Ideen für größere Artenvielfalt in Braunschweig

Braunschweig.  Der Naturschutzbeauftragte Bernd Hoppe-Dominik legt einen Acht-Punkte-Plan vor. Ein Runder Tisch soll eingerichtet werden.

Der Naturschutzbeauftragte Bernd Hoppe-Dominik steht auf einer Weide mit Wasserbüffeln bei Hondelage. Die Büffel weiden das ganze Jahr über am Rande der Schunter.

Der Naturschutzbeauftragte Bernd Hoppe-Dominik steht auf einer Weide mit Wasserbüffeln bei Hondelage. Die Büffel weiden das ganze Jahr über am Rande der Schunter.

Foto: Christian Buchler

Was kann man tun, um die Artenvielfalt zu erhöhen? Braunschweigs Naturschutz-Beauftragter Bernd Hoppe-Dominik stellte im Planungsausschuss einen Acht-Punkte-Plan vor, der das Stadtgebiet ein Stück naturnäher machen soll.

Bernd Hoppe-Dominik ist einer von drei Naturschutz-Beauftragten. Die Ehrenamtlichen werden vom Verwaltungsausschuss bestellt, damit sie die Naturschutzbehörde der Stadt Braunschweig in allen Angelegenheiten des Naturschutzes und der Landschaftspflege beraten und unterstützen.

Hoppe-Dominik macht dies bereits seit zehn Jahren und betreibt keine Verwaltungsschelte. Im Gegenteil. Der promovierte Biologe, der einst an maßgeblicher Stelle an Braunschweigs Artenschutz-Konzept arbeitete, hat eine hohe Meinung von der Kompetenz der Naturschutz-Verwaltung: „Doch als Ehrenamtlicher ist die Verwaltung mir gegenüber nicht weisungsbefugt. Ich darf also öffentlich kritisch sein.“

Am Ende, so sagt er, gehe es um Personal und Geld. Und so liege der Schlüssel bei der Politik, die die Rahmenbedingungen für Fortschritte schaffen müsse. Was sich Hoppe-Dominik besonders wünscht:

1. Braunschweigs Naturschutzverbände und die Stadtverwaltung sollten besser verzahnt werden. Ziel: An einem runden Tisch sollten gemeinsam Richtlinien und Beschlussvorlagen für die Verwaltung und den Rat der Stadt Braunschweig erarbeiten werden.

Um was es dort gehen sollte, dazu macht Hoppe-Dominik sehr konkrete Vorschläge:

2. Die Stadt Braunschweig sollte die Eigentümer-Rechte nutzen und ihre Flächen nur an Landwirte verpachten, die auf mineralische Düngung und chemische Pflanzenschutzmittel verzichten. „Hier geht es um die Förderung des Bio-Landbaus.“

3. Die Mitarbeiterzahl im Grünflächen-Amt, die für die Pflege von Schutzgebieten sorgen, sollte erhöht werden. „Die Ehrenamtlichen von zum Beispiel Nabu und BUND, die das auch machen, brauchen einfach mehr Unterstützung.“

4. Die Stadt Braunschweig und die Stiftung Braunschweigischer Naturbesitz erhöhen den Flächenanteil in ihren Wäldern, der nicht bewirtschaftet wird. Der Anteil sollte von momentan fünf auf zehn Prozent verdoppelt werden. Hoppe-Dominik: „Gerade ältere Bäume sind für die Artenvielfalt wichtig. Es muss ein Konzept erstellt werden, um festzulegen, ob man in unseren Wäldern größere geschützte Inseln oder untereinander verbundene Streifen einrichtet.“

5. Die Flächen, die ganzjährig beweidet werden, müssen auf die Oker ausgedehnt werden. Vorbild sei die Arbeit des Förderkreises Umwelt- und Naturschutz Hondelage an der Schunter. Wobei Hoppe-Dominik der Auffassung ist: „Soll die nachhaltige Grünlandbewirtschaftung erhalten und ausgebaut werden, geht das nur, wenn langfristig Stellen in der Stadtverwaltung geschaffen werden. Die Ehrenamtlichen müssen entlastet werden.“

6. Es müssen wieder mehr Hecken und Feldgehölze angelegt werden. „Das nannte sich einst Braunschweiger Modelle und wurde von vielen Kommunen kopiert. Es war ehrenamtlich konzipiert, wobei die Stadt kostenlos die Pflanzen zur Verfügung gestellt hat. Das Programm ist eingeschlafen.“

7. Im 20 Jahre alten Landschaftsrahmenplan finden sich Vorschläge für 50 Stellen, wo man sofort Schutzgebiete ausweisen könnte. „Jetzt muss die Umsetzung erfolgen. Mindestens ein Schutzgebiet sollte jährlich in Braunschweig neu ausgewiesen werden.“

8. Der sogenannte Ökotopf der Stadt Braunschweig soll besser ausgestattet werden: „Im Augenblick stehen 20.000 Euro zur Verfügung, um die ehrenamtlichen Naturschützer zu unterstützen. Es muss mehr Geld zur Verfügung gestellt werden, wenn man das Engagement der Ehrenamtlichen unterstützen will.“

Hoppe-Dominik bat den Planungs- und Umweltausschuss, eine der nächsten Sitzungen in das Naturerlebniszentrum (NEZ) Hondelage zu verlegen. „Was sich beim Natur- und Klimaschutz in Braunschweig erreichen lässt, kann man dort direkt erleben.“

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