Kontakt mit dem Zoo aufnehmen, um zu klären, was vorgefallen ist und ob gegebenenfalls Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden können.“

Und was ist mit den Stadttieren?

Auch der Verein Stadttiere Braunschweig sieht das alljährliche Silvesterfeuerwerk aus Tierschützersicht mit gemischten Gefühlen. Der Jahreswechsel ist eine unangenehme Situation für alle Tiere, sagt Vorsitzende Beate Gries. Raketen und Batteriefeuer seien für allem für die Wildvögel eine lebensbedrohliche Situation. „Sie fliegen im Dunkeln in große Höhen auf, um der Bedrohung zu entgehen, obwohl sie in der Finsternis quasi blind sind.“ Gerade in der kalten Jahreszeit verbrauchten die Vögel dadurch ihre letzten Energien, die sie zum Erhalt ihrer Körpertemperatur benötigen.

Den Stadttauben geht es ebenso. „Unseren Taubenschlag hatten wir über Nacht geschlossen. Die Tauben waren ruhig. Die Überwachungskamera hat keine Bewegungen aufgezeichnet.“ Mit dem Bau weiterer Taubenschläge, meint Beate Gries, könne man also zumindest den Stadttauben helfen und die Schläge in der Silvesternacht schließen. „So wären die Tauben sicher.“

Wünschenswert wäre es aus unserer Sicht, wenn es künftig ein öffentliches Feuerwerk der Stadt Braunschweig geben und dafür privates Feuerwerk verboten würde.“

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